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Wave-Gotik-Treffen 2009

Periplaneta rockt das schwarze Leipzig

Man sagt den Gruftis ja vieles nach: Schwarzen Humor, einen Hang zu Moll- Akkorden und manchmal auch einen recht seltsamen Kleidungsstil. Aber eines muss man ihnen lassen: Sie interessieren sich wie kaum eine andere Jugendkultur für Literatur. Und da darf es auch ruhig mal so etwas „Trockenes“ und „Schwieriges“ und „Zähes“ wie Lyrik sein. Anders kann man es sich kaum erklären, dass unsere Periplanetaner ToM Manegold und Sascha Blach im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens ihre „Darkest Poetry“ Lesung vor rund 300 Leuten im großen Kinosaal des CineStar Leipzig hielten und dafür rasenden Beifall bekamen.

Ist ja aus der parteiischen Sicht der Chefin allerdings auch kein Wunder, denn es war ein Lyrik-Best-Of Program. Nach dem Poetry-Clip „Lichtsturm“ von ToM auf großer Leinwand, folgte ein High-Light auf das andere. Gut, dass einige schwarze Zuschauer da noch ihre Sonnenbrillen auf hatten.

ToM glänzte (trotz oder gerade wegen einer grippal rauchigen Stimme) mit teils frei vorgetragenen Versen und Lyrikvertonungen. Selbst inhaltsschwere Zeilen, wie  „Globalism“ wurden mit einem Applaus  und Bewunderung bedacht.

ToM ist einfach ein Meister der schönen Reime, ein unerbittlicher Verfechter der Relevanz und ein feinfühliger Sarkast. Sascha Blach präsentierte stolz das erste Mal sein niegelnagelneues Buch „Trümmerpfad zur Transzendenz“ aus dem er ebenfalls Gedichte mit Sound-Untermalung und Kurzgeschichten vorlas. Besonderen Anklang und Lacher fand natürlich die Geschichte, in dem sich der Protagonist selbst im Grabe auffrisst. Naja, eben schwarzer Humor … Toms Mama wusste bestimmt nicht, warum die alle gelacht haben … Die gehörige Portion Erotik steuerte der periplanetarische Gastleser Georg Milzner mit dem Sonett 128  bei. Mit dieser Lesung und dem anschließenden Ansturm auf unseren Bücherstand wurde uns mal wieder bewiesen, dass es durchaus ein Publikum für Lyrik gibt. Lyrik ist nichts Langweiliges, Ödes – Nein, Lyrik ist Leidenschaft, Performance, Verdichtung und durchaus auch Sex, so wie damals, als die Frauen den Schillers und Villons zu Füßen lagen, auch wenn sie manchmal nach Kneipe und Absinth stanken und kein Geld hatten … aber das ist lange her … ich weiß … zumindest das mit den Frauen. Kein Geld und einen Hang zum Absinth haben die Dichter immer noch …

Zum Pfingsttreffen in Leipzig kommen seit Jahren immer wieder ca. 25.000 Schwarzkittel und Schwarzkittel-Sympatisanten zusammen und vermischen sich in der Innenstadt mit den „normalen“ Ansässigen zu einem einmalig bunt-schwarzem Bild. Da ist es auch ganz normal, dass sich die Oma in Strickstrümpfen mit jungen, männlichen Iroquesen-Trägern unterhält (ganz ohne Zigaretten-Werbung).

Natürlich lasen auch noch andere Periplanetaner im Programm des größten Gothic- Festivals  Deutschlands.

Herr André „Samson“ Ziegenmeyer war Lese-Gast in der sehr stylischen Kneipe „Zur Gruft“. Mit seinem gewohnt trockenen Humor präsentierte er aus seinem ebenso höllenfeuerbrandneuen Buch „Igor Mortis“ äußerst amüsante Geschichten über verliebte Wasserspeier-Mädchen und satanische Trommelhäschen. In nomine satana hasi! Wie auch Sascha Blachs Werk, so ist auch „Igor Mortis“ inmitten der Wirren des Verlagumzugs entstanden und so waren wir auch ein kleines bisschen heimlich stolz, dass diese Werke in ihrer ganzen Schönheit, druckfrisch präsentiert werden konnten.
In dem sehr stilvollem Ambiente war es ja schon fast eine literarische Messerwerfer-Darbietung, denn André saß vor der Dartscheibe und sagte treffend dem überwiegend weiblichen Publikum: „Wenn es euch nicht mehr gefällt, ich habe hier die Pfeile …“  Das ist Mut! Endlich ein Autor, der mit aller Konsequenz zu seinem Werk und zu Kritik steht. Das Blut im Fenster verhieß nichts Gutes, doch André lebt noch, blieb unverletzt und unbeworfen. Hasi sei dank.

Sonntag abend krönte unsere Anwesenheit die geradezu phänomenale Musik-Lesung zu den „Weißen Geschichten“ der Letzten Instanz. Holly Loose und Benni Cellini traten mit einem großartigen Saxophonisten Karl Helbig im CineStar auf. Ok, wir haben es ja des Öfteren schon mal erwähnt, dass Holly ganz toll singen kann und Benni Cellini am E-Cello auch eine ganz große Nummer ist. Muss ich ja jetzt nicht noch mal sagen. Ach, es war wiedermal einfach umwerfend gut!

Und außerdem kann niemand Versprecher so gut meistern wie Holly … „Ich ging in den Park und setzte mich auf eine Punk … ich setzte mich auf EINEN Punk … Auf einen Punk im Quark …

Ja, es war ganz toll in Leipzig. Auch wenn der arme Tom jetzt ganz krank ist, wegen der ganzen Anstrengung und Anspannung zwischen Mainzer Buchmesse, Eröffnung und Lesungsmarathon in Leipzig. Aber eines haben wir dann doch erreicht: Um sich ordentlich mit unseren herausragenden Periplaneta – Büchern einzudecken, standen die Gruftis sogar vor der Sparkasse Schlange.

Dass sie auch einem gewissen Herrn von Aster dubiose DVDs über einen Vampir namens Kevin und andere  Devotionalien restlos weggekauft haben, wollen wir auch nicht verheimlichen. Schließlich ist der durch kreativen Dauerstress immer schmaler werdende adelige Lachsack des Grauens auch ein Teilzeitperiplanetaner …

Einzig der unglückliche Umstand, auf Grund relativ kurzer Auftrittszeiten ein paar Periplanetaner, die als Gäste geplant waren, wieder ausladen zu müssen trübte dieses Festivalerlebnis etwas. Nachdem aber allerortens die Veranstalter des WGT 2009 zu uns unheimlich nett und zudem kompetent waren, was ja bei einer Festiviät dieser Größe nicht selbstverständlich ist, freuen wir uns schon aufs nächste Jahr.

Von Marion Alexa Müller

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