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Über die Griechische Komödie, Antihelden und Poetry Slam

Florian Langbein 2019 - periplaneta

Ein Interview mit Florian Langbein

Florian Langbein ist ein Slam-Poet aus Göttingen und hat bei Periplaneta zwei Romane veröffentlicht. Swantje Niemann sprach mit ihm über das Schreiben, Slammen, Antihelden, Fight Club und die alten Griechen.

P: „Friedensweide“ ist nun schon dein zweiter Roman. Hast du das Schreiben deshalb anders erlebt als bei deinem Debütroman?

FL: Ja, ich habe das Schreiben ganz extrem anders erlebt. „Wetterleuchten“ war ein sehr anarchistischer Roman, in ihm hätte an jeder Stelle alles mögliche passieren können, und er ist über drei Jahre genauso anarchistisch und chaotisch geschrieben worden: Je nachdem, wie ich Lust hatte, habe ich mal ein Kapitel geschrieben, in dem ich ein paar Autos in die Luft gejagt habe, dann habe ich das Manuskript wieder drei Wochen liegen lassen, dann wieder ein Kapitel gelöscht und ein neues Ende geschrieben, obwohl der Anfang noch nicht fertig war, und so weiter. „Friedensweide“ dagegen ist der Struktur nach ein Krimi – Whodunnit? – und als solcher viel stärker von Regeln beherrscht. Auch der Handlungsraum, das Dorf, folgt klaren Abläufen: So war auch das Schreiben ein sehr geregelter Prozess. Ich habe Pläne geschrieben, die Handlung aufgezeichnet, die Intrige entwickelt, und mich dann hingesetzt und Kapitel für Kapitel ausgearbeitet.

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Über Makellose Männer und Sprache.

Alexandra Luethen

Ein Interview mit Alexandra Lüthen.

In der Edition Mundwerk ist die Wettbewerbs-Anthologie „Makellose Männer“ erschienen. Das Autorenforum Berlin e.V. hatte den Wettbewerb ausgeschrieben und nun die Gewinnertexte und in dieser Anthologie veröffentlicht. Melanie Jacobsen sprach mit der Mitherausgeberin Alexandra Lüthen über Männer, das Autorenforum und ihr eigenes Buch.

P: Wie seid ihr auf das Thema gekommen?

AL: Das Thema hat dieses Jahr Doris Anselm gestellt. Sie hat sich in ihrem Buch „Hautfreundin“ mit Begegnungen einer Frau mit Männern beschäftigt und erzählte auch von A.L. Kennedys Kurzgeschichtenband „Ein makelloser Mann“. Das Thema war also präsent und wir fanden es lohnenswert. Wir wollten nicht nur einen makellosen Mann, sondern gerne mehrere Ideen zu diesem Thema bekommen. Was definieren die Autor*innen als Makellosigkeit, als Männlichkeit? Hat das mit Körperlichkeit zu tun oder verortet man das Thema in Gedanken oder im Konkreten?

P: Die ausgewählten Texte sind sowohl inhaltlich als auch stilistisch sehr unterschiedlich. Auf was wurde bei der Auswahl Wert gelegt?

AL: Die drei preistragenden Texte zeigen sehr gut, was wir wollten: Eine eigene literarische Sprache, einen abgeschlossenen Text, der in sich Weite trägt und eine innere erzählerische Haltung zum Thema.

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Mein inneres Kind mag Krokodile

Götz Hindelang - periplaneta

Ein Interview mit dem Autor Götz Hindelang.

Periplaneta hat ein unerklärliches Faible für Tiergedichte. Als uns das sehr ergötzliche Manuskript mit dem Titel Die taube Taube hört es nicht, was der Tauber zu ihr spricht auf den Lektoratstisch flatterte, mussten wir unseren Entschluss revidieren, keine weiteren Lyrikbände zu verlegen. Wobei ich gleich anmerken muss, dass es in den scharfsinnigen Gereimtheiten von Götz Hindelang nicht nur um Tiere geht, auch wenn er selbst ein ziemlich schräger Vogel ist. Denn der pensionierte Sprachwissenschaftler ist ebenso leidenschaftlich Indien-Reisender wie auch Zyniker. Das Interview mit ihm fiel dementsprechen humorvoll aus:

Was meinen Sie als Fachmann: Welches Ereignis hat die Menschheit dazu bewegt, die Sprache zu erfinden? Schließlich kommen anscheinend alle anderen Existenzformen der Erde hervorragend ohne klar.

