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Nur über meine Leiche!

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Von Weltraum- und Vinylbestattungen.

„Und… wie willst du dich bestatten lassen?“ Diese Frage ist zwar kaum für einen Party-Smalltalk geeignet, aber angesichts  neuer und sehr kurioser Möglichkeiten jenseits von Sarg und Urne könnte sich das bald ändern. Der Mensch hat seinen und der anderen Tod schon immer aufwändig inszeniert, was einerseits am Mysterium des Dahinscheidens selbst liegt, andererseits am Wunsch, der Endlichkeit etwas entgegenzusetzen.

Die ersten Särge gab es in Europa bereits in der Jungsteinzeit in Form von ausgehölten Baumstämmen. Allerdings blieben Sargbestattungen sehr lange Zeit nur wohlhabenden Herrschern vorbehalten, die ärmere Bevölkerung wurde meistens nur in Tücher gehüllt.
Aus hygienischen Gründen wurde der Sarg jedoch immer flächendeckender zur Vorschrift und Ende des 18. Jahrhunderts war er allgemein üblich. Mit dem wachsenden gesellschaftlichen Einfluss des Bürgertums wurde auch der Sarg zunehmend zum Prestigeobjekt.

Noch im letzten Jahrhundert war eine Alternative zur Körperbestattung indiskutabel. Heute jedoch beträgt laut Statistik der Anteil dieser sogenannten Erdbestattungen in ganz Deutschland nur noch 58%, denn seit den 1950 Jahren bevorzugen immer mehr Menschen die Feuerbestattung. Ein Urnengrab ist schließlich kleiner, günstiger und einfacher zu pflegen und auch der Umgang mit dem Tod hat sich geändert. Religiös bedingte Traditionen haben an Bedeutung verloren und die Atheisten und Nichganzsoreligiösen sehen das alles ein bisschen lockerer. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern ließ und lässt man sich lieber einäschern (laut bestatter.de waren es 1999 über 75%).

Mittlerweile nehmen auch See- und Naturbestattungen zu, als angenehmer Nebeneffekt entfällt hierbei die Grabpflege vollends.
Bei ausländischen Bestattern gelten die Deutschen als äußerst pragmatisch: Es muss billig sein, schnell und effektiv. Wir Deutschen sind also auch über den Tod hinaus sehr traditionbewußt und konsequent 😉
Weil wir also sehr sparsam sind, gibt es immer mehr Discount-Bestatter, die mit Dumping-Preisen locken oder mit Slogans werben wie „Bei uns trauern Sie nicht um Ihr Geld“ oder „Zahl jetzt, stirb später“. Doch selten gibt es bei Billig-Anbietern viel Qualität für wenig Geld und oft wird ein Teil der Dienstleistung ins Ausland outgesourct. Da kann dann schon mal jemand beim Transport verloren gehen, wegen fehlerhafter Papiere nicht mehr durch die Grenzkontrolle kommen oder wegen einer Verwechslung im Krematorium den falschen Angehörigen übergeben werden.

Für jene, denen traditionelle Bestattungen trotzdem zu altbacken sind, gibt es mittlerweile extravagantere Möglichkeiten. Für die deutschen Statuten sind diese allerdings zu extravagant, aber in Amerika ist ja bekanntlich alles möglich. Zum Beispiel kann man die Asche der/des Liebsten zu einem Diamanten veredeln lassen (und ihn verkaufen, wenn man die Trauerphase überwunden hat). Man kann auch die Asche auf Vinyl pressen lassen, entweder mit Musik oder – und das dürfte für Autoren interessant sein – mit gesprochenen Textpassagen. Sogar Weltraumbestattungen sind buchbar: In Miniatur-Urnen wird ein Teil der Asche mit einer Rakete ins All geschossen. Der Rest wird zunächst auf der Erde verwahrt, falls die Rakete versehentlich im Pazifik landet (so geschehen mit „Scotty“-Darsteller James Doohan). Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt, wir dürfen also auf weitere Einfälle der Bestattungsindustrie gespannt sein.

Fest steht: Sarg ist out. Doch damit stirbt auch der Beruf des Sargträgers aus. Dem Protagonisten Daniel in Clint Lukas Roman „Das schwere Ende von Gustav Mahlers Sarg“ kommt diese Aufgabe bei einer Theaterproduktion noch zu und er nimmt seine Rolle sehr ernst: „Mein Kopf glühte und ich spürte, wie mir der Schweiß unter den Achseln und auch am Rücken herunterlief. Es juckte und kitzelte, aber ich wagte nicht, mich zu bewegen. Der Tod eines Großen nötigte mir immer Respekt ab.“

Gott sei Dank gab es damals, zu Gustav Mahlers Zeiten, noch nicht all die modernen Begräbnisarten. Wo wäre denn sonst all die wunderbare Theatralik geblieben …

Evelyn Marunde & Marion A. Müller