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Tödliche Weihnachten

Mehr Liebe, mehr Geschenke, mehr Umsatz, mehr Herzinfarkte.

Weihnachten ist das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Frieden auf Erden und Harmonie in den Herzen. Es geht nicht um Geschenke und Geld, die Kleinigkeiten sind entscheidend. Eine helfende Hand, eine selbstgebastelte Karte, liebe Worte, … jetzt steht das Miteinander im Vordergrund.
Oder?!?!

Timmy kennt den WeihnachtsmannAuch dieses Weihnachten werden Familien vor dem geschmückten Baum stehen und Kinder werden die Geschenke abzählen. Enttäuschte Aussagen wie „Letztes Jahr waren es mehr!“ und „Ich wollte aber ein PS4“ trüben die feierliche Stimmung. Dann schalten sich die Großeltern ein und erzählen von Früher, als sie nichts hatten und sich noch über Orangen und Nüsse gefreut haben. Das hat aber scheinbar noch nie ein Kind getröstet.
Denn im eingeschneiten London des Jahres 1840 spielt die Geschichte „Timmy kennt den Weihnachtsmann“ von Christian von Aster. Alles, was sich der kleine Timmy wünscht, ist ein stattliches Holzpferdchen. Doch er bekommt vom Weihnachtsmann nur ein winziges Päckchen: einen ollen Holzkreisel. Den haben sich die Eltern sozusagen vom Munde abgespart. Trotzdem ist seine Enttäuschung groß. Er wird im darauffolgenden Jahr bereits ab Januar die ganze Zeit darauf hinarbeiten, dass das nächste Weihnachtsgeschenk nicht auch wieder so armselig ausfällt.

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Schöne neue Realität

Warum Reality-TV Angst vor der Wirklichkeit macht und die Sehnsucht nach Fiktion weckt

Die Teenagertochter, die nicht versteht, dass die Eltern ihr die Nasen-OP nicht zum Geburtstag schenken wollen; das uneinsichtige Ehepaar, das sich zwei Autos und vier Handyverträge leistet und sich dann vom sympathischen und bereits leicht gestressten Schuldnerberater seine monatlichen Ausgaben vorrechnen lässt; der Familienvater, der sich ein Zubrot verdient, indem er pikante Videos von sich und seiner Frau auf einschlägigen Internetplattformen veröffentlicht – der Wahnsinn greift um sich, aber nicht in irgendwelchen Schundromanen, sondern lediglich, wenn man nachmittags den Fernseher einschaltet. Und während man noch offenen Mundes wie auf dem Sofa festgetackert sitzt und sich verzweifelt zu fragen beginnt, ob Fernsehen die Realität kopiert oder andersherum und wo man sich in diesem Fragespiel denn nun selbst befindet, haben sie sich schon ganz klammheimlich ins Unterbewusstsein eingeschlichen – die Trigger, die die Neugier kitzeln und mit der eigenen Lust am Voyeurismus spielen.

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Die Bildungsdefensive

Bybercap/ HerrSchmied

Über ein angestaubtes System & eine Schule, die es besser macht.

Manche Schulkritiker behaupten, bei den heute üblichen Unterrichtsmethoden blieb im Endeffekt nur etwa ein Prozent vom Unterrichtsstoff im Gedächtnis der Schüler hängen. 99 Prozent würden, kurz nachdem sie ins Hirn gepaukt oder geprügelt wurden, auch schon wieder vergessen. Nach dem Schulabschluss bliebe dann nur ein löchriges Allgemeinwissen zurück und nur ein einziges überbewertetes Kondensat: die Schulnote. Mehr nicht. Zu den Kritikern gehört auch Autor Nicolas Schmidt, beziehungsweise sein im Buch lebendig gewordenes Alter Ego Herr Schmied.

Diesem erscheint unser Schul- und Notensystem falsch und nicht mehr zeitgemäß. Mitten im Unterricht rutscht ihm aus Versehen eine inbrünstig geführte Rede heraus:

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Wie die Lemminge!

The Lemming by Holger Much, Illustration für "Nautilus" / The Sycamore Tree & Friends

Die ganze Wahrheit über den Suizid-Mythos der Kult-Nager.

Lemminge sind vor allem dafür bekannt, dass sie stur auf Klippen zurennen und sich in die Fluten stürzen. Dieser faszinierende Massenselbstmord hat die kleinen Wühlmäuse so populär gemacht. Auch in der Geschichte „Höhnenschwindel“ (aus dem multimedialen Buch-Grafik-CD-Projekt Nautilus ) reißen sich die kleinen Nager darum, ins Meer zu hüpfen. Im dazugehörigen Song von „The Sycamore Tree“ jubeln sie sogar noch dabei.
Doch was ist eigentlich an diesem Mythos dran?

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Friss oder stirb!

Dinosaurier

Magersucht ist kein Zuckerschlecken.

Zu manchen Themen scheint es nur eine Meinung zu geben: Drogen sind schlecht, Politiker sind böse, Fernsehen macht dumm. Mit diesem einstimmigen Singsang werden auch die Magersüchtigen bedacht. Die sollen doch einfach mal was essen und die Schuldigen für ihre Krankheit sind auch schnell gefunden: Die Medien, das Internet, die Spielzeugindustrie

Man fordert das Verbot der Pro Ana Foren, denn hier werden nicht nur die physischen Nebenwirkungen wie Kreislaufschwächen oder Organschäden verharmlost, man motiviert sich auch gegenseitig mit „Thinspiration“-Bildern.
Wenn die Modeindustrie als Ursache allen Übels gesehen wird, stürzt man sich auf die dümmlichen Ansagen in „Germany`s next Top Model“ oder zitiert Kate Moss: „Nichts schmeckt so gut, wie das Gefühl dünn zu sein!“
Bei der Eröffnung der rosaroten Barbie-World in Berlin liefen Gegner Amok, weil das Plastikpuppen-Schönheitsideal die Kinder konditionieren würde. Mit dem gleichen Argument könnte man übrigens auch Teddys verbieten – wer möchte schon, dass sein Kind irgendwann einmal gerne pummelig und stark behaart durch die Gegend läuft.

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