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„Helden sind immer gut für die Auflage“

David Jonathan - Periplaneta

Ein Interview mit David Jonathan.

Ende 2019 ist bei Periplaneta der Roman „Akilah und die Legende von Bashir“ erschienen. Dieser erzählt die Geschichte des Jungen, der laut Medienberichten den Krieg in Syrien ausgelöst haben soll, indem er ein regimekritisches Graffiti an eine Wand in Daraa sprühte. Laura Alt hat mit dem Autor und Journalisten David Jonathan über die Themen Flucht, Integration und Medien gesprochen.

Was hat Sie dazu motiviert, einen Roman über das Thema Flucht zu schreiben?
D.J.: Schon seit einigen Jahren treffe ich mich regelmäßig mit geflüchteten Menschen, viele von ihnen haben mir von ihrer Flucht erzählt. Das sind oft sehr bewegende Geschichten, sowohl von Mitgefühl als auch von tiefen menschlichen Abgründen. So fließen in dem Roman Recherche, eigene Erlebnisse und Fantasie zusammen.

Wieso dann eine Geschichte über einen Mythos?
D.J.: Zunächst war es für mich die Geschichte über den Jungen, der in Syrien den Krieg ausgelöst haben soll. Es gibt verschiedene Artikel, die erst von einer Gruppe Kinder berichten, dann schließlich von einem einzelnen Jungen, einem Anführer. Die Details wie Alter und Name variieren, der Kern der Geschichte bleibt aber konstant. Ich habe mich gefragt, wie sich so ein Produkt unserer Fantasie fühlen würde, wenn es zum Leben erwacht. Während des Schreibens wurde mir schnell klar, dass der Junge aus Syrien fliehen muss, denn ich las ein Interview, in dem behauptet wurde, er halte sich inzwischen in Österreich auf. Außerdem konnte er auch deshalb nicht in seiner Heimat bleiben, weil er als Symbolfigur des Krieges von allen Seiten gesucht wurde.

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