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Berliner Lesebühnen: Surfpoeten

Surfpoeten

Jeden Mittwoch ab 21:00 Uhr (mittlerweile) im Mauersegler am Mauerpark

Es dauert ein wenig, bis man das „Haus 13“ am Pfefferberg findet. An der Tür kommt „Surfpoet“ Konrad Endler mit einem Hinweisschild unter dem Arm entgegen – das Problem scheint bekannt. Dabei ist allein die Location schon einen Abstecher wert: Der Raum hat zwei Ebenen. Auf der unteren befinden sich Mischpult und optionale Tanzfläche, heute mit Mikro für die Lesenden. Von dort führt eine Treppe zu einer Art Galerie hinauf, die einmal rund um die „Bühne“ zur Bar verläuft. Das Publikum sitzt, mit Getränken eingedeckt, oben und blickt auf die „Poeten“ herab; die Konstellation erinnert wahlweise an ein Theater oder eine Arena. Beides passt auf seine Weise.

„Die Surfpoeten“ sind im Berliner Lesebühnendschungel sicherlich eine Art Instanz. Allein schon der Tradition wegen: Seit 1995 wöchentlich, man munkelt, es sei nur ein einziges Mal ausgefallen; die Fußball-WM grätschte dazwischen. Das hat zwar mit der Gegenwart genau genommen wenig zu tun, allerdings scheint das Konzept nach wie vor aufzugehen. Trotz vier Euro Eintritt ist der Laden gut gefüllt, das Publikum ist recht jung. Von der Stammbesetzung sind neben besagtem Endler Jacinta Nandi, Felix Jentsch und Tube anwesend, Lea Streisand und Clint Lukas fehlen. Die Anmoderation bietet einen guten Vorgeschmack auf das Programm: chaotisch, aber unterhaltsam. Jeder „Surfpoet“ hat einen sehr eigenen Stil; das Spektrum reicht von Berliner Alltagsgrotesken in passender Mundart bis hin zu britisch eingefärbten Überlegungen zu sexuellen Themen. Nach jedem Text folgt eine kurze Pause, mit (guter) Musik und Getränken wird abgelöscht. Gemeinsam haben alle Darbietungen die Merkmale klassischer Lesebühnenkost: Ich-Perspektive, die Handlung bewegt sich in alltäglichen Rahmen oder wird zugunsten von Gedankenbächlein gleich ganz außen vor gelassen. Niemand versucht das Rad neu zu erfinden – schließlich rollt es schon – aber man schmiert nach Kräften.

Die regelmäßigen Pausen verschaffen Autoren wie Zuhörern ein wenig Luft, auch gegen Ende fühlt sich niemand erschlagen. Da zwischendurch viel getrunken wird, löst sich die Stimmung zunehmend; die respektvolle Stille beim Zuhören, die man von anderen Lesebühnen kennt, geht langsam, aber sicher den Bach runter – was dem Abend nicht unbedingt schadet. Schließlich geht es primär um Unterhaltung und die wird geliefert. Jeden Mittwoch aufs Neue.

Paul Waidelich

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