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Legalisierung mit Hirn

Erleuchtung

Interview mit Steve Bürk.

Steve Bürk hat erst kürzlich in unserer Edition Drachenfliege seinen ersten Roman veröffentlicht und dabei etwas Außergewöhnliches vollbracht: Die Revolution des Genres “High-Fantasy”. Denn “Die Erleuchtung des Kiffers Felix B.” spielt nicht in einer mittelalterlichen Welt voller Trolle, Orks und Drachen. Nein, der Berliner Schauspieler und Drehbuchautor nimmt es eher wörtlich. So ist es keine Überraschung, dass Felix, so der Name des Protagonisten, am liebsten gechillt auf seinem Sofa zockt und Marihuana raucht. Periplaneta sprach mit Steve über das Arbeiten an Seifenopern, den Star Wars Hype und natürlich über Gras.

Was hat dich als Drehbuchautor an Seifenopern wie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ oder „Hand aufs Herz“ gereizt?
Steve: Die Arbeitsweise. In Deutschland gab es derzeit keine anderen Serien, die mit einem „Writer’s Room“ arbeiteten. Man sitzt den ganzen Tag mit anderen Verrückten in einem Raum und denkt sich abgefahrene – oder auch mal nicht ganz so abgefahrene – Geschichten aus. Und guckt, wie weit man die Grenzen des Formats dehnen kann.
Besonders stolz bin ich auf eine Geschichte, für die der Sender eine Strafe zahlen musste, weil sie „dem Sendezeitpunkt nicht angemessen“ war. Die Quoten waren aber so gut, dass der Sender das mit einem Schulterzucken weggesteckt hat.

Wie würde denn das Leben deiner Seifenoper-Rolle aussehen?
Steve: Man würde ziemlich viel von dem ganzen Kram sehen, den man wegen der Jugendschutzvorschriften gar nicht zeigen darf. Und der häufigste Cliffhanger wäre, dass mein Ich vor dem leeren Computerbildschirm sitzt. Und der Zuschauer fragt sich: Wird ihm doch noch was einfallen oder öffnet er in der nächsten Episode ein Computerspiel?

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Als Drehbuchautor hast du sicherlich Lieblingsfilme. Welche sind das?
Steve: Go! von Dough Liman. Da sieht man, was das Wort alles bedeuten kann. Oder Two days in the valley von John Herzfeld. So ne Mischung aus Pulp Fiction und Short Cuts. Und dann ist da natürlich Jeffrey „The Dude“ Lebowski. Aber Star Wars 4-6 hatte da auch seinen Anteil.

Du erwähnst explizit Star Wars 4-6. Was ist denn mit den restlichen Episoden und Serien im Star Wars Universum?
Steve: Zu Teil 1-3 sag ich einfach mal gar nichts. Kein Wort. Die sind zu scheiße für das Wort Scheiße. Ich will Scheiße nicht beleidigen, indem ich sie in Verbindung mit diesem Dreck bringe.
Es gibt ein paar ganz lustige Zeichentrickserien, die aber nach einer Weile langweilig werden. Aber natürlich zittern wir alle, weil Kevin Smith gesagt hat, dass Teil 7 der geilste aller Zeiten ist. Und Kevin Smith ist ja sozusagen der Botschafter von Star Wars. Der Dude unter den Jedis.

In deinem Roman vermischst du Elemente von Star Wars und Star Trek. Was ist an der These dran: Wer das eine mag, findet das andere blöd?
Steve: Ich mag beides. Und JJ macht ja sowohl das eine als auch das andere. Klar gibt es Unterschiede. Auch in der Fanbase. Aber es wäre viel schöner, wenn wir Nerds uns alle bei den Händen nehmen und zusammen Kumbaya auf Klingonisch singen und mit Lichtschwertern den Takt klopfen würden, anstatt uns fertig zu machen, weil Star Wars ja total unwissenschaftlich und Star Trek zu verkopft ist.

Vielleicht schaffen wir das ja in der Zukunft. Wie, glaubst du, sieht unser Leben 2315 aus?
Steve: Entspannt. Kriege gibt es dann nur noch als Live-Rollenspiele. Man kann über Neuronet Schlachten nachspielen, wenn man will. Keiner weiß mehr so wirklich genau, was eigentlich real ist und was nicht. Also ein bisschen so wie jetzt auch schon. Auf jeden Fall ist kiffen legal.

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In den Medien wird der Konsum von Gras oft nur in einer schwarz-weiß Position dargestellt. Wie ist deine Meinung diesbezüglich?
Steve: In einem Land, in dem sich die Leute scharenweise zu Tode saufen oder andere besoffen tot umfahren, sollte man sich doch eigentlich über jeden Kiffer freuen. Die sind nicht aggressiv, sterben höchstens an Lungenkrebs – aber da kann das THC ja nix für – und würden sogar die Wirtschaft ankurbeln, wenn Marihuana endlich legal wäre.

Also bist du ganz klar für die Legalisierung?
Steve: Unbedingt! Aber für die Antwort muss ich etwas ausholen:
Ich habe mit 18 angefangen zu kiffen und insgesamt 13 Jahre – mal mehr, mal weniger – Gras geraucht. Ich habe tolle, abgefahrene, lustige, gedämpfte, paranoide, entspannte, erotische, ängstliche und spirituelle Momente beim Kiffen erlebt. Ich bereue es keine Sekunde, habe mich aber entschlossen, damit aufzuhören. Denn ich habe gemerkt, dass meine Konzentration nachlässt. Ich bin leider keiner dieser Typen, die ganz entspannt alle paar Wochen mal einen Joint rauchen. Wenn ich etwas da hatte, rauchte ich es auch auf. Also ganz oder gar nicht. Für mich hieß die Antwort: gar nicht. Denn bei allem Spaß am Kiffen sollte man die Augen auch nicht vor den Langzeitfolgen verschließen. Vor allem für Dauerkiffer.
Trotzdem bin ich für die Legalisierung. Denn es geht ja auch um Entkriminalisierung und Qualitätskontrolle. Gleichzeitig müssen die Bedingungen für den wirtschaftlichen Hanfanbau verbessert werden. Dann können alle in Frieden einen durchziehen und der Umwelt wäre auch noch geholfen.
Aber nicht übertreiben, Kids, sonst werdet ihr vergesslich, genau wie … äh, wie hieß der noch gleich?

Dein Roman heißt: Die Erleuchtung des Kiffers Felix B. Das klingt schon etwas spirituell. An wen oder was glaubst du?
Steve: Auf meiner Fensterbank stehen Buddha, Jesus und Ganesha. Ich praktiziere Nichiren-Buddhismus, Schamanismus, New Age und Besserwissertum. Dabei passe ich auf, dass ich keinem Club angehöre, aber die Benefits von allen abgreife.

Felix erhält ja durch den Göttlichen Funken Allwissen und auch Allmacht. Wie würdest du dich an seiner Stelle verhalten?
Steve: Ich würde versuchen, das Ding irgendwie loszuwerden. Mann muss sehr in sich selbst ruhen, um nicht ein fürchterliches Durcheinander mit solchen Kräften anzustellen. Frag mich in 20 Jahren noch mal. Ich verspreche auch, dass ich zwischendrin ganz viel Yoga mache.

Dann sprechen wir uns hoffentlich in 20 Jahren wieder. Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Inga Ries