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„Atata“ heißt „Hallo!“

Ava Sergeeva bei ihrer Buchpremiere

Interview mit der Berliner Autorin Ava Sergeeva.

Die Liebe und die Suche nach Identität gehören zu den Nichtdingen auf dieser Welt, an denen wir Menschen uns rastlos  aufarbeiten. Die meisten Werke darüber sind ein oftmals sehr zeitgeistgeplagtes Etwas seichter Unterhaltung.

Doch es geht auch anders: Mit „Ich bin Merkur“ legt Ava Sergeeva  eine durch und durch leuchtende Geschichte über eine außergewöhnliche zwischenmenschliche Beziehung vor. Und wie das so ist, stecken hinter den tollen Storys auch ungewöhnliche Persönlichkeiten. Die Berliner Autorin spricht mal eben so fünf Sprachen und ist aktive LARPerin. Warum das so ist, und wie das alles zusammenhängt, das erfahrt ihr hier im Interview

 

Ava Sergeeva bei ihrer Buchpremiere beim Signieren

Seit 2012 lebst du in Berlin. Wie lebt es sich für dich hier?
Ava Sergeeva: Lustigerweise wird es anders, wenn man älter wird. Als ich herkam, war Berlin ein Traum. Heute bin ich einen Schritt weiter und freue mich wieder auf etwas Beschaulicheres und Ruhigeres. Aber bis dahin nehme ich noch möglichst viel Berliner Flair mit, um die eine oder andere gute Geschichte damit zu spicken.

Russisch und Deutsch zählen zu deinen Muttersprachen. Außerdem sprichst du Japanisch und Englisch. Was fasziniert dich so an Sprachen?
Ava Sergeeva: Sprachen sind Codes. Es macht Spaß, sie zu entschlüsseln, denn im Grunde haben Menschen oft alle dieselben Bedürfnisse. Allen sind bestimmte Sachen wichtig und alle haben andere Arten, das auszudrücken. Sprachen sind nicht nur Markenzeichen, sondern auch eine Art Lifestyle. Je mehr du beherrschst, umso umso mehr Menschen auf der Welt verstehst du.

Welche Sprache steht denn als Nächstes an?
Ava Sergeeva: Mein Japanisch braucht regelmäßige Polituren. Wenn ich dann noch Zeit hab, will ich noch Rumänisch lernen. Die finde ich von den romanischen Sprachen am spannendsten, weil sie Latein, Italienisch und Russisch vereint und dann doch ganz eigen ist. Ach ja: Im Liverollenspiel sprechen wir Chollodann, die Sprache des Seefahrervolkes Naihlar, die Jane Steinbrecher erfunden hat, als sie 14 war. Seitdem entwickeln wir sie immer weiter und benutzen sie für unsere Rollendarstellung.

Apropos LARP: Du bist Gründerin und Schirmherrin bei „Taverne zwischen den Welten“. Wie kann man sich so ein Treffen vorstellen?
Ava Sergeeva: Es ist ein Treffpunkt für Liverollenspieler, die gern ihre Charaktere mitbringen sollen, die sie schon seit vielen Jahren auf verschiedenen Events spielen. Alle sind gewandet (d. h. ihren Charakteren entsprechend kostümiert). Das ist bei uns Pflicht. Daher ist die Spieldichte an unseren Tavernenabenden auch sehr groß und die Atmosphäre stimmt. Im Grunde legst du beim Betreten unserer Taverne dein Ich ab und schlüpfst in die Rolle des Charakters, den du dir zuvor ausgedacht hast. Die behältst du den ganzen Abend, bis du wieder nach Hause fährst.
Für einen Abend im Monat ist die Kneipe Arcanoa eben nicht „eine Kneipe in Berlin-Kreuzberg“, sondern „eine Taverne zwischen den Welten“, in der sich allerlei lustiges und skurriles Gesocks trifft, das gerade von Fantasywelt A nach Fantasywelt B reist. Das ist in der Community schon seit 2013 Common Sense und alle spielen schön mit – sogar das Tresenteam.

Ava Sergeeva

In deinem „echten Leben“ arbeitest du freiberuflich als Journalistin, Autorin und Lektorin. Wie empfindest du diese Unabhängigkeit?
Ava Sergeeva: Ganz behutsam. Mir ist wichtig, dass mein Lebensunterhalt gesichert ist, daher hab ich mich noch nicht komplett in die Selbstständigkeit gewagt. Dazu gehört eine Menge Mut. Respekt für all diejenigen, die sich schon getraut haben!

Nebenbei übst du mehrere ehrenamtliche Ämter aus, hilfst in gemeinnützigen Vereinen und leitest ein Projekt zur Fortbildung von Medienschaffenden mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Was motiviert dich für dieses Engagement?
Ava Sergeeva: Ich finde es schön, wenn ich meine Talente mit etwas Gutem kombinieren kann. Wichtig ist mir die Gemeinschaft als Grundprinzip, ob in der künstlerisch-journalistischen Sparte, der NGO, für die ich arbeite, oder auch im LARP. Gemeinschaft und Zugehörigkeitsgefühl sind starke Motivatoren. Austausch mit Gleichgesinnten gibt uns Kraft und hält uns geistig fit. Daher setze ich mich dafür ein, dass Menschen sich in Kreise integrieren können, deren Teil sie auch werden wollen.

Dex, Protagonist Deines Romans, sucht auch immer wieder nach der passenden Gruppe. Nicht zuletzt spielt dies immer wieder mit der Frage nach der eigenen Identität zusammen. Wie definierst du den Begriff?
„Identität“ ist für mich etwas sehr Subjektives. Niemand kann dir deine Identität vorschreiben. Die baust du dir selbst, indem du dich entwickelst. „Identität“ beschreibt für mich die Gestalt, die du bist, die Vision, die du von dir selbst hast. Die muss objektiv nicht immer gleich sein und ist vor allem auch wandelbar.

Vielen Dank für das Interview. Dann bleibt mir nur noch zu sagen: „Akî telam nach“ (Bis bald)

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