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Eiertänze am Ostermontag

Schottenrock, Eier, Ostern, Bühne, Periplaneta

Lesebühne Vision und Wahn im April.

von Janina Jung

Wer auch an christlichen Feiertagen Kultur genießen wollte, besuchte am Ostermontag, den 2.4.2018 die Lesebühne Vision & Wahn im Periplaneta Literaturcafé. Bereits beim Eintreten empfängt mich eine lockere aufgeschlossene Atmosphäre. Das Thema des Abends lautete „Eiertanz“, also definitiv von Ostern inspiriert.

Thomas Manegold, einer der Stammleser der monatlichen Lesebühne, leitete den Abend mit einer Rede über das Fasten und der Erläuterung ein, dass man mit Bier nicht abnehmen könne. Damit erntete er bereits zu Beginn sehr viele Lacher und widersprach damit seiner eigenen Aussage, dass er nicht für die Comedy zuständig sei. Eiertänze am Ostermontag weiterlesen

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Von Orks, Liebesbrieftauben und Proseccopunks

Christian von Aster bei der Buchpremiere zu Neudeutsch 2.0

Ausverkaufte Buchpremieren mit Christian von Aster.

Von Murielle Müller

Nach einem Monat als Projektassistentin bei Periplaneta habe ich nun schon ein paar sehr schöne Veranstaltungen miterlebt. Auf Christian von Asters Lesung freute ich mich schon besonders. Denn gleich in meiner ersten Woche bei Periplaneta durfte ich das Manuskript zu „Neudeutsch 2.0“ lesen und kugelte mich mehrmals vor Lachen.
Am Donnerstag den 29. März war es endlich so weit. Ich stand hinter der Bar, schenkte Bier und Wein ein und aus und wartete, dass es losging.

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Lyrik lebt!

Periplaneta besucht das Poesiefestival Berlin.

Am vergangenen Wochenende haben wir uns exklusiv der Poesie zugewandt und den Beweis dafür gefunden, dass Lyrik alles andere als tot ist, sondern quicklebendig sein kann. Vanessa war als Abgesandte der Periplanetaner bei zwei Veranstaltungen live dabei und sperrte als bekennende Lyrikliebhaberin (und stolz darauf) gebannt Augen und Ohren auf.

Tag 1: Freitag, 16.06.2017

Auf der Veranstaltung „Weltklang“ im Rahmen des Poesiefestivals Berlin wird diese Gattung der Herzen dank zeitgenössischer Dichterinnen und Dichter aus aller Welt und einem saalfüllenden Publikum in großem Stil zelebriert.

Bewaffnet mit Textbüchlein zum Mitlesen und aufklappbarer Leselampe – praktisch notwendig, da die Künstler in Originalsprache vortragen werden – suche ich mir einen Platz im großen Saal der Akademie der Künste.

Den Abend eröffnet eine orientalisch angehauchte Version der Europahymne, gespielt auf der Trompete eines kubanischen Musikers. Sie erinnert mich an das diesjährige Motto des 18. Poesiefestivals: Europa.

Es folgt eine Kreuzung aus philosophischem Dialog und intimem Briefwechsel, vorgetragen von der gerade einmal 25-jährigen flämischen Dichterin Charlotte van den Broeck und Arnon Grünberg, einem der derzeit erfolgreichsten Autoren der Niederlande. Die beiden tauschen sich über politische Vorstellungen, genauso wie über Liebe und Empathie aus, und scheinen sich dabei ständig auf der Grenze zwischen einem öffentlichen und einem privaten Gespräch zu bewegen.

Ist Eurozentrismus gefährlich? Braucht der Schriftsteller ein Vaterland? Was hat Schreiben mit Scham zu tun? Muss man jemandem weh tun, den man liebt? Fragen über Fragen. Mögliche Antworten werden angeschnitten und sogleich wieder hinterfragt – mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren und ich suhle mich ein bisschen in intellektueller Inspiration.

„Weltklang“ rühmt sich damit, die „poetische Vermessung der Welt“ zu sein und hat große Namen der internationalen Poesieszene geladen. Unter anderem Jan Wagner, der es als erster Lyriker unter die Preisträger der Leipziger Buchmesse schaffte – Respekt!

