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„Ich hatte sie alle“

Bekenntnisse eines Star-Reporters

Das zweite periplanetarsiche Werk des Journalisten Michael Fuchs Gamböck heißt „Tee mit Madonna, Cognac mit Ron Wood“ und beinhaltet die 40 besten Geschichten, Interviews und Anekdoten aus dem bisherigen Schaffen unseres Rock´n´Roll-Reporters, der bislang über 4000 Künstler interviewte und sowohl für bekannte Musikmagazine als auch für die Boulevard-Blätter und Illustrierte um die halbe Welt gereist ist.

Das Buch wurde wiederum, wie sein Vorgänger „Verkehrsprobleme“, vom Periplanetateam gestaltet und ist mit einigen Beweisfotos aus dem Archiv des Autoren ausgestattet.

Allerdings ist „Ich hatte sie alle!“ mehr als eine Werkschau. Michael Fuchs Gamböck hinterfragt sich, seine Zunft und die Welt des Rock & Pop Business. Das ist manchmal komisch, manchmal aber auch ernüchternd. Und so lädt er uns auf einen Trip ein, der Licht und Schatten dieser glanzvollen Welt gleichermaßen zur Schau stellt.

„So wie der Rock´n´Roll und das Musikbiz ist auch der “König der Musikjournalisten“ in die Jahre gekommen. Im Gegensatz zu den Branchen, in denen er sich tummelte und für die er schrieb und immer noch schreibt, weiß er das auch und präsentiert uns hier die besten Stories aus seiner Laufbahn als Beobachter einer äußerst dekadenten Zeit. Die Rede ist von der Zeit, als die Plattenfirmen noch dicke Bosse mit dicken Geldbörsen hatten und man als Journalist von ebenso dick gepolsterten Chefredakteuren einmal um die Welt geschickt wurde. Aber diese Zeit ist definitiv vorbei. Auch dank der eigenen Zügellosigkeit im Umgang mit Budgets und Drogen, aber in erster Linie wegen neuer technischer Möglichkeiten. In Zeiten des Internets und der Videokonferenzen erscheinen einige Geschichten aus dem Leben des Autors wie von einem anderen Planeten, auf dem Journalisten tatsächlich noch Geld für ihre Lobhudeleien bekamen.

Doch Michael Fuchs-Gamböck lobhudelt nicht. Er bewundert unumwunden und er nörgelt gern. Er stellt sich immer wieder den Gegensätzen, stellt in Frage, überwindet seine Ängste vor den übergroßen Persönlichkeiten, benimmt sich daneben, betrinkt sich auf anderer Kosten, liefert Auftragsarbeiten gegen seine Überzeugung, macht sich über frenetische Popstarverehrung lustig, um nur einen Moment später voll und ganz mit dabei zu sein. Er lebt(e) dieses komische Leben mit, von dem man sagt es sei wild, genießt und verachtet es in vollen Zügen. Gleichzeitig.

So schimmert in den Geschichten auch eine vom Alkoholexzess gekennzeichnete Autobiografie durch,  die so ehrlich ist, dass es manchmal weh tut. Michael Fuchs-Gamböck gibt uns Einblicke in  die Welt der Künstler, aber auch in die Fratzen des Musikbiz- und in die Abgründe der eigenen Zunft. Er zeichnet Studien von interessanten Menschen und ganz unbemerkt ein Selbstporträt, das sich gewaschen hat. Und er bleibt dabei ambivalent, verurteilt weder sich, noch andere (von ein paar netten Ausnahmen abgesehen). Und genau deshalb kann er auch ganz genau erklären, wieso dieses Leben aus Exzessen, Personenkult, Langeweile und lauter Musik uns all die Jahre trotzdem so einen Mordsspaß gemacht hat.“

Von Thomas Manegold