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Solange wir Gin haben, ist nichts verloren

Baumweltensaga - periplaneta

Ein Interview mit Barbara Fischer

Frühlingsanfang 2021 ist Barbara Fischers dritter Roman „Frigg“ bei Periplaneta erschienen. In der Fantasy-Erzählung geht es um eine junge Frau, die auf einer Reise sich selbst näher kommt und schließlich mithilft, eine ganze Welt zu retten. Silvia Klein hat mit der Autorin über Toleranz, persönliche Pandemie-Überlebenstipps und alte Sagen gesprochen.

Fangen wir doch gleich mit den großen Fragen an: In deinem neuen Buch kommt auch die Liebe nicht zu kurz – es geht unter anderem um eine enge Beziehung. Allerdings haben die beiden Liebenden zumindest eine räumliche Distanz zu überbrücken – glaubst du an die alles überwindende Liebe, die allen Umständen trotzt?

B.F.: Liebe ist für mich mehr als ein Gefühl, sie hat auch eine verständige Komponente. Erst wenn die beiden Seiten zusammenkommen, kann die Liebe dauerhaft bestehen und allen Umständen trotzen. Lilith und Heimdall, aus dem ersten Band “Lilith“, haben beospielsweise eine sehr tiefe Beziehung, die sie dank ihrer magischen Fähigkeiten auch über eine sehr weite Entfernung leben können. Sie sind für mich exemplarisch dafür, dass die Magie der Liebe sich darin ausdrückt, den oder die Andere nicht festhalten zu wollen.

Barbara Fischer - periplaneta

Im dritten Band der Baumweltensaga, lernen wir Frigg kennen. Die Figur der Frigg kennen einige bereits aus den nordischen Sagen. Was macht deine Frigg besonders?

B.F.: “Frigg” ist ein Entwicklungsroman. Ich stelle dabei einen Aspekt der Frigg in den Mittelpunkt, der sonst meistens nur am Rande erwähnt wird, das ist ihre Affinität zum Feuer. Sie ist Gottheit der Fruchtbarkeit, der Liebe und der Ehe. Manchmal wird Frigg auch als Göttin des Herdfeuers bezeichnet.
Wenn man dabei die Umstände berücksichtigt, dass Frigg als nordische Hauptgöttin für Fruchtbarkeit zuständig war, muss man die Wertigkeit dieser Aufgabe im Kontext einer Agrargesellschaft betrachten, in der sich das ganze Leben um gute Ernten drehte.
Ich dachte, wenn eine weibliche Hauptgottheit die jahrhundertelange Überlieferungskette, die erst mit christlichen Mönchen im 13. Jahrhundert verschriftlicht wurde, immerhin noch als Göttin des Herdfeuers überstanden hat, ist es durchaus möglich, dass sie in ihren Anfängen, die wir nicht kennen, eine formidable Feuergöttin gewesen sein könnte.

Ebenfalls neu in diesem Buch ist das Land, in dem wir uns befinden. Welche reale Gegend hat dich dazu inspiriert?

B.F.: Westsumatra, das Land der Minangkabau. Die Landschaft dort ist faszinierend. Das Hochland wird von zwei Vulkanen geprägt, Marapi und Singgalang, die beide im Buch eine Rolle spielen. Dort ist noch immer ein von der Natur geprägtes, magisches Weltbild lebendig und es gibt eine interessante gesellschaftliche Struktur. Denn es ist ein matriarchales, aber zugleich konservatives islamisches Gesellschaftssystem.
Diese aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse spiegeln sich im Buch allerdings nicht wider. Das Buch wird geprägt durch die Märchen, Mythen und Legenden der Gegend, die zum Teil bis heute noch Teil der Lebenswelt sind. Ich habe versucht, die Denkart der Menschen einzufangen. Die beschriebene Landschaft, die Vulkane, Wasserfälle und das Tal kann man dort finden. Und ich konnte nicht anders, als begeisterte Kung Fu Sportlerin musste ich den traditionellen einheimischen Kampfsportstil Pencak Silat mit in die Geschichte einfließen lassen. Bei mir ist natürlich eine Frau die Meisterin und Lehrerin. Ich bin fasziniert von der Gegend, den Menschen, der Geschichte – einfach allem.