G.H.: Es ehrt mich, dass Sie mir eine Antwort auf eine solche anthropologische Grundfrage zutrauen. Aber sie liegt außerhalb der Themen, mit denen ich mich wissenschaftlich beschäftigt habe. Als spekulierender Laie habe ich allerdings die Theorie, dass sich die Sprache aus postkoitalem Wohlfühlgrunzen entwickelt hat. Zu hören waren Klänge wie WoW, Whoa oder Uuuahhh, usw. Da sich diese Laute bei den einzelnen Exemplaren der Gattung Australopithecus charakteristisch voneinander unterschieden haben, wurde die Nachahmung dieser Geräusche dazu verwendet, den Partner des Vortages für eine Wiederholung der Paarung hinter den jeweiligen Gebüschen hervorzulocken. So entstanden die Eigennamen. Der Rest kam dann von selbst. Oder so.

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Wir halten uns für unsterblich

Apokalypse in Pasewalk

Ein Interview mit Daniel Marschall.

Bei Periplaneta sind ja schon einige Zukunftsvisionen erschienen, aber der Weltuntergangsroman „Tonatiuh oder Apokalypse in Pasewalk“ ist auch in dieser Kategorie was Besonderes. In ihm reist der gescheiterte Journalist Konrad Fall nach Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern, um von einem nicht stattfindenden Weltuntergang zu berichten. Laura Alt hat mit dem Autor Daniel Marschall über Verschwörungstheorien, künstliche Intelligenz und Ostdeutschland gesprochen.

Tonatiuh oder Apokalypse in Pasewalk“ handelt von einem nicht stattfindenden Weltuntergang. Was fasziniert Sie an diesem Thema?

D.M.: Die grundsätzliche Möglichkeit einer Vernichtung intelligenten Lebens auf der Erde ist real. Man kann ernsthaft die Varianten durchspielen: Atomkrieg, Pandemie, Klimakatastrophe, Mega-Vulkanausbrüche oder eine ganze Reihe Gefahren aus dem Weltraum. Ganz sicher wird die Erde durch die Verwandlung der Sonne in einen Roten Riesen ausgelöscht. In meinem Roman droht der Weltuntergang allerdings aus dem Ende des aztekischen Kalenders. Und das ist natürlich Blödsinn.
Mich interessierte vor allem, wie ein Nicht-Ereignis, ein von Esoterikern herbeifantasierter „Weltuntergang“ es als Top-Nachricht in Tagesschau, Mittagsmagazin und andere renommierte Medienformate schaffen konnte. Warum machen sich die Kamerateams verzweifelt auf die Suche, um irgendjemanden zu finden, der was Absonderliches in die Kamera spricht? Im Roman beschreibe ich, wie ein Haufen internationaler Kamerateams und Trupps hochgerüsteter Polizei durch Pasewalk schweifen und kein Schwein ist da, außer sie selbst. Und wie man dann immer noch so tut, als berichte man über irgendetwas anderes, außer darüber, dass es eigentlich nichts zu berichten gibt.
Apokalypse in Pasewalk“ erzählt vor diesem Hintergrund die Geschichte des strauchelnden Sportmoderatoren Konrad Fall, dessen allerletzte Karriere-Chance an einer erfolgreichen Berichterstattung von eben diesem Weltuntergang abhängt. Konrad Fall kann gar keinen Erfolg haben. Er ist ein moderner Don Quijote.

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Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst

Bella Bender - periplaneta

Ein Interview mit Bella Bender.

Im Sommerprogramm 2019 ist der Kurzgeschichtenband „Die artgerechte Haltung von Gedanken“ von Bella Bender bei Periplaneta erschienen. Laura Alt hat mit ihr über Freiheit, Beziehungen und die Ellbogengesellschaft gesprochen.

Du studierst aktuell in Heidelberg und beschäftigst Dich in Deinen Geschichten mit dem Thema Freiheit. Das Studium an sich galt früher als Zeit, die besonders frei und individuell ausgestaltet werden kann. Nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System gab es Kritik, dass darin keine Zeit mehr für freie Entfaltung bleibe. Wie empfindest Du das?

Bella Bender: Ich empfinde diese Kritik als absolut berechtigt. Niemals würde ich bereuen, mich für die Germanistik entschieden zu haben, da ich das Fach sehr mag. Aber das Hochschulsystem, wie wir es haben, bringt einen dazu, nach ein paar Semestern nur noch in Credit Points zu denken und das ist schade. Ich würde mir wünschen, dass das Studium weniger verschult ist. Außerdem ist Studieren sehr teuer geworden. Für viele bedeutet das, Job und Studium unter einen Hut bekommen zu müssen. Wie entspannt das nun ist? Vermutlich muss man in jeder Lebensphase um seine persönlichen Freiheiten kämpfen.

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