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Die Brutusmörder im April 2010

„Mit den Füßen zuerst“

Wie immer am letzten Dienstag im Monat traten auch am 27. April die Brutusmörder bei Periplaneta auf. Diesmal mit vielen Gästen, sogar mit mehr Gästen als Stammmitgliedern, da Saskia Jaja nur aus der Ferne mit einen SMS-Gruss dabei war. Das Programm war dementsprechend kurzweilig:

Georg Weisfeld eröffnete den Abend mit einem gelesenen Comic über die Superheldengruppe Hartz IV, die eine gehässige Supermarktkassiererin wegen der Beleidigung einer Migrantin zur Strafe um ihren Job bringt, um sie anschließend unter ihre Fitiche zu nehmen.


Später trat er erstmals mit musikalischer Untermalung, nämlich mit Ukulelenbegleitung, auf und sang ein Liebeslied an eine Grossstadt-Amazone.

Michael-André Werner erheiterte das Publikum mit seiner Version des typischen Partygesprächs. Na ja, Gespräch ist hier der falsche Begriff, es handelte sich eigentlich um die schriftliche Form des üblichen Frage-Antwort-Spiels, damit sich der Autor den Atem für die immer gleichen Antworten sparen kann. In seinem zweiten Beitrag thematisierte er den Kampf zwischen Fußgänger und Radfahrer um den Bürgersteig und den Nutzen, den eine Klingelsammlung dabei haben kann.

Nun zu den Gästen: Johanna von Stülpnagel bot einen bunten Reigen an Kurz- und Kürzestgeschichten. Vom Pirouettenmissgeschick, das die Karriere einer Jungballerina unsanft beendete, über die Tücken der Jobsuche, bis zum ewigen Kampf mit den Brötchenzangen im Supermarkt, weil die Brötchen entweder zu weich oder zu hart sind und die Öffnungen zu klein, um schließlich in der Blüte des Lebens zu landen, die allerdings schon blad wieder vorbei ist.

Der Puppenspieler Burkhard Bernig war der einzige, der das Thema des Abends „mit den Füssen zuerst“ umgesetzt (beziehungsweise frisch improvisiert) hat. Zu Beginn trat auf der in eine Puppenbühne umgewandelten Theke nämlich kein kopfloses, sondern ein fußloses Huhn auf, das ständig seinen (frisch aus Papier gebastelten) Beinen hinterher rannte. Tierisch ging es dann auch weiter, mit zwei trinkfreudigen Kerlen, die sich mit einer Monsterratte herumschlagen mussten. In der zweiten Puppenvorführung ging es dann ins Reich der Filme, als sich zwei Klingonen auf dem Weg zu ihrem Rentenbescheid nach Berlin verirren, den Reichstag vernichten und zuletzt mit King-Kong zusammenstießen.

Und last but not least sorgte Manfred Maurenbrecher, der bekannte Autor, Sänger und Songwriter immer wieder für kleine literarische Höhepunkte. In seinen Texten widmete er sich  den kleinen Nebensächlichkeiten des Alltags (wie etwa der Arbeit). Besonders grandios und ein würdiger Schlusspunkt des Abends war der Text über die Offroader, diese unförmigen riesigen Vehikel, die aber wie alle anderen auch manchmal im Stau stecken bleiben. Das Publikum war begeistert, wegen Manfred Maurenbrecher im Speziellen, aber auch ganz allgemein wegen des sehr bunten und unterhaltsamen Abends.

Von Julia Bossart

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