Barbara Fischer vor Haray Valley (Sumatra)

In „Frigg“ treffen zwei Kulturen und Welten aufeinander. Was ist deiner Meinung nach unabdinglich, damit ein kultureller Austausch auf Augenhöhe stattfinden kann?

B.F.: Der Respekt und die Akzeptanz des Anderen. Dafür braucht es Offenheit und Neugierde. Ich schaue mir etwas an, was ich nicht oder nicht so gut kenne, mit all den Erfahrungen und dem Gelernten, was ich mitbringe und kann dann gerne auch mal staunen. Das klingt banal, aber es ist manchmal schwer, keine Wertigkeit mit einfließen zu lassen oder sich auf fremde Gepflogenheiten einzulassen und das Gewohnte einfach mal hinten anzustellen. Aber wenn man das kann, gibt es so viel zu entdecken auf dieser Welt. Ich fühle mich dann wie ein Schwamm, der seine Umgebung aufsaugt. Mich macht so ein Austausch immer sehr glücklich.

Genau wie wir dieses Jahr, werden die Baumwelten von einer tödlichen Epidemie heimgesucht – wie kam es dazu, dass du über eine Seuche schreiben wolltest?

B.F.: Das Thema ist einfach mit eingeflossen. Ich habe an der Frigg geschrieben, als es im Frühjahr zum Lockdown kam. Um die Situation besser verstehen zu können, habe ich mich, unabhängig von meiner Arbeit am Buch, mit der Geschichte von Epidemien und ihrer Bekämpfung beschäftigt. Ich bin auf verschiedene Seuchengeschehen gestoßen, von denen die Pest noch im kollektiven Gedächtnis verankert ist, aber andere, wie zum Beispiel die Pocken, völlig aus unserer Erinnerung verschwunden sind. Dabei waren die Pocken jahrtausendelang eine wahre Geißel der Menschheit, weltweit. Diese schreckliche Krankheit ist erst seit den 60er Jahren durch ein Impfprogramm der WHO vollständig ausgerottet worden. Nachweise der Krankheit und auch Hinweise auf erste Impfungen gab es in Zentralasien schon vor ein paar tausend Jahren.

Wie ist es dir persönlich in der Corona-Pandemie ergangen?

B.F.: Die Situation ist ja noch nicht vorüber. Die ganzen Veränderungen zu beobachten, die leeren Städte, die geschlossenen Geschäfte war schon erschreckend. Aber ich konnte mich völlig auf mein Buch konzentrieren, ohne Ablenkung. Das war für mich persönlich gar nicht so schlecht. Ich sorge mich allerdings um die Begleiterscheinungen und Folgen der Situation, deren Tragweite wir noch gar nicht erfassen können.

Welche Pandemietipps kann man sich vielleicht von deinen Charakteren abschauen?

B.F.: Wir lassen uns auf keinen Fall unterkriegen! Und wenn ich Mahhara Eulenfrau im Ohr habe, so wird sie ergänzen: „Solange wir Gin haben, ist nichts verloren.“ Was sie eigentlich damit sagen will ist, behalten wir unseren Humor und Optimismus und lassen es uns eben zu Hause gut gehen. Es wird wieder besser werden.

Bis jetzt haben wir im Rahmen deiner Buchreihe Lilith, Freyja und Frigg als Heldinnen kennenglernt. Welche dieser drei Frauen ist dein persönlicher Liebling?

B.F.: Oh, das ist jetzt schwierig. Ich mag sie alle drei sehr. Sie haben alle Eigenschaften, die ich schätze. Spontan würde ich Freyja nennen, sie ist sehr sportlich und ist offen für überraschende und spontane Wendungen in ihrem Leben. Aber das sind sie eigentlich alle. An Lilith mag ich ihre intellektuelle Art und die Weitsicht. Bei Frigg zieht mich ihr magisches Wesen an. Nein, ich kann wirklich nicht sagen, wer von den Dreien mein Liebling ist.

Ich danke für das Interview.

Holger Much

Baumweltensaga online

Interview über Lilith & Freyja