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„Die Currysoße ist der rote Faden“

Interview mit Jens Höhner

Die Geschichten von dem kleinen Zweibeinelch Erik fesseln seit der Veröffentlichung von „Rentiere sind doof!“  junge wie auch etwas erwachsenere Leser. Erik Elch avancierte zum altersübergreifenden Kultbuch. Das ist auch kein Wunder, denn schließlich ist Erik ein mutiger kleiner Elch, etwas naiv, aber auch vernünftig, frech und vor allem sehr herzlich. Mit „Mission Currywurst“ ist das zweite Buch von Erik Elch erschienen. In Kanada sucht der nur 54 cm große Geweihträger nach seinem Freund Kaspar, erlebt wieder viele spannende Abenteuer und steht vor schwierigen Aufgaben, die nur ein kleiner Elch so souverän meistern kann. Wir haben uns mit Jens Höhner, dem Autor und „Elch-Papa“ von Erik unterhalten, über Kinderbücher, Inspirationen, Burnout und natürlich über echte Elche …

periplaneta: Herr Höhner, Sie sind Autor von Kinderbüchern und arbeiten als Journalist. Inwiefern gibt es Verbindungen zwischen diesen zwei Berufen?
Jens Höhner: In beiden Fällen geht es darum, Geschichten zu erzählen. Bloß: Bei den einen darf man niemals lügen. Bei den anderen schon. Aber das ist ja ein nettes Lügen, wenn man die Welt ein bisschen schöner macht und freundliche Elche zu Mitbürgern erklärt. Es ist übrigens ein Missverständnis, dass die Elch-Geschichten als „Kinderbücher“ gedacht sind. Ich nenne sie lieber „Familienbücher“, die zu Gesprächen zwischen Klein und Groß einladen sollen und zudem ist „Erik Elch“ – hoffentlich – inhaltlich mehr als nur ein Kinderbuch.

periplaneta: Haben Sie Kinder?
Jens Höhner: Reicht ein Elch nicht? Nein, Kinder habe ich nicht – noch nicht! – auch wenn viele das wegen der Elch-Bücher offenbar glauben.

periplaneta: „Erik Elch – Rentiere sind doof!“ erschien im Oktober 2009. Wie kam es dazu?
Jens Höhner: Durch Zufall. Ich hatte bei einer Weihnachtstombola im Jahr zuvor einen Stoffelch gewichtelt, der seither auf meinem Sofa sitzt. Er ist ein Ladenhüter, wie ich inzwischen weiß, und wurde längst vom Markt genommen. Ich mag ihn aber. Irgendwann war die Frage da: Was macht der kleine Elch eigentlich, wenn niemand da ist? Meine Freundin und ich waren in Urlaub, lagen am Strand und stellten uns vor, wie wir uns nach unserer Heimkehr einen Weg durch leere Pizzakartons und Getränkedosen bahnen müssen. Irgendwann habe ich aus diesen Ideen die erste Geschichte gestrickt, die bald eine Fortsetzung fand. Ins endgültige Buch ist die allererste Geschichte übrigens nicht gelangt, sie passte einfach nicht mehr in den Kontext. Aber sie steht auf Eriks Internetseiten.

periplaneta: Wie ist der Titel zum neuen Familienbuch entstanden? War die Arbeit am zweiten Teil schwieriger?
Jens Höhner: Der Titel war irgendwann da, weil Currysoße der rote Faden im Buch ist, wenn man so will. Und schließlich hat Erik ja auch eine Aufgabe, eine Mission, der er sich mit Hingabe widmen muss. Die Arbeit an diesen Geschichten war wesentlich leichter, da ich diesmal einen genauen Plan hatte. Es fing alles an mit der Figur Chuck Bones, dem riesigen Football-Profi. Ihn sah ich plötzlich vor mir, als der FC Sankt Pauli gegen Alemannia Aachen im August 2009 zur Eröffnung des neuen Tivoli ausgerechnet mit 5:0 gewann. Ich fragte mich, ob Bundesliga-Profis an so einem Tag, vor so einem Spiel, Schiss haben. Die Idee mit der Currysoße war dann schon die nächste. Ich wollte so etwas wie einen Krimibeginn schreiben … Und da passte das alles einfach. Die Geschichte ist diesmal sehr gradlinig, daher ging das Schreiben viel schneller von der Hand.