Wie van den Broeck schon zu Beginn mit irgendwie schrulligem und zugleich bezauberndem Akzent konstatierte: Poesie ist die freieste Form der Kunst, weil es keinen Markt für sie gibt. Entsprechend divers fallen dann auch die künstlerischen Darbietungen aus. Während sich die mitteleuropäischen Dichter, wie es das Klischee so will, eher an Wasserglas und Mikroständer klammern, trauen sich Yasuki Fukushima aus Japan oder M. NourbeSe Philip aus Trinidad und Tobago ein wenig mehr Körperlichkeit zu und performen mit vollem Einsatz. Höhepunkt: Fukushima schmeißt rockstarmäßig den Mikrofonständer auf den Boden, um ihn gleich darauf wie schuldbewusst wieder aufzurichten. Das Mitlesen der deutschen Übersetzung und gleichzeitige Zuschauen wird zu einer Herausforderung.

Auch interessant: Je weiter sich die Poesie vom Zentrum Europa entfernt, desto politischer scheint sie zu werden, zumindest an diesem Abend. Nach drei intensiven Stunden schließt wiederum Charlotte van den Broeck das Programm mit einem elfengleichen Vortrag ihrer sensiblen und klugen Liebes- und Lebensgedichte ab und lässt mich schwärmend zurück. Der Abend klingt noch eine Weile nach – wie ein gutes Gedicht eben.

Tag 2: Sonntag, 18.06.2017

Nur zwei Tage später mache ich mich erneut auf zur Akademie, diesmal in brütender, sonntäglicher Mittagshitze. Ich will die Wiederholung der Veranstaltung vom Vorabend sehen: „Drei D Poesie“. Es verspricht, weniger kopflastig zu werden als am Freitag, denn hier soll Poesie auf Tanz und Performance treffen. Internationale Tänzer und Musiker haben mit in Berlin lebenden Dichtern zusammengearbeitet und dreizehn genreübergreifende Produktionen geschaffen, von denen auf dem Poesiefestival nun drei uraufgeführt werden.

Wie lassen sich Worte in Körpersprache übersetzen? Und was vermögen Musik und Tanz über die Stimme hinaus, vielleicht sogar besser zu sagen? Atmosphärische Klänge und die prägnante Stimme der Dichterin Herta Müller tönen collagenartig aus den Lautsprechern, während die Tänzerin und Choreographin Anna Huber ein Gedicht von Müller über die Bühne tanzt. Bedachte, präzise Bewegungen und Formen anstatt großem Theater ziehen mich in ihren Bann. Ich versuche, Zusammenhänge herzustellen: Das Gedicht ist eine Collage aus Zeitungsausschnitten, die performative Umsetzung ebenso fragmentarisch. Mittendrin plötzlich eine Technikpanne. Kurze Verwirrung meinerseits: Gehört das jetzt zur Performance? Nein, das sei noch nie vorgekommen, entschuldigt sich der Keyboarder, der für die Atmo-Klänge verantwortlich ist. Weiter geht’s, der Stimmung hat es nicht geschadet, obwohl das Baby in den hinteren Reihen weiter weint.

Bei der nächsten Performance werden die Bezüge klarer, denn die israelische Tänzerin Maya Matilda Carroll und der US-amerikanische Lyriker Christian Hawkney interpretieren die Schriften von Charlotte Wolff, einer Ärztin, Sexologin, Schriftstellerin und Forscherin zur Hand- und Gestenpsychologie des frühen 20. Jahrhunderts. Eher kleine als große Gesten, die an Gebärdensprache erinnern, bestimmen die Performance und öffnen einen weiten Bedeutungsspielraum. „The gesture of mistaking a man’s body for a woman“, tönt es aus dem Lautsprecher. Es ist nur ein Beispiel für die Vieldeutigkeit und Komplexität, die alltägliche Gesten mit sich tragen können.

Nach einer kurzen Umbaupause wird es ein wenig lauter und prätentiöser. Ein drahtiger Taiwanese wirbelt ungemein energetisch um ein Streichquartett herum, das die Kompositionen eines finnischen Musikers zum Besten gibt, während sich der deutsche Lyriker Daniel Falb mal an den Bühnenrand, mal auf einen Stuhl kauert – die Beine immer eng übereinandergeschlagen – und sein Gedicht murmelt, welches für meine Ohren wie eine hermetische, nach Bedeutung heischende Aneinanderreihung von Wortfetzen klingt. Ich versuche meine, bei jedem weiteren trockenen Schmatzer Falbs aufkeimende, Aggression im Zaum zu halten und konzentriere mich auf den beeindruckenden Shang-Chi Sun aus Taiwan, dessen schweißtreibende Bewegungen mit dem bloßen Auge kaum noch verfolgbar sind.

