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Lies mal, wer da spricht

Grimmatorium

Interview mit Ralph Mönius.

„Grimmatorium“, das Debüt von Ralph Mönius, ist über vierhundert Seiten dick geworden und nicht nur umfänglich beachtlich. Der jüngste Neuzugang unter den Periplanetanern hat sich ein Paralleluniversum geschaffen. Und die bunteste WG ever.

Seit 2012 hat Ralph nun schon diese „Stimmen“ im Kopf, die an die Grimmschen Märchenfiguren erinnern. Doch statt sich behandeln zu lassen, fing er an, ihre Geschichten aufzuschreiben. Doch auch damit gaben sich die Stimmen nicht zufrieden und so spinnt der Regensburger Autor die Geschichten immer weiter und vertont sie sogar auf dem eigenen YouTube-Channel.  Sarah Strehle sprach mit ihm über brutale Märchen, Stimmen im Kopf und über das, wovor immer alle Angst haben: die Zukunft.

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Über Macken, Tarantino und das Geldverdienen

Ein Interview mit Marien Loha.

Auf dem Cover zu dem neuen Roman von Marien Loha ist auf lila Hintergrund ein blauäugiges Dalmatiner-Zwergpony zu sehen, das gerade durch eine Blutpfütze gelaufen ist. Reichlich schräg ist das. Waren da etwa Drogen im Spiel?!
Gewissermaßen ja, denn „Baking Bad – In roten Pfützen spielt man nicht“ ist eine Verbrechersyndikatsgeschichtenparodie mit einem hohen Anteil an bewusstseinsverändernden Substanzen – natürlich rein literarisch gesehen. In dem tarantinoesken Thriller wird der unbedarfte Eddy durch seltsame Zufälle zum Leibkonditor eines Drogenring-Bosses, der wiederum ein Faible für die Farbe Lila, Kuchen und ein ungewöhnliches Haustier hat. Wie – um alles in der Welt – kommt man denn auf so was?! Also haben wir uns mit Marien Loha über seinen zweiten Roman unterhalten.

Marien Loha is baking bad - periplaneta

Was hat Dein Buch mit der Fernsehserie „Breaking Bad“ zu tun?
Marien: Es geht zwar um Drogen und um einen Typ, der eher zufällig in das Milieu rutscht, doch der Titel entstand lange nach der Fertigstellung des Buches. Aber tatsächlich hat mich die Serie zu den Kapitelvorschauen inspiriert. Wie in der Serie gibt es auch hier Vorschausequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven, die erst mal einen ‚Hä?!?‘-Effekt auslösen und später hoffentlich ein ‚Ach, das war damit gemeint‘. Ich mache dem Leser die Deutung allerdings wesentlich schwerer.

Wir mussten beim Lesen dieser schrägen Geschichte öfters an Tarantino-Filme denken. Wurdest Du von seinem Stil inspiriert?
Marien: Auf jeden Fall! Auch stark von Guy Ritchie und generell von Filmen dieser Art. Mein Ziel war es, einen Gangsterfilm als Buch zu machen. Aber die Grundidee zur Anfangsszene und der Spitzname des Gangsterbosses ‚Die dicke lila Tunte‘ stammen aus einem kruden Traum.

Deine Charaktere haben alle irgendeine Macke und sind (egal ob gut oder böse) vielleicht gerade deswegen auf eine seltsame Art sympathisch. Eddy stottert, Lin hat eine Putzneurose, Monto glaubt, er sei ein Untoter. Was ist denn Deine persönliche Macke?
Marien: Ich habe keine so gravierende, doch die kleinen sind unzählbar 😉

Marien LohaMit welcher der Figuren würdest Du gerne einen Tag verbringen und warum?
Marien: Gute Frage … Mit Monto. Ich finde seine Geisteskrankheit am interessantesten (die gibt es übrigens wirklich).

An welchen Orten kommen Dir die besten Ideen fürs Schreiben?
Marien: Ideen kommen mir überall und das Handy zum Notizenmachen darf nie weit weg sein. Die Ideen, die ich auf dem Klo bekomme, nenne ich übrigens liebevoll „Scheißideen“.

Kannst Du mittlerweile von der Kunst leben oder womit verdienst Du sonst deinen Lebensunterhalt?
Marien: Da bekomme ich ja fast eine Lachsynkope (Ohnmacht vom Lachen)  🙂
Nein, ich kann davon nicht leben, aber zugegebenermaßen setzte ich darauf auch keine Priorität. Sicherlich kann man auch als Independent-Autor mit sehr vielen Auftritten und Aufwand das finanziell stemmen, aber das würde mir den Spaß an der Sache nehmen.
Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit IT-Administration für Firmen. Bei meinem sparsamen Lebensstil kann ich davon ganz gut leben, ohne 40 Stunden die Woche buckeln zu müssen.

