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Winnetou ist ein Christ

Winnetou ist ein Christ… Wer hätte das gedacht?!
Ich weiß noch, wie ich als zopftragende 10jährige gebannt vor dem Fernseher saß und von diesem dunkelhäutigen und langhaarigen Mann, der nur gebrochen Deutsch sprach, fasziniert war. Heute ist das anders, die Indianer von früher sind weg und es gibt nur noch dunkelhäutige, langhaarige Männer, die gebrochen Deutsch sprechen und mich in der U-Bahn anpöbeln. Damals war eben doch alles irgendwie anders.

erl winnetou_pressefoto5Und von dem noch viel früherem “Damals” hat Holger Saarmann in seinem kabarettistisch- musikalischem Programm “Winnetou ist ein Christ” erzählt. In seinem literarischen Exkurs ging es um die Zeit der Auswanderung, als im 18. / 19. Jahrhundert viele Deutsche nach Amerika ausgewandert sind. Mit Briefen und Textauszügen vergegenwärtigte er dem Publikum diese Zeit, als Amerika noch ein Land der Freiheit, der unbegrenzten Möglichkeiten und der Indianer war. In den schriftlichem Vermächtnis der frühen deutschen Auswanderer ging es um die Zähmung der unbekannten Natur, der ständigen Gefahr durch feindliche Angriffe, die “Entdeckerromantik” und natürlich auch um das Heimweh nach einer (deutschen) Heimat, die die meisten nie mehr sehen sollten.
Viele Deutsche nahmen damals ihre kulturellen Eigenheiten mit und bewahrten sie in ihren Liedern. Dementsprechend bereicherte der Liedermacher im sagenhaften Zusammenspiel mit der Geigerin Vivien Zeller das literarische Programm mit “deutsch exportierten Traditionals”. Also mit Liedern, die irgendwie ein bisschen Schwäbisch und ein bisschen nach Wildem Westen klingen. Eine sehr fremdartige aber doch irgendwie vertraut klingende, amüsante Mischung!

Und dann wurde auch noch das Geheimnis um den Veranstaltungstitel gelüftet. Holger Saarmann las die Orginalpassage von Winnetous Tod aus Karl Mays Meisterwerk. In seinen letzten Zügen bekennt sich der weltbekannte Indianerhäuptling zur Jungfrau Maria und stirbt in Frieden und mit Gott. An so eine Passage konnte ich mich nun wirklich nicht mehr erinnern und auch bei den zahlreichen Zuhörern entbrannte nach der Veranstaltung eine lebhafte Diskussion.

Nach diesem großartigem und musikalisch beeindruckendem Abend, bei dem Holger Saarmann wie auch Vivien Zeller mehr als geglänzt haben, ging die CD von Holger Saarmann “Lieder, so deutsch wie der Wilde Westen” weg wie ordentliche Büffelsteaks. Kein Wunder, denn leider hatte der Liedermacher im Programm nur traditionelle Stücke und keine eigenen vorgetragen. Ich habe sie mir gekauft und kann sie nur jedem, der diese grandiose Zeitreise in den Wilden Westen verpasst hat, vorbehaltslos empfehlen.

Resa Schröder über die Veranstaltung vom 3.12.10 bei Periplaneta

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