Schließlich erklingt der warmherzige Applaus eines Nachmittagspublikums und ich bin glücklich. Darüber, dass ich gerade große Kunst erleben durfte. Eine Kunst, die in Bewegung bleibt und sich dem Stillstand verweigert. Und irgendwie auch darüber, dass Daniel Falb zu lesen aufgehört hat.

Noch bis Samstag, den 24. 6.

Wer gern noch das Poesiefestival besuchen möchte, hat noch bis Samstag 24. Juni Zeit. Das Programm findet ihr hier. Den Abschluss des Festivals bildet der Lyrikmarkt. Samstag ab 15.00 Uhr wird ein vielfältiges Bühnenprogramm mit Lesungen, Musik und Performance sowie Workshops für Kinder geboten. Und auch wir präsentieren an einem Stand mit Lyrik-Büchern aus unseren Editionen Reimzwang und MundWerk.

Der Lyrikmarkt richtet dieses Jahr sein Augenmerk speziell auf Künstlerinnen und Künstler aus der Kulturmetropole Dresden und bietet diesen in Kooperation mit dem Dresdner Literaturhaus Villa Augustin die Möglichkeit, sich zu präsentieren und zu vernetzen.

Der Lyrikmarkt findet in der Akademie der Künste statt, Hanseatenweg 10. Der Eintritt ist frei.

Vanessa Franke

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7 Jahre Periplaneta Literaturcafé in Bildern

Zu unserer Geburtstagsveranstaltung am 09.07.16  hatten wir uns viel vorgenommen:

Erst ein Rückblick in Bildern und dann eine Laudatio von Sarah, dann Sekt und Häppchen, anschließend eine Lesung mit ToM, Marry, Robert Rescue und Matthias Niklas, dem folgte ein Konzert mit der Liedermacherin ANNI und schließlich und endlich ein Ausschnitt aus dem Musikkabarettprogramm „Wirsing fürs Volk“ von Bastian Mayerhofer. Und dazwischen und danach immer wieder mit Gästen anstoßen …
Feiern ist manchmal ganz schön anstrengend 🙂

 

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Berliner Lesebühnen: DICHT IT SLAM

6 Jahre DICHT IT.

matthias
DICHT IT Veranstalter und MC: Matthias Niklas

Neukölln. Laika.
Bekannt für gute Konzerte, Slams und Partys. Der stickige Raucherraum, in dem DICHT.IT Slam seinen 6. Geburtstag feiert, platzt fast aus allen Nähten. Einige Verliebtäugelnde überspringen den Part des Händchenhaltens bereitwillig und setzen sich auf den Schoss des potentiellen Partners. Schon ist Platz für alle. Langsam breitet sich eine erwartungsvolle Stimmung aus.

Dann betritt Matthias Niklas, Moderator des DICHT.IT-Slams, die Bühne und lächelt in den Zuschauerraum. Er erklärt, was ein Poetryslam ist und stellt die Regeln vor: Ein Poetryslam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem die Teilnehmer innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, meistens 5 Minuten, ihre selbstgeschriebenen Texte einem Publikum vortragen. Abgestimmt wird mit Hilfe von Applaus. Der heutige Abend besteht aus zwei Vorrunden, in denen die vier Teilnehmer jeweils einen Text zum Besten geben sollen. Anschließend werden die Finalisten des Wettbewerbs bestimmt, unter denen nach einer dritten Runde der Gewinner gewählt wird. Mit einem selbstverfassten Text über die Schwierigkeiten der Geschlechtsneutralität in einem gegenderten Deutschland leitet Matthias Niklas die Gäste in den Slam ein. Das Publikum lacht, die Stimmung wird lockerer und der Wettbewerb kann beginnen.

Marko wagt den Anfang und trägt einen Tagebucheintrag über sein Leben vor. Er ist Rollstuhlfahrer und weiß, was „echte“ Hürden im Alltag sind. Doch bekommt er diese auch gut gemeistert. Auf seine Art. Jim kommt aus Spanien und trägt seinen Text auf Englisch vor. Als er anfängt, bin ich von seiner kräftigen Stimme überrascht. Mit ein paar kurzen Aufstampfern bekommt er auch von den letzten Plaudertaschen die volle Aufmerksamkeit. Ihm folgt der eher ruhigsprechende Max. Er greift mit Hilfe eines amüsanten Textes die Vorzüge und Nachteile des Internets auf. Ich bemerke ein idiotisches Grinsen in meinem Gesicht, als ich einige meiner Einstellungen selbst wiedererkenne. Die letzte Teilnehmerin ist Alma, die als Lotte auf die Bühne tritt. Als sie anfängt, über die Bedeutung von Zeit im Leben zu sprechen, schaue ich einmal in die Runde. Ich kann sehen, dass manche der Zuhörer von ihren Worten ergriffen sind.