Marien Loha by Gert Schober

Du hast aber auch eine eigene Lesebühne: OWUL. Was unterscheidet sie von den vielen anderen Lesebühnen, die es in Berlin gibt?
Marien: Ohne Scham kann ich behaupten, dass wir facettenreicher sind, was die Texe angeht (da kann auch mal ein trauriger Text einem lustigen folgen), wir zeigen viel mittels Beamer, wir sind politischer und haben eine interaktive Runde. Bei dem OWULrakel dürfen unsere Zuschauer Fragen aufschreiben, die sie schon immer mal beantwortet haben wollten und wir improvisieren bei den Antworten. Und natürlich sind wir schöner.

Ist ein dritter Roman schon in Planung?
Marien: Definiere ‚in Planung‘ ^^ Also Ideen habe ich für viele Bücher. Doch das wird noch dauern und ich arbeite da noch gar nicht dran. Jetzt wird erstmal Baking Bad in Umlauf gebracht, dann verfilmt, dann wird das ganze Geld versoffen, dann Entzug in einer Promiklinik – und dann sehen wir weiter.

Vielen Dank, Marien. Quentin Tarantino macht leider erstmal was anderes. Möge dennoch das Zwergpony mit Dir sein!

Das Interview führte Vanessa Franke.

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Von Kakerlaken und versoffenen Protagonisten

Pit Pikus und Mark Uriona.

Ein Interview mit Pit Pikus und Mark Uriona.

Pit Pikus und Mark Uriona haben ihren ersten gemeinsamen Roman ‚Lämmels Syndrom oder Die fünf Dimensionen der Wahrheit‘ bei Periplaneta veröffentlicht. Ihre Hauptfigur Lämmel kann plötzlich durch Dinge hindurchsehen. Das klingt zunächst nach Superheldengeschichte. Ist es aber nicht. Eher ein Gleichnis auf den Zustand der Welt, in der wir leben. Ungeahnte Probleme bereitet Dr. Lämmel dann auch etwas ganz Profanes, nämlich unerwünschtes Getier unter seinem Küchenschrank. Maschenka Tobe war von Anfang an eine glühende Verehrerin von Dr. Lämmel und seinem Syndrom. Deshalb durfte sie das Projekt leiten und sprach dann auch mit den beiden Autoren über Wahrheit, Ungeziefer und das Schreiben als Autorenduo.

Stellt euch vor, ihr bekommt ein Geschenk und könnt schon durch die Verpackung sehen, dass unter dem Geschenkpapier etwas Enttäuschendes lauert. Wie reagiert ihr?
Pit: Ich würde die wunderschöne Verpackung ausgiebig loben.
Mark: Ich packe es aus, staune und bedanke mich für das wunderbare Geschenk. Ich bin ein Feigling.

Der Buchtitel verrät es bereits, in eurem Roman geht es auch um Wahrheit. Was bedeutet Wahrheit denn für euch?
Mark: Wahrheit ist, wenn ich in die Steckdose fasse und eine gewischt bekomme, weil tatsächlich Strom an wa(h)r. [Herr Uriona malt ein „h“ in die Luft]
Pit: Wahrheit ist immer umstritten. Sie ist zum einen ein soziales Konstrukt und zum anderen von der Beobachtungsperspektive abhängig. Das bedeutet aber nicht, dass Wahrheit beliebig ist. Denn sie hat ja immer einen Bezugspunkt in der Realität außerhalb unseres jeweiligen Bewusstseins.
Mark: Und es bedeutet auch nicht, dass der Streit um die Wahrheit unwichtig ist. Dieser Streit, diese Suche, ist alles, was wir Menschen zur Verfügung haben.Pit Pikus -periplaneta

 

Hattet ihr je Probleme mit Ungeziefer in den eigenen vier Wänden?
Pit: Wenige Tage nach einer Rückkehr aus Afrika blickte mich ein Kakerlak an. Er saß in einer Schublade meiner Küche, eine ‚periplaneta americana‘. Ein monströses Tier, ein blinder Passagier aus meiner Reisekiste. Meine Frau erschlug ihn mit ihrem Pantoffel. Das war mutig und vorausschauend. Er hätte sonst den Osten noch vor allen anderen heimgesucht.
Mark: Ich übersehe Ungeziefer grundsätzlich und lasse mich dafür von meiner Frau ausschimpfen. Einmal aber war ich ein echter Held. Mein Kumpel, der Kater Dawai, hatte eine Ratte in die Wohnung gebracht, die es sich im hinteren Bereich des Einbaukühlschranks bequem gemacht hatte. Bald stank es furchtbar und die Gäste blieben aus.

