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Zum Teufel nochmal!

Die ganze Wahrheit über diabolische Hufträger

Der Teufel hat viele Namen. Wir nennen ihn Beelzebub, den Antichrist, Luzifer, den Höllenfürst, Satan oder den Leibhaftigen. Trotz der zahlreichen Beinamen des Sohns der Verdammnis, haben wir alle ein ähnliches Bild vor Augen: Er ist hässlich, hat spitze Hörnern, Bocksfüße und einen bequasteten Schweif. Einzig der periplanetarische Autor Christian von Aster stellt sich den Teufel anders vor. Bei ihm ist er süß, schokoladig und ein Muffin. Aber Herr von Aster bildet ja bekanntlich nicht nur mit dieser Ansicht eine Ausnahme …

Aber wieso muss der Teufel bei dem nicht ganz so phantasiebegabten Durchschnitts-Menschen unbedingt eine Chimäre aus Bock und altem Mann sein? Wieso nicht aus einem Karnickel und einer fleischfressenden Pflanze?  Was hat unser Bild vom Höllenfürsten eigentlich so geprägt?

Der bocksfüßige Teufel hat viele Väter. Einer davon war Asasel, ein bocksgestaltiger Dämon, der in der Wüste lebte und Unheil über die Stämme Israels brachte. Deshalb wurde einmal jährlich ein Ziegenbock von den Israeliten in die Wüste geschickt. Beladen mit all den Sünden und all dem Unheil, sollte der Sündenbock seine Fracht an den Verursacher und Eigentümer zurückbringen. Die Israeliten waren von ihrer Schuld befreit – allerdings nur so lange, bis kurze Zeit später diese „Un-Schuld“ ihr erstes Opfer forderte und die arme Ziege in der Wüste verdurstete.

Ein anderer Verwandter des Teufels ist der griechische Hirtengott Pan. Der halbmenschliche Hufträger liebte Musik, Tanz und Fröhlichkeit und musizierte für das Gefolge des trunksüchtigen „Party“-Gottes Dionysos auf seiner berühmten Pan-Flöte. Pan hatte schon immer einen Hang zum Exzess und zur Wollust, was ein paar Jahrhunderte später den frigiden, mittelalterlichen Christen sauer aufstieß. Und so wurde der lebenslustige  Pan verteufelt und zum sprichwörtlichen „geilen Bock“.

Das italienische Pendant zu Pan ist Faunus, der Gott der freien Natur, der ganz ähnliche Eigenschaften wie sein griechischer Bruder hat. Auch er ist für die Fruchtbarkeit zuständig, feiert gerne und schläft viel.  Aber er treibt auch boshafte Späße mit den Menschen. Er erschreckt sie oder sorgt als Dämon Incubus für böse Träume (sofern man dem christlichen Meinungsbild entsprechen möchte und erotische Träume als böse empfindet …). Faune gibt es übrigens selten einzeln, sie sind sozusagen Herdentiere. Aber auch im Verbund konnten sie nichts gegen die üble Nachrede der Christen tun.

Diese drei Verwandten sind allerdings nicht die einzigen, aus denen sich unser heutiger Satan zusammensetzt. Da gab es noch das schlangenähnlichen jüdischen Seeungeheuer Leviathan, den islamischen Todesengel Asrael, den persischen Gottes-Zwilling Arimahn, der alles giftige und eklige Getier beherrschte, den gefallenen Engel Luzifer und noch einige andere. Insbesondere die Christenheit warf im Zuge der Missionierung einfach jede  Wesenheit der religiösen Konkurrenz, die ihnen „diabolisch“ erschien und die man wegen ihrer ausschweifenden Lebensführung nicht integrieren konnte, in einen Topf, brachte ihn in Teufels Küche, rührte um und heraus kam ein Mischwesen, das von jeder Kultur ein bisschen hatte und auf das sich zuletzt alle einigen konnten.

Nicht zuletzt war auch ein gewisser, ominöser Baphomet mit von der Partie, jenes Götzenbild, das die Templer angebetet haben sollen und weshalb man den meisten Mitgliedern dieses christlichen Ritterordens 1307 den Prozess machte und sie anzündete. Allerdings wurde so ein Bild niemals gefunden und man kann getrost davon ausgehen, dass die Herren Kreuzritter damals wegen profaneren Dingen, wie Geld und Macht vom französischen König Philippe dem Schönen verurteilt wurden.

Erst der Okkulist und Schriftsteller Eliphas Lévi Zahed machte sich ein Bild von Baphomet.  Das war allerdings erst im 19. Jahrhundert. Sein Dämon mit gehörntem Ziegenkopf,  Flügeln, weiblichen Brüsten und einem Pentagramm auf der Stirn ist der erste Popstar unter den Teufelsbildern und wurde von den Satanisten ins Herz geschlossen. Auch La Vey borgte ihn sich für seine Satanische Bibel aus.  Das schwarzmagische Teufelsbild wurde darüber hinaus von Crawley und nicht zuletzt  auch von Alien-Papa Giger mitgestaltet, naja, eigentlich von denen, die sich in der Musikkultur dieser Bilder massenhaft bedienten. Mit dem historischen Kontext haben die meisten Coverartworks diverser Heavy-Metal-Bands wenig zu tun.

Völlig aus der Rolle fiel dagegen ein gewisser Mephistopheles, der es zwar 1808 zu großer Berühmtheit brachte, aber zur Teufelsgestalt an sich wenig beitrug. Mephistopheles Antlitz blieb der Phantasie der Lesenden vorbehalten und sein „Erfinder“, ein gewisser Johann Wolfgang von Goethe, ließ ihn auf einen nach Erkenntnis strebenden Doktor namens Faust los. Von den Ur-Versionen des Widersachers bekam Mephisto  allerdings nur ein paar Krümel von Luzifer ab, bei dem es sich ja um den „Lichtbringer“ handelte. Bei Faust ging es da allerdings nicht um Feuer, sondern um Erkenntnis und Weisheit, zwei Dinge, die man unter den Erfindern Satans immer schon mehr fürchtete, als Sex, Völlerei und Exzess, sofern man nicht selbst daran teilnehmen durfte.
Früher wären solche Artikel gar nicht möglich gewesen. Da glaubte man noch daran, dass, wenn man vom Teufel spricht, er auch kommt. Mittlerweile haben wir allerdings empirisch herausgefunden, dass das alleine nicht reicht. Der Satan muss schon auf einer Schwarzen Messe beschworen werden. Meistens wird diese von Satanisten zelebriert, bei Christian von Asters satirischen Endzeit-Szenario „apocalypse au chocolat“ sogar von Hobbysatanisten.

Wer nun herausfinden möchte, ob er die richtigen Qualifikationen für die Teufelsbeschwörung besitzt, der kann den folgenden (nicht ganz ernst gemeinten) Persönlichkeitstest machen: „Bist du ein Satanist?“
Es ist doch wunderbar, dass mittlerweile die üblichen Tests von „Welche Jahreszeit passt zu dir?“,  „Hast du das Zeug zum Star?“ und „Welches Tier bist du?“ um dieses Randgruppenthema erweitert wurden …

Von Marion Alexa Müller & Thomas Manegold

Bild 1: Pan tröstet Psyche: 1858 Berlin, Alte Nationalgalerie, hinreißende Statue von Reinhold Begas.

Bild 2: Baphomet von Eliphas Lévi Zahed (aus Wikipedia), 19 Jh.

Bild 3: „Apocalypse au Chocolat“ – Bislang jüngste Dokumentierung einer Teufelserscheinung, um 2010

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