In der Pause treffe ich sie auf dem Weg zur Toilette und frage sie, was ihr bisher am Besten gefallen hat. Sie findet den Abend sehr spannend, da die einzelnen Teilnehmer so unterschiedliche Themen aufgreifen. Sie hofft, dass sie mit ihren eher kritischen Texten punkten kann. Unsere Wege trennen sich schnell wieder, ihrer geht auf die Bühne, meiner endet bei meinem Sitzplatz im Publikum. Ich bin froh, auf dieser Seite des Entertainments zu stehen. Beziehungsweise zu sitzen.

So sehen Sieger aus: Lotte, Alma und Marko.
So sehen Sieger aus: Lotte, Alma und Marko.

Auch die zweite Runde bleibt spannungsreich. Es ist nicht leicht, die Finalisten auszuwählen. Doch schließlich schaffen es Alma und Marko in das Finale. Nach einer erneuten, kurzen Raucherpause liest uns Marko seine Nacht als Captain Roll, der die Straßen Rudows unsicher macht, vor. Er bringt das Publikum noch einmal richtig zum Lachen. Anschließend kommt Lotte auf die Bühne und trägt als Alma das Tagebuch des krebskranken Mädchens Carla vor.
Dann ist der Moment der Entscheidung gekommen. Es gibt einen Doppelsieg und die Gewinner gratulieren sich gegenseitig. Geteilte bedeutet eben doch doppelte Freude.

DICHT IT IM APRIL.

Auch einen Monat später ist der Raum im Laika wieder rappelvoll. Selbst Marko ist wieder mit dabei, um seinen Titel zu verteidigen. Er muss sich schließlich in der Endrunde Sebastian geschlagen geben, wobei mir auch dieses Mal wieder auffällt, dass der Wettbewerb zwar von allen Beteiligten ernst betrieben wird, aber eben nicht das Wichtigste ist.

Sebastian und der Whiskey
Sebastian und der Whiskey

Und ich lerne Claire kennen, die öfter beim DICHT IT mitmacht und mir erklärt, das die kleineren Slams, zu denen der DICHT IT ja gehört, einen unverwechselbaren Charme haben und viel eher zu denkwürdigen, schönen Abenden werden, als die Großveranstaltungen.

Wie recht sie hat. Es wird vorgelesen oder frei gereimt. Die Themen der Texte sind wieder sehr unterschiedlich. Während Niko mit seinem Text an die Bewältigung von Rassismus gegen Migranten appelliert, erzählt uns Sebastian von einer schmerzhaften Trennung, bei der die Welt nicht nur sprichwörtlich untergeht. Der dritte Teilnehmer ist der Periplanetaner Tom, der uns eine Episode aus seiner imaginären WG erzählt. Es geht um den Verzehr psychoaktiver Pilze und dessen Folgen. Claire sinniert danach darüber, wie wir uns wohl alle selber in der Welt definieren und Titelverteidiger Marko sorgt mit einem Tagebucheintrag über einen für ihn typischen Abend in Neukölln für einige Lacher. Und noch lange nach dem Slam sitze ich mit den anderen Poeten und Gewinner Sebastian zusammen und wir stoßen mit SEINEM Gewinner-Whiskey auf den Slam …  und eine bessere Welt … und auf sonst noch alles Mögliche an …
Dann wird es dunkel …

 

DICHT IT SLAM
JEDEN VIERTEN FREITAG DES MONATS
LAIKA NEUKÖLLN
https://dichtit.wordpress.com/

Text und Bilder von Vivien Püschel,
Video von Sarah Noack

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Krieg, Staubflusen und Till-Schweiger-Filme

Lesebühne Vision & Wahn: ein Bericht von hinter der Theke.