Ach herrje. Wie bist du das Problem losgeworden?
Mark: Der Kater half mir gar nicht. Es folgte nach einigen Tagen ein furchtbarer Kampf durch die ganze Wohnung, an dessen Ende die Ratte unter dem heißen Strahl des Duschkopfes in der Badewanne ertrank. Als ich sie dann so tot sah, stellte ich verblüfft fest, dass ich sie nicht hässlich fand, sondern schön.

Wie geht es dir rückblickend mit deiner Tat?
Mark: Es tat mir leid, sie getötet zu haben und ich war außerdem sehr verwirrt, weil hässliches Leben nicht weniger wertvoll ist als schönes. Seit meiner Heldentat habe ich furchtbare Träume.

Mark Uriona - periplanetaApropos Trauma: Autoren stellt man sich ja zumeist mit der Welt im allgemeinen und der eigenen Vergangenheit hadernd,  in der Abgeschiedenheit ihrer Schreibkammer einsam vor sich hintippend vor. Erzählt mal von eurer Co-Autorschaft. Wie hat das Schreiben zu zweit funktioniert?
Pikus: Gut. Wir hatten Hilfe. Rotwein. Lämmel hatte einen ganz schlechten Einfluss auf uns. Er säuft ständig im Buch.
Mark: Beim Schreiben hatten wir oft das Gefühl, dass sich die Geschichte von selbst erzählt hat, wozu Rotwein natürlich eine gute Grundlage bietet. Es muss aber der richtige Rotwein sein. Spanisch geht. Argentinisch auch. Am Besten ist portugiesischer Wein.

Apropos Alkohol: Mark, du hast früher als Ghostwriter für Politiker geschrieben. Heute schreibst du lieber Romane. Hast du das Genre des Geldes wegen gewechselt? 😉
Mark: Ja klar, aus genau dem Grund. Lämmel sagt ja: ‚Geld ist nicht alles im Leben, aber ohne Geld ist alles nichts.‘ Nach diesem Spruch hätte ich in der Politik mein sicheres Auskommen gehabt. In der Politik wird aber viel zu viel Geld verdient. Es ist nicht ehrbar, über Gerechtigkeit zu schreiben, die niemals eintritt und dabei Steuergelder zu verprassen, die niemals wiederkommen. Also schreibe ich jetzt nur noch Romane. Da deckt sich das erzählte Elend wenigstens mit den persönlichen Erfahrungen.

Und ist der inhaltliche Unterschied zwischen politischem Schreiben und dem literarischen Schreiben groß?
Mark: In der Politik erzählst du Märchen und behauptest, es handele sich um Fakten. In der Literatur ist es umgekehrt.

Wie hat es sich angefühlt, im Romanuniversum Gott zu spielen?
Pit: Das Gefühl hatten wir nur ganz selten. Wir haben nur an ganz wenigen Stellen diese gestalterische Funktion gehabt, also das Gefühl, die Geschichte könnte jetzt so oder so abbiegen und es kommt auf uns an, was geschieht.

Und wie war es an den übrigen Stellen?
Pit: Lämmel hat uns gesagt, was er erlebt hat und wir haben es nur aufgeschrieben und dabei aufgepasst, dass die Geschichte vollständig ist. Wir waren also maximal Erzengel, aber keine Götter im Romanuniversum.
Mark: Am Stärksten war dieses Gefühl für mich beim Schluss der Handlung. Wir wussten, wir hatten ein Ende. Aber wir wussten, es war noch nicht das Ende. Irgendwas fehlte, was danach kommen musste.

 Pit Pikus und Mark Uriona - periplaneta

Wie fandet ihr dann doch noch ein Ende?
Mark: Es kam zu uns. Wir hatten den ganzen Vormittag geschrieben und uns dann kurz aufs Ohr gehauen. Ich lag auf der Couch im Arbeitszimmer. Pikus schnarchte im Zimmer nebenan. Ich wachte plötzlich auf, ging zum Computer und tippte das Ende. Ich hatte selbst keine rechte Ahnung, was ich da schrieb. Dann ging ich wieder schlafen. Als ich aufwachte, saß Pikus am Computer und las und sagte: ‚Ja, genau so ist es. Das ist das Ende.‘ Und das war es dann auch.
Pit: So ein Quatsch. Ich habe nicht geschnarcht!

Wir hoffen jedenfalls, dass euch noch viele gute Romanenden beim Mittagsschlaf heimsuchen. Vielen Dank euch beiden für das Gespräch!

BLOGS:

MARK URIONAPIT PIKUS  MASCHENKA SCHREIBT

Lesung live: Mark Uriona liest aus Lämmels Syndrom ...

