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Der Höhenflug einer Plastikscheibe

Die Geschichte der Frisbee.

Schlendert man momentan durch den Berliner Mauerpark muss man aufpassen, dass einem nicht eine Frisbee gegen den Kopf fliegt. Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen herauskommen, strömen unzählige Leute in den Park und schleudern sich Plastikscheiben entgegen. Und wie in Jacinta Nandis Buch „Deutsch werden“ geschildert, machen das nicht wenige am liebsten nackt. Aber woher kommt eigentlich dieses kreisrunde Ding?

per jacinta_Nandi_FrErste Informationen, wann die ersten Frisbeescheiben durch die Luft flogen, bekommt man aus Hollywood. In Zurück in die Zukunft 3 erfindet Marty McFly im Jahr 1885 kurzerhand die Frisbeescheibe, um mit ihr dem Bösewicht die Pistole aus der Hand zu werfen. Als Wurfgeschoss nutzte Marty eine Kuchenplatte der „Frisbie Pie Company“.

Und tatsächlich wurde im Jahr 1871 in Connecticut eine „Frisbie Pie Company“ von William Russel Frisbie gegründet. Diese Bäckerei lieferte ihre Kuchen auf kreisrunden Zinnplatten aus. Ihre erste Zweckentfremdung erfuhren diese aber erst in den 1920er Jahren an der Yale Universität. Die Scheiben flogen über den Campus der Uni und dem Fänger wurde „Frisbie“ zugerufen – um zu signalisieren, dass da eine metallene Platte auf ihn zukam.

1937 entdeckte dann auch Walter Frederick Morrison das fliegerische Potential der Kuchenplatten. Zunächst versuchte er sich noch mit seiner Frau Lu an dem Deckel einer Popcorndose. Dieser flog aber nicht so toll und die beiden stiegen in der Folge auf Kuchenbleche der „Frisbie Pie Company“ um. Als ein Spaziergänger dann 25 Cent für die fliegende Scheibe bot, die sie für 5 Cent inklusive Kuchen erstanden hatten, weckte dies den Geschäftssinn der beiden. So wurde in Santa Monica, Kalifornien, das Geschäft „Flyin’ Cake Pans“ gegründet. Ihre Hochzeit konnte das Paar davon bezahlen, aber bald brach der II. Weltkrieg herein und Fred Morrison verbrachte einige Jahre bei der Luftwaffe und in Kriegsgefangenschaft.

Nach Morrisons Dienst bei der Air Force war er aber um die Erfahrung mit der Aerodynamik reicher und entwarf erste Prototypen einer Flugscheibe aus Plastik. Zunächst nannte er seine Erfindung Whirlo-Way, er fand nämlich, das Frisbie ein furchtbarer Name sei. Nach den Ereignissen in Roswell und der großen Popularität von UFOs taufte er sie aber Flyin-Saucer (fliegende Untertasse) und anschließend Pluto Platter. Bei zahlreichen Zurschaustellungen seiner Erfindung erzählte er dem verdutzten Publikum, die Scheibe gleite auf einer unsichtbaren Schnur und verkaufte diese mit dem Pluto Platter als Dreingabe für einen Dollar.

Die Spielzeugfirma Wham-O wurde 1957 auf Morrisons Pluto Platter aufmerksam, kaufte ihm die Rechte ab und entwickelte den bis heute gebräuchlichen Namen „Frisbee“. Morrison konnte sich zwar immer noch nicht für diesen Namen begeistern, die zwei Millionen Dollar Lizenzzahlung, die er im Laufe der Jahre erhielt, milderten aber seine Bedenken. Bei Wham-O wurde das Design perfektioniert, die Firma verkaufte bis heute über 200 Millionen Exemplare und die einfache Wurfscheibe bildete die Grundlage einer florierenden Spielzeugfirma. Und so erlaubt es Wham-O auch nicht, dass der Name Frisbee einfach so herumgeworfen wird. Andere Firmen dürfen den Namen nicht verwenden, wollen sie kein Heer von Anwälten auf den Hals gehetzt bekommen.

Sogar die verschiedenen Sportarten mit der Frisbee sind hiervon betroffen. Der Sport Ultimate Frisbee wird mittlerweile nur noch Ultimate genannt. Diese Mischung aus Football, Basketball und Fußball wurde 1968 erstmals gespielt und hat sich mittlerweile in 42 Länder verbreitet. 2001 war sie sogar Medaillensportart bei den World Games in Japan. Außerdem existieren Frisbee Golf, Guts oder Discdogging, bei dem Hund und Herrchen Tricks mit der Frisbee ausführen.
Aber auch einige beeindruckende Weltrekorde wurden aufgestellt. Der weiteste Frisbeescheibenflug beträgt 250 Meter, geworfen durch den Schweden Christian Sandström. Don Cain schaffte es, eine Frisbeescheibe 16,72 Sekunden fliegen zu lassen und der Japaner Takumi Nunokawa schaftte es, sie auf 134 kmh Fluggeschwindigkeit zu beschleunigen.

Die Frisbee erreichte also sehr schnell eine große Popularität und auch das amerikanische Militär versuchte, sich die überragende Flugtechnik zu Nutze zu machen. Im Jahr 1968 investierte es beinahe 400 000 Dollar zur Analyse der Frisbee in Windtunnels, um eine Art Leuchtpistole zu entwickeln, die frisbeeförmige Objekte abschoss. Das Projekt wurde aber erfolglos abgebrochen.

Eine interessante Geschichte für so ein einfaches Stück Plastik. Wer mehr darüber nachlesen will, kann sich Fred Morrisons Buch „Flat Flip Flies Straight – True Origins of the Frisbee“ besorgen. Warum sie bei uns Deutschen aber das einzige ist, das die Blöse des Covermodels bedeckt, erklärt uns Jacinta Nandi in „Deutsch werden“ .

Oliver Schwab