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“Sicher nicht mein letztes”

Interview mt “Lex” Wohnhaas

„Kiss Lounge“ ist ein phantastisches Erstlingswerk, ein Buch mit Audio-CD von Alexander „Lex“ Wohnhaas, des Frontmannes der Band Megaherz. Eine Vampirgeschichte voller Begierde, Blut und Blasphemie. Garniert mit einer klassischen Parabel über „Die verschwundene Prinzessin“ und einem nützlichen „Handbuch zum richtigen Umgang mit Untoten“. Über echte oder inszenierte Vampirerfahrungen des Autors, vom Unterschied zwischen Song-Lyrics und Prosa, geplanten Lesungen und zukünftigen Ideen sprach PERIPLANETA mit dem Autor.

periplaneta: Lex, wie groß war die Freude über das Erscheinen deines ersten Buches und wie fielen die Reaktionen bisher aus?
Lex: Natürlich war das ein besonderer, wenn nicht sogar magischer Moment. Sein erstes Buch in Händen zu halten und darin zu blättern, ist sicherlich kein alltägliches Gefühl. Doch noch spannender ist die Phase danach, in der ich momentan mittendrin stecke. Wenn nämlich die ersten Reaktionen der Leser folgen. Mitzuerleben, wie andere meine Geschichte lesen, was sie daran mögen oder vielleicht auch nicht mögen. Als Musiker bin ich die Interaktion mit dem Publikum gewohnt, deshalb gibt es für mich nichts reizvolleres, als durch die Augen meiner Leser, vielleicht auch neue Seiten an meiner Geschichte zu entdecken. Nur wer neugierig bleibt, kann sich sowohl als Künstler wie auch als Mensch weiterentwickeln.

periplaneta: Die Kombination aus Buch und Audio-CD ist durchaus reizvoll. Sie befriedigt gleichermaßen Auge und Ohr. War diese Kombination von Anfang an geplant?
Lex: Ehrlich gesagt: Ja. Ich bin hauptberuflich Sänger, und daher ist die Stimme ein wesentlicher Bestandteil meiner Kunst. Wir leben in einer Zeit, in der das selbst lesen leider immer mehr abnimmt und sich viele Leute lieber berieseln lassen. Das ist traurig, da ich selbst ein leidenschaftlicher Leser bin. Umso wichtiger ist es, wenn man seinen eigenen Geschichten durch eine ausdrucksstarke Stimme Leben einhauchen kann. Ich sehe mich da durchaus in der Tradition der alten Geschichtenerzähler. Am liebsten hätte ich ein Lagerfeuer und die berühmte Taschenlampe, die man sich ins Gesicht hält, wenn man den Freunden bei Mondlicht Gruselgeschichten erzählt. Wenn ich dieses Gefühl auch über eine Hörbuch-CD vermitteln kann, dann bin ich der glücklichste Mensch auf Erden.

periplaneta: Sind Erlebnisse aus deinem Rock’n Roll-Dasein in das Buch eingeflossen? Be­nehmen sich vielleicht einige Frauen derart vampirisch hinter der Bühne?
Lex: Na ja, vampirisch würde ich jetzt nicht gerade sagen. Es gibt zwar einige aus der Gothic-Szene, die mal gern für eine Nacht oder länger ein blutlechzender Untoter wären, doch das bleibt wohl eher ihre Phantasie. Aber es gibt tatsächlich mehrere Szenen aus dem Buch, die so in etwa auch vorgefallen sind. Aus meiner Phase, als ich Clubs mit fragwürdigem Ruf besucht und etliche Nächte durchzecht habe. Die Szene mit den drei Frauen am Eingang der Kiss Lounge etwa oder die Bestellung bei der nackten Kellnerin. Den gleichen Gesichtsausdruck hatte mein Kumpel damals, als er vor einer ähnlichen Situation stand. Das werde ich nie vergessen. Diese Erinnerungen und natürlich die Vorstellung, mal einen richtig coolen Vampirladen beschreiben zu wollen, haben mich erst zur „Kiss Lounge“ inspiriert.

periplaneta: Wie empfindest du den Unterschied von Song-Lyrics, die du für Megaherz schreibst, zu deinen prosaischen Texten?
Lex: Dazwischen liegen Welten. Ich finde sogar, dass Song-Lyrics schwerer zu schreiben sind. Denn dort hat man so wenig Zeit. Man muss in ganz wenigen Worten perfekt ein Gefühl oder eine Message treffen. Damit bekommt jedes einzelne Wort ein immenses Gewicht und oft kann schon eine einzige Zeile einen kompletten Song zerstören. Beim Buch hat man mehr Zeit. Man braucht sogar mehr Zeit. Hier ist Geduld und Ausdauer gefragt. Charaktere müssen langsam wachsen und mit Leben erfüllt werden. Stimmungen und Gefühle dürfen gern auch mal über mehr als nur eine Seite beschrieben werden, und trotzdem ist auch hier das oberste Gebot: Nicht langweilen! Wenn man es nicht schafft, den Leser bereits auf den ersten paar Seiten zu fesseln, schützt auch der höchste literarische Anspruch nicht davor, im Meer der Namenlosen unterzugehen. Was nützen die schönsten Bilder, Vergleiche und philosophische Ansichten, wenn sie nicht unterhaltend genug dargeboten werden, um den Funken der Begeisterung zu entzünden? Ein Buch, das langweilt, ist ein sinnloses Buch.

periplaneta: Als Frontmann von Megaherz hast du sicher einen vollen Terminkalender – aber wird es einige Lesungen zur „Kiss Lounge“ geben? Vielleicht garniert mit harten musikalischen Zwischentönen?
Lex: Natürlich werde ich auch Lesungen halten. Darauf freue ich mich sogar schon wie ein kleines Kind, denn so etwas habe ich bisher noch nicht vor größerem Publikum gemacht. Nur vor ein paar Freunden vielleicht. Das ist eine neue Herausforderung. Ob ich das mit musikalischer Begleitung mache oder solo wird sich zeigen. Feststeht, dass ich als nächstes gemeinsam mit Ash von Heimataerde ein Hörbuch zur „Kiss Lounge“ produzieren möchte. Heimataerde liefert dazu den Soundtrack, aber ich denke, es werden noch weitere Künstler ihre Musik in der „Kiss Lounge“ zum Besten geben. Natürlich auch Megaherz. Das wird dann ein multimediales Hörvergnügen, welches ich mir durchaus auch in Lesungen vorstellen kann.

periplaneta: Schauen wir mal in die Zukunft. Wird es weitere Ausflüge in das literarische Genre geben? Hast du schon weitere Ideen im Kopf?
Lex: „Kiss Lounge“ ist mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Buch. Ich arbeite bereits an einer neuen Geschichte, die diesmal nichts mit Vampiren und Untoten zu tun hat, die aber dennoch nicht weniger ungewöhnlich ist. Ich liebe es Fantasy mit den Problemen und Bildern aus unserer Realität zu verknüpfen. Erst wenn Fantasy und Realität aufeinandertreffen, wird´s für mich richtig spannend.

periplaneta: Vielen Dank für das Gespräch.

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