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Eine Mordsarbeit!

Vom Gewerbe eines Killers.

Auftragsmord ist ein Dauerbrenner. Egal ob in Filmen, Romanen oder Computerspielen, der Killer von Berufs wegen ist mittlerweile populärer Teil der Mainstream-Kultur; meist als gefühlskalte Tötungsmaschine, gelegentlich auch als Projektionsfläche alternativer Moralvorstellungen oder Konflikte zwischen Auftrag und Gewissen.
An der kulturellen Relevanz gemessen ist der Wikipedia-Artikel zum Thema „Auftragsmord“ überraschend kurz und dilettantisch: Auftragsmorde seien fast ausschließlich organisierter Kriminalität oder Geheimdiensten zuzuordnen, in der BRD allgemein aber überaus selten. Punkt.

Der Blick in die Schlagzeilen offenbart jedoch, dass Auftragsmorde auch außerhalb der beiden genannten Bereiche vorkommen: 2008 wird ein Immobilienmakler wegen unbezahlter Rechnungen erschossen. Im gleichen Jahr lässt eine Frau in Osnabrück ihren Gläubiger ermorden. 2011 engagiert ein Ehepaar aus Krefeld einen Zuhälter, um schneller zu erben. 2012 gibt ein 23-jähriger den Mord an seiner Freundin in Auftrag, um an ihre Lebensversicherung zu gelangen.
Auftragsmorde in kleinem Stil geschehen jedes Jahr, das mediale Echo ist in der Regel gering. Die Täter sind einschlägig Kriminelle, aber keineswegs spezialisiert; die Summen bewegen sich meist im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Auftragsmorde der Mafia finden vergleichsweise mehr Beachtung, worauf die organisierte Kriminalität auch längst reagiert hat. Egal ob die ‘Ndrangheta in Baden-Württemberg oder die Russenmafia in Berlin: Sie alle haben gelernt, mediale wie politische Aufmerksamkeit zu meiden, indem ausschließlich „unter sich“ gemordet wird, um die Geschäfte nicht unnötig zu gefährden. Zudem ist gerade bei der russischen Mafia seit den vergleichsweise heftigen Neunziger Jahren, in denen Verteilungskämpfe um die neuen Territorien im Westen tobten, die Anzahl aufsehenerregender Morde im Milieu gesunken.
Dass es sich hier in der Regel um Auftragsmorde handelt, wird durch aufgeklärte Fälle immer wieder bestätigt. Die Zeiten, da sich Bosse selbst die Hände schmutzig machten, sind seit der Inhaftierung des Mafiapaten Alexander Bor, der einen internen Konkurrenten erstochen hatte, im Jahr 2001 wohl vorbei. Die Zeitung „Die Welt“ zitierte gar einen Insider, dass die Mörder oft eigens für die Tat eingeflogen würden, beispielsweise aus Tschetschenien oder der Republik Moldau – nicht unbedingt wegen herausragender Fähigkeiten, sondern vor allem, um das mit der Tat verbundene Risiko auszulagern und Ermittlungen ins Leere laufen zu lassen.

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Ähnlich wie Mafiamorde sind auch geheimdienstliche Attentate schnell vermutet, aber selten bewiesen und geschehen vergleichsweise deutlich seltener. Jüngstes prominentes  Beispiel: Der Putin-Kritiker Alexander Litwinenko, der 2006 im Londoner Exil mit dem radioaktiven Element Polonium 210 vergiftet wurde und auf dem Sterbebett das russische Regime der Tat bezichtigte. In der Folge verweigerte Russland die Auslieferung des Hauptverdächtigen, bis heute ist der Mord nicht aufgeklärt.

Da Auftragsmord reflexartig organisierter Kriminalität oder Geheimdiensten zugeordnet wird, lässt die eigenständige Fachliteratur zu wünschen übrig: Hauptsächlich finden sich Geschichtsbände über die Assassinen, jene islamistische Sekte, die im zwölften und dreizehnten Jahrhundert mit politischen Morden ihren Einfluss mehrte und sich heute dank Dan Browns „Illuminati“ und der Computerspielreihe „Assassin’s Creed“ wachsender Popularität erfreut – obwohl die Assassinen meist aus religiösen Gründen mordeten und mit ihrer Vision vom Gottesstaat dem modernen Bild eines Killers so gar nicht entsprechen.

Ganz im Gegensatz zur sogenannten „Murder Incorporated“, die im New York der Dreißiger und Vierziger Jahre hunderte Auftragsmorde im Interesse des National Crime Syndicate, einer Nationalitäten übergreifenden Vereinigung des organisierten Verbrechens, verübte. Schon zuvor hatten städtische Gangs in „Leistungskatalogen“ allerlei Verbrechen angeboten. Beispielsweise verlangte die Eastman-Gang 15$ für Schläge, 25$ für bewaffneten Überfall und 50$ für einen Mord, was heutzutage ungefähr 400$ entspräche.

Anlass für derartige Aktionen waren meist nicht bezahlte Schulden – genau wie bei den freilich weniger professionell agierenden Kollegen in Robert Rescues „Eimerduschen“, die der Protagonist des Abends in seinem Hof antrifft. Die beiden klagen über geringe Erfolgsquoten und sinnieren über einen möglichen Zusammenhang mit ihrem – vorschriftsgemäßen – Verhalten, den Kunden vorab den Termin mitzuteilen. Aus Tschetschenien kommen Bert und Paul allerdings nicht.

Paul Waidelich
Assassin Bild- Public Domain Picture

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