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Die Brauseboys (Berliner Lesungen 3)

Sex für nur 5 Euro

Der Sommer war verregnet und kalt, doch im September wird’s heiß! Zumindest im La Luz, denn dort wird die Lesebühne „Die Brauseboys“ die selbst ausgerufenen Erotikwochen mit erotischen, schlüpfrigen und feucht-fröhlichen Texten zelebrieren. Jeden Donnerstag darf allerdings auch Unerotisches von der sechsköpfigen Stammbesetzung und den zwei Lesungs-Gästen zum Besten gegeben werden. Schließlich ist der Herausgeber der ganz hervorragenden Kult-Anthologie „Sex – von Spaß war nie die Rede“ (in der auch die Periplanetaner Lea Streisand und Nico Walser mit schlechtem Sex verewigt sind) der Brauseboy Volker Surmann.

Unser Autor Nico Walser war am 03.09. zur Auftaktveranstaltung der Erotikwochen  eingeladen und so habe ich ihn auf seinem Weg zum Ruhm begleiten dürfen.

Die Brauseboys gibt es seit 2003 und sie setzen sich derzeit aus Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning zusammen. Wie man an dieser Auflistung unschwer erkennt, widersetzen sie sich der politisch korrekten  Frauenquote. Aber sie haben eine politisch korrekte Homoquote!

Und um die Heteros ein wenig fortzubilden, gab es auch von Volker Surmann den „Text von oben herab“ – von oben, von der Bühne. Nach seinem Lehrvortrag vor einer imaginären Volkshochschulgruppe war das heterophilistische Allgemeinwissen um Dark-Rooms, Instant-Sex und das angebliche Berliner Sodom & Gomorrah aufgefrischt.
Naja gut. Wenn mich meine Oma mal wieder fragt, wie das mit der Männerliebe heute so ist – heute, also kurz nach dem Krieg – dann kann ich ihr endlich einmal eine Antwort geben …

Bei den Erotikwochen kommt man am Thema Sex einfach nicht vorbei und so gab auch Paul Bukowski, das jüngste Mitglied, einen lyrischen Text über Libido und Internet, inspiriert von Edgar Allen Poe (oder war es Edgar Allen Po?). Po-esie? Egal. Es hat sich jedenfalls gereimt.

Hinark Husen erzählte etwas über Besucherritzen … (Nein, das war KEIN homoerotisches Thema, hier darf man „Besucherritze“ als genau das verstehen, was man noch aus unbeschwerten Kindertagen kennt) und Robert Rescue half Vertretern des sogenannten Präkariats bei der Anwendung einer Liebesbrief-Software. Sein Text über die Schwierigkeit beim ersten Ansprechen einer hübschen Frau war hingegen großartig und neben dem Sardinien-Urlaubs-Dia-Vortrag von Volker Surmann sicher einer der Höhepunkte des erotischen Abends.

Doch die absoluten Stars waren die Gäste. Anselm Neft rockte die ca. 50 Besucher mit Bildungsbürger-Balzgehabe, der romatischen Liebe als Konstrukt, einem Rendezvous mit einer Literaturpreisträgerin und mit göttlich vernachlässigten Nacktschnecken. Seine Texte waren nicht nur ungemein intellektuell, sondern auch noch intellektuell sexy. Toll!

Nico Walser bereicherte den Abend mit Porno Superstar! und hatte eine derart authentische Pornostimme, dass nach seinem Auftritt das feucht gewordene Mikrophon abgewischt werden musste. Seine Hardcore-Ukulele-Einlagen waren natürlich auch ganz hervorragend (auch wenn ich mir bei seinem Lied „Hormonella“ nicht ganz sicher war, ob ein Teil der männlichen Anwesenden schon je etwas von PMS gehört hatte…). Ich kann leider nicht mehr über unseren Autor schreiben, ich bin voreingenommen und schließlich weiß schon  jeder, dass sein neues Album „Pantoffel Punk“ ein kabarettistisches MUSS ist. Die klügsten Nicos ernten die größten Pantoffeln. So ist das auch im Musikkabarett 😉

Alles in allem war die Veranstaltung recht abwechslungsreich, aber auch durchwachsen. Die Stimmung schien mir etwas verhalten und manchmal beschlich mich das Gefühl, dass man zwar zu einem sehr unterhaltsamen, aber routinierten Abend zusammen gekommen war. Trotzdem bekommt man für 5 Euro Eintrittspreis extrem viel geboten. Es ist wie beim Sex auch: Meistens ist er gut, aber manchmal ist eben auch ein Rausflutscher dabei.

Von Marion Alexa Müller

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