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Das Krähenexperiment

Krähen sind unheimlich schlau

Immer wieder verblüffen Tiere mit ungewöhnlichen Fähigkeiten und bringen damit die vom Menschen aufgestellten evolutionären Hierarchien in Frage. Meistens erleben wir solche Tiere im Fernsehen. Dort sehen wir Termiten krabbeln, Delphine lächeln und Affen reden … Doch auch in unmittelbarer “Nähe” gibt es Wesen, die “besser” sind, als ihr Ruf. (Welches Wesen ist das eigentlich nicht?) Zu den wahrscheinlich “intelligentesten” Tieren unserer Heimat zählen neben den Ratten auch die Krähenvögel, wie Dohlen und Raben.

So gehen Krähen, die zwar große, aber immer noch Vögel sind, nicht nur geschickt mit Werkzeugen um – sie können auch Ursache und Wirkung unterscheiden und ihre Methoden an eine neue Situation anpassen. Damit schnitten sie in einem Test besser ab als Menschenaffen.

Ein Team neuseeländischer Psychologen testete im Jahr 2007 sechs Krähen von der Inselgruppe Neukaledonien (Corvus moneduloides) mit einem Standardtest der Verhaltensforschung und kam dabei zu erstaunlichen Ergebnissen.

Dabei sollten die Tiere mit einem Stäbchen Futter aus einer Plexiglasröhre angeln, dabei aber jeweils die Seite wählen, auf der sie die gerade offene von zwei “Fallgruben” am Grunde der Röhre vermieden. Neukaledonische Krähen sind geschickte Werkzeugnutzer. Auch in der Natur angeln sie oft Insekten mit kleinen Dornen oder Ästen aus Baumhöhlen. Drei der sechs Krähen lernten schnell, nach dem Futter auf jener Seite zu angeln, auf der es nicht in eine Grube fiel.Auch unterschiedlich gefärbte Abdeckungen und fehlende Markierungen des Randes der Fallgruben störte die Tiere kaum. Sie müssen also das System des Experiments durchschaut und einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung hergestellt haben, schließen die Forscher – eine Grube auf dem Weg ist ein Hindernis, Futter zu sich zu ziehen.

In einem zweiten Versuch boten Taylor und seine Kollegen den Krähen Futter auf zwei mit Plexiglas abgedeckten Bahnen eines Tisches an, von denen eine wiederum auf ihrer ganzen Breite eine rechteckige Grube aufwies. Trotz Unterschieden in Form, Farbe, Material und räumlichem Aufbau übertrugen die drei “gelehrigen” Krähen ihre Erfahrung auf dieses Experiment. Damit schnitten sie besser ab als vier Arten von Menschenaffen, die bei ähnlichen Tests “versagt” hatten. Die Vögel sind fähig zu echten Analogieschlüssen, berichten die Forscher.

Aber das hat Alfred Hitchcock schon viel früher gewusst. Und Christian von Aster auch. Fantastische Literatur muss also nicht unbedingt Science Fiction sein. Jules Verne hat man ob seiner Spinnereien auch ausgelacht.  Nur was nicht ist, ist möglich.

FAZ über das Krähenexperiment

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