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Influencer, Speckseife und ganz viel Geld …

Henrik Lode: Laotse im Schlaraffenland

Ein Interview mit Henrik Lode.

Unsere Diskussionskultur wird ruppiger und kontroverser und ganz bestimmt nicht netter. Bei den Reizthemen unserer Zeit scheiden sich nicht mehr nur die Geister, sondern es fliegen zumeist die Fetzen. So auch beim Thema Bedingungsloses Grundeinkommen.
Mit „Laotse im Schlaraffenland“ wagt sich der Berliner Autor Henrik Lode an dieses Reizthema. Ganz undogmatisch und nicht zuletzt eben auch mit Humor. Seine zwei Protagonisten, Herbert und Patrick, gewinnen jeweils für ein Jahr ein BGE in Höhe von 1.000 Euro monatlich. Während der eine erst mal nix ändert, stürzt sich der andere in die Businesswelt. Doch was würde Herr Lode selbst mit dem Geld machen? Sarah Strehle hat nachgefragt.

Was würdest Du mit einem bedingungslosen Grundeinkommen machen?

Henrik Lode: Ich würde halbtags statt Vollzeit arbeiten und nebenher mehr schreiben, häufiger Klavier spielen und länger frühstücken. Ohne Grundeinkommen läuft es allerdings auf dasselbe hinaus.

Mal angenommen es gäbe das BGE für alle. Wie würde sich unsere Gesellschaft entwickeln?

Henrik Lode: Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen litten vermutlich weniger Menschen unter Existenzangst, außerdem fiele das Erwerbslosenstigma weg. Arme und Reiche gäbe es trotzdem, Zufriedene und Unzufriedene sowieso. Die Befürworter sagen, ein BGE macht uns produktiv, die Gegner sagen, es macht uns faul – erfahrungsgemäß könnte die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen. Gesichert scheint, dass die Gesellschaft immer älter und dicker wird. Mit und ohne Grundeinkommen.

Henrik Lode liest aus seinem Roman "Laotse im Schlaraffenland".

Es heißt „Geld allein macht nicht glücklich“. Was brauchst Du zum „glücklich sein“?

Henrik Lode: Was Zufriedenheit betrifft, bin ich anspruchslos : Mir genügen Musik, Plusgrade und ein wenig Bewegung für einen gelungenen Tag. Ansonsten meide ich Langeweile, Stillstand und den öffentlichen Personennahverkehr. An schlechten Tagen halte ich es mit Cormac McCarthy: „Man weiß nie, vor welchem größeren Unglück einen das Pech bewahrt hat.“

Du warst jahrelang in der Gründerszene unterwegs. Wie arbeitet es sich in einem Start-up?

Henrik Lode: In Start-ups habe ich viel sinnlose Arbeit für wenig Geld geleistet. Unterdessen habe ich Unmengen an Mate getrunken, mich mit fantasievollen Berufstiteln geschmückt und verlernt, andere Menschen zu siezen. Ich habe mehr Zeit in Meetings als an meinem Schreibtisch verbracht und mich nicht selten mit 30 alt gefühlt.
Die Zeit im Start-up war toll, aber es ist toll, dass sie vorbei ist.

Henrik-Lode-periplaneta

Fantasievolle Berufstitel: Heutzutage gibt es It-Girls, Influencer, YouTuber, Sohn … Was sind die Jobs von morgen?

Henrik Lode: Die Arbeitswelt wird digitaler, die Berufsbezeichnungen internationaler, die Zahl der Jobs wohl weniger – trotzdem müssen und werden wir uns auch zukünftig mit irgendwas beschäftigen. Um den Handwerker werde ich es schade finden, um den Steuerberater weniger. Und dass der Meinungsmacher lieber Influencer heißt, ist zwar sprachlich zu bedauern, doch wirtschaftlich durchaus plausibel.

Was war die verrückteste Idee, die Dir in Deiner Start-up-Zeit begegnet ist?

Henrik Lode: Die Start-up-Ideen, die mir begegnet sind, waren eher überflüssig als verrückt – noch eine Dating-App, noch ein Onlineshop, noch ein Preisvergleich – kein Wunder, dass sich hier Pleite an Pleite reiht. Verrückte Ideen habe ich aber bei Crowdfunding-Recherchen für den Roman entdeckt, etwa eine Seife mit Speckgeruch oder eine App, die nach meinem Tod Social-Media-Posts für mich generiert. Soweit ich mich erinnere, wurde die Fleischseife finanziert, die posthume App nicht.

Na dann freuen wir uns schon mal auf das Eau de Lard bald im Parfumregal. Danke für das Interview. Ach ja, die Buchpremiere am 20.10.2018 im Periplaneta Literaturcafé sollte man nicht verpassen.

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