V&W Aug 14 Matthias Niklas„Habt ihr noch Stühle?“, fragt fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn einer der Gäste schüchtern, während vorne noch schnell der letzte freie Barhocker für die Bühne abgezwackt wird. Circa 40 Leute passen ins Café, dann ist Schluss.
Noch vor einem Monat stand ich hier zur gleichen Zeit recht orientierungslos in der Gegend herum und wahrscheinlich meistens im Weg. Das war der erste Tag meines Praktikums bei Periplaneta. Heute stehe ich hinter der Theke und bin gespannt auf den Abend. Das Motto „Kann das nicht einer der Praktikanten machen?“ passt da natürlich wunderbar. Kurz nach acht schalte ich die Bühnenbeleuchtung an, drehe die Musik runter und ziehe dem Kühlschrank den Stecker. Das monotone Summen verstummt, es wird still im Raum.
Für gewöhnlich wird bei der monatlichen Lesebühne auch gerne mal am Thema vorbeigeschrieben, heute haben sich jedoch einige Mühe gegeben. So zum Beispiel der Poetry Slammer Matthias Niklas, offiziell auch gerade Praktikant hier. Diese Bezeichnung hat er allerdings kaum verdient, denn er schafft es, von einer fein säuberlich recherchierten Wikipedia-Definition des Begriffes Praktikant binnen fünf Minuten den Bogen zu schlagen zu Gestümper jeglicher Art, sei es in Israel, den USA oder der Ukraine.

Auch Stammmitglied und Brauseboy Robert Rescue hält sich an die Vorgabe und erzählt von Praktika beim französischen Fernsehen und im Drogeriemarkt. Wie er da steht, in schlichter Jeans und Hemd, und noch darüber rätselt, warum er sich an die Chefin in der Drogerie besser erinnert, als an die Französin, der er seinen ersten Liebesbrief schrieb, kann man sich ihn so ganz und gar nicht beim Sortieren von Cremedosen und Parfums vorstellen.

tom und marry

Marion Alexa Müller startet an diesem Abend mit einer Quizfrage: „Wer kennt den Satz ‚Aus großer Kraft folgt große Verantwortung‘?“ (Auflösung gibt es hier) Der Gewinner erhält selbstredend einen Preis: die original mit Logo verzierte, im Dunkeln leuchtende Periplaneta-Schabe. Vom Thema Praktikanten haben wir uns inzwischen völlig wegbewegt, aber immerhin geht es um eine ungewöhnliche Ausbildung, nämlich die zum Superhelden.

Thomas Manegolds Protagonist dagegen sinniert übers Fortpflanzen und Anpflanzen, das Erschaffen kleiner Klone seiner selbst und erotische Phantasien mit der Myfarm-Bäuerin.

Die erste Hälfte neigt sich mit Marien Loha, der einen Ausschnitt aus seinem neuen Roman Waschbär im Schlafrock liest, und mit Musik von Hans Solo dem Ende zu, dann geht es in die Pause.
Fenster und Türen aufzureißen, ist inzwischen bitter nötig geworden, denn wenn 40 Menschen 40 Minuten in einem Raum sitzen, steigt auch die Temperatur auf gefühlte 40 Grad. Davon lässt sich hier jedoch keiner die Laune verderben. Künstler, Freunde, Stammgäste und alle, die einfach mal reingeschneit sind, finden sich draußen mit Bier und Zigarette zusammen. Ich verkaufe Getränke und suche mir dabei einen strategisch klugen Platz in der Nähe des Gratiskuchens.

Hans und Katharina, Vision und Wahn

In der zweiten Hälfte wird es zunächst lyrisch. Wieder einmal geht es nach Israel. „In Palästina sterben Kinder“, beginnt Thomas Manegold ein Gedicht, das er zwar 2006 geschrieben hat, das aber auch genauso gut erst wenige Tage alt sein könnte. Es ist die Mischung aus ernsten und leichten Tönen, die diesen Abend ausmacht. Krieg, Staubflusen, norwegische Alkoholpreise und Till-Schweiger-Filme. Dazwischen Geschichten aus dem Verlagsalltag, beispielsweise: Was ist ISDN, wie verschicke ich ein Fax und warum kann man sich mit diesen Fragen gerne mal zwei Tage herumschlagen?
Ob Alltagskomik, Märchen oder scharfzüngige Satire, gesprochen, gereimt oder gesungen, für jeden ist an diesem Abend etwas dabei.

V&W Aug 14 Marien LohaAls ich mich auf den Heimweg mache, stehen sie wieder alle draußen, mit Bier und Zigarette. Sieht aus, als würde es für einige heute noch später werden. Das mit dem Aufräumen kann dann ja morgen einer der Praktikanten machen.
Ach, Moment …

Lesebühne Vision & Wahn
Jeden ersten Montag des Monats ab 20 Uhr.
Der Eintritt ist frei, Du zahlst, um zu gehen.
PERIPLANETA Literaturcafé, Bornholmer Str. 81a, 10439 Berlin

www.visionundwahn.de

Hinter der Theke war Pia Jesionowski