periplaneta: Was verbindet Sie mit Elchen?
Jens Höhner: Zu Elchen habe ich eben nur die Sofa-Verbindung. Aber ich mag sie. Imposante Tiere, wenn man mal vor ihnen steht. Dabei wirken sie so ruhig und gemütlich. Im Prinzip könnte Erik also auch ein kleiner Bär oder eine flinke Maus sein. Aber ich finde, da gibt es schon ausreichend viele Geschichten. 
Als beim ersten Buch Ephraim Elch, der Stammvater aller Zweibeinelche, ins Spiel kam musste ich selbst lachen. Er hatte den Aufwärtsgang erfunden, weil er immer Rückenschmerzen hatte. Was würde aber mein Chef sagen, wenn ich morgen auf allen Vieren ins Büro gekrabbelt käme, weil ich das plötzlich gemütlicher finde? Diese Art von Humor mag ich.

periplaneta: Elche sind Vegetarier. Warum ist Erik auf der „Mission Currywurst“?
Jens Höhner: Elche sind Vegetarier? Offenbar nicht alle … Für alles gibt es doch Ausnahmen. Da Currywurst zu den beliebtesten Speisen hierzulande zählt, war von Anfang an klar, dass auch ein kleiner Zweibeinelch daran nicht vorbeigehen kann.

periplaneta: Erik Elch bricht während der Geschichte im Lokal zusammen. „Burn out“? Haben Sie so etwas auch schon einmal erlebt?
Jens Höhner: Ja, habe ich. Ist viele Jahre her. Man muss unbedingt auf seinen Körper achten, auch wenn die Arbeit noch so viel Spaß macht und einen anscheinend nicht anstrengt. Ein Vorsatz, an den ich mich leider selbst viel zu selten halte.

periplaneta: Werden Sie auch aus Ihrem neuen Buch lesen?
Jens Höhner: Ja, wenn es sein muss. Das Lesen ist nicht meine Stärke, dazu stehe ich. Ich habe echt Schwierigkeiten, meine Nerven da vorn unter Kontrolle zu kriegen. Und bevor ich es total versaue, frage ich um Hilfe. Ich habe tolle Menschen kennen gelernt, die das mit Leidenschaft machen – Rita Dörper-Link zum Beispiel, die das nahezu professionell für die Hennefer Kinder- und Jugendstiftung macht, um kleinen Leuten die Lust am Lesen zu vermitteln. Zudem helfen mir der Kabarettist Volker Weininger, ein lieber Freund, und der Schauspieler und Profi-Sprecher Daniel Werner („Das perfekte Dinner“). Es ist wirklich ein superschönes Gefühl, wenn die Worte, die man irgendwann einmal aufgeschrieben hat, von jemandem, der’s draufhat, vorgetragen werden. Ich bin natürlich immer bei den Lesungen dabei und stelle mich allen Fragen, so weit geht das Lampenfieber dann doch nicht.

periplaneta: Welchen Rat hätten Sie für einen jungen Autor, wie er seine selbstgesteckten Ziele erreichen kann?
Jens Höhner: Man muss auf seine Geschichte vertrauen und von ihr überzeugt sein, damit man sie auch überzeugend vertreten kann. Ich habe die ersten Geschichten 20 Mal verteilt im Familien- und Freundeskreis um zu erfahren, ob es sich überhaupt lohnt, daran weiterzuarbeiten. Da wir alle sehr direkt und immer ehrlich zu einander sind, wusste ich, dass es sich lohnen könnte. Und dann: Periplaneta anschreiben! Das ist jetzt nicht geschleimt, echt nicht. Aber solche Querdenker gibt es viel zu selten.

periplaneta: Herzlichen Dank für das Kompliment! Und für das sehr nette Gespräch.

Das Interview führte Holly Loose.

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