 

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Der Mond ist aufgegangen

Ein behaarter Mond

Mit „Ein behaarter Mond“ realisieren wie unser bislang umfangreichstes Projekt 2014.

Florian Balds Roman sollte etwas ganz Besonderes werden. Zum einen gab dies die Geschichte her und außerdem hatten alle Beteiligten an diesem Projekt gleich zu Beginn viele gute Ideen. Die Geschichte des Synchron- und Hörbuchsprechers Frank Schaller dreht sich beispielsweise um einen ganz besonderen Sprecherauftrag. Schaller könnte „Berg aus Gold“ einsprechen, eines seiner Lieblingswerke. Allerdings bekommt er von der Produktionsfirma nur eine extrem zusammengestrichene Hörbuchfassung als Manuskript … was uns dazu animierte, ebenfalls eine gekürzte Hörbuchfassung von „Ein behaarter Mond“ mit zu integrieren. Zu unserer großen Freude konnte diese mit Charles Rettinghaus realisiert werden.

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Der Paradiesvogel und sein Waschbär

Marien Loha

Marien Loha mit Romandebüt bei Periplaneta.

Ein Jungautor! Der Berliner Slampoet und Autor Marien Loha verringert ab sofort das Durchschnittsalter unserer Autoren. Am Freitag, den 25.07. 2014 veröffentlicht Periplaneta sein Romandebüt „Waschbär im Schlafrock“. Ab 20 Uhr wird das Buch im Periplaneta Literaturcafé erstmals im Rahmen einer Autorenlesung vorgestellt und ist ab sofort bis zum Release zum Subskriptionspreis vorbestellbar.

„Waschbär im Schlafrock“ ist die Geschichte von Karl, aus der Sicht von Karl. Denn Marien Lohas Held ist ein introvertierter Mensch – und redet nicht so viel, wie seine Mitmenschen. Aber in seinem Kopf geht der Punk ab. Karl geht seinen Weg, zwangsweise. Viel lieber würde er sich einfach auf eine Bank am Wegrand setzen, gucken was passiert und wer so vorbeiläuft. Doch äußere Einflüsse schubsen ihn Schritt für Schritt voran. Z.B. ein wunderlicher Waschbären, sein Freund Paul, ein narzisstischer Lokalpolitiker, ein Okapi, der Bundespräsident, andere Ungeheuer und nicht zuletzt, wie sollte es anders sein, auch einige Frauen…

Marien Loha ist seit 2012 auf Slams und Lesebühnen, vornehmlich in Berlin unterwegs und ist Mitglied der Berliner Lesebühne OWUL.

www.marienloha.de

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Über Masturbation in schönen Büros

Lucas Fassnachts neuer Roman „Es geht immer nur um Sex“

(Pressemitteilung, Berlin, Periplaneta) Am 23.09.2013 veröffentlicht der Autor und Slam-Poet Lucas Fassnacht sein zweites Buch beim Berliner Periplaneta Verlag. „Es geht immer nur um Sex“ ist Fassnachts Debütroman, in dem er die Geschichte von Marius erzählt, einem streitbaren Charakter, der sich nicht darum schert, was andere von ihm denken und nur das tut, was ihm auch wirklich Spaß macht, wie zum Beispiel im Büro seines älteren Bruders zu masturbieren… „Es geht immer nur um Sex“ ist eine frivole, bissige Gesellschaftsstudie, die den Leser mit den Widersprüchen zwischen unserer Freizügigkeit und den aufdoktrinierten Besitzansprüchen, sowohl in der Businesswelt als auch im Privatleben, konfrontiert und die dennoch, stellenweise süffisant und explizit, zu unterhalten weiß.
Der Roman wird am 02.10.2013 in der „Kulturkellerei“ in Nürnberg sowie am 03.10. im Erlanger „E-Werk“ vom Autor vorgestellt. Mehr Informationen und erste Auszüge findest Du unter www.lucasfassnacht.de

Lucas Fassnacht ist einer der bekanntesten Slam-Poeten Deutschlands. Er gewann unzählige Dichterwettstreite und schaffte es 2012 ins Finale der Deutschen Meisterschaften im Poetry Slam.  Seit zwei Jahren ist er mit dem Bühnenprogramm „Ottonormalverbraucht“ auf den deutschen Bühnen unterwegs. In der Edition Mundwerk des Periplaneta Verlags erschien 2012 die gleichnamige Textsammlung als Buch mit CD.

LUCAS FASSNACHT: „Es geht immer nur um Sex“ 1. Auflage, September 2013, Periplaneta Berlin, Edition Periplaneta, print ISBN: 978-3-943876-54-3, epub ISBN: 978-3-943876-35-2