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Nietzsche, Kafka & Co waren auch mal Loser

Spitzweg_Carl

Von Autoren, die später noch berühmt wurden.

Rilke, der Protagonist im Roman „Der Flug des Pinguins“ von HC Roth, erhält von Verlagen nur Absagen. Das ist für einen Autor zwar frustrierend, aber kein Einzelschicksal. Der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung zufolge erhält ein Verlagslektor eine nicht zu bewältigende Flut von bis zu 200 Manuskripten im Monat. Selbst bei einer Veröffentlichung ist die Chance gering, dass es ein Bestseller wird, denn pro Jahr erscheinen ca. 120.000 weitere deutschsprachige Erstpublikationen. Erfolglose Schriftsteller gibt es also zuhauf. Aber auch bei den weltbekannten lief es selten glatt und einige haben ihren Erfolg nicht einmal erlebt:

Der junge Friedrich Nietzsche zum Beispiel war zwar als Professor erfolgreich, doch seine Veröffentlichungen wurden entweder abgelehnt oder ignoriert. Er schrieb trotzdem ehrgeizig weiter, auch als er frühpensioniert wurde und sich wegen seiner psychischen Krankheit zunehmend zurückzog. Nietzsche glaubte so sehr an seinen bevorstehenden Erfolg, dass er einige Texte im Selbstverlag herausbrachte – was allerdings niemanden interessierte. Als seine Werke Jahre später tatsächlich berühmt wurden, konnte er das wegen geistiger Umnachtung nicht mehr miterleben.

Franz Kafka wurde zwar von dem damals erst vier Jahre jungen Rowohlt Verlag veröffentlicht, seine Bücher wurden jedoch nie sonderlich bekannt. Kafka betrachtete sein Schaffen schließlich sehr skeptisch. Seinem letzten Willen zufolge sollten seine Werke sogar eingestampft werden, doch der Nachlassverwalter publizierte die Texte trotzdem und „schrieb“ damit Geschichte.

Bei Fernando Pessoa war es ähnlich: Er produzierte eine unglaubliche Textmenge, veröffentlichte zu Lebzeiten aber nur einen einzigen Gedichtband. Die restlichen Manuskripte landeten ungeordnet in einer Truhe. Erst 47 Jahre nach seinem Tod erschien „Das Buch der Unruhe“. Pessoa  wurde zu einem der bedeutendsten Schriftsteller Portugals und sein ungeordneter Nachlass beschäftigt die Wissenschaft immer noch.

Das Schicksal Bram Stokers erscheint uns heute wie eine verkehrte Welt. Stroker arbeitete nämlich als Manager von Irvings Lyceum Theatre und nebenbei zur Aufbesserung des Einkommens (!) als Buchautor. Früher war also nicht alles besser, aber doch wohl gerechter… Den Erfolg von „Dracula“ erlebte Stoker nicht mehr. Er starb in bescheidenen Verhältnissen.

Papier-Pen

Es geht natürlich auch aktueller.  Stieg Larsson starb 2004 wie ein echter Autor: an einem Herzinfarkt, dessen Ursache permanenter Schlafmangel, ungesunde Ernährung sowie enormer Zigaretten- und Kaffeekonsum war. Er konnte nur drei der geplanten zehn Bände seines Krimis vollenden, aber die postum veröffentlichte Millennium-Trilogie wurde ein weltweiter Erfolg.

J. K. Rowling hatte da mehr Glück und lebt noch. Das „Harry Potter“-Manuskript der mittellosen, alleinerziehenden Mutter wurde mehrfach abgelehnt, bis sie schließlich einen Verlag fand und durch den Verkauf der US-Rechte für eine horrende Summe schlagartig bekannt wurde. Bis heute wurden die Romane in 67 Sprachen übersetzt, sogar ins Lateinische und Altgriechische. Rowling wurde zur Milliardärin, heiratete wieder und wenn sie nicht gestorben ist …

Sogar ein gewisser Stephen King hat ganz klein angefangen. Er war ein Lehrer, der nachts in einer Wäscherei sein Einkommen aufbesserte. Seine Kurzgeschichten hatten nur mäßigem Erfolg und seine Romane wurden von den Verlagen abgelehnt. Nach dem Überraschungserfolg von „Carrie“ und einer damit verbundenen Rekordsumme für die Taschenbuchrechte avancierte King zum weltweit meistgelesenen Horror-Autor.

Und auch Robert Schneider bekam für seinen späteren Welterfolg „Schlafesbruder“ 24 Ablehungen von Verlagen, bevor sich Reclam seiner erbarmte.

Die Liste später oder überraschender literarischer Erfolge könnte noch endlos weitergeführt werden. Das Bild des zunächst verkannten und dann doch bejubelten Künstlers ist zwar romantisch überhöht, aber doch gar nicht so selten. HC Roths Rilke und alle anderen erfolglosen Autoren können also noch zu  Ruhm und Ehre gelangen. Eine Gemeinsamkeit haben die Erfolgreichen aber alle, egal ob sie posthum berühmt oder noch zu Lebzeiten reich und berühmt wurden: Sie haben, bis auf wenige Ausnahmen, sehr hart dafür gearbeitet.

Evelyn Marunde