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Das war: Die Leipziger Buchmesse 2014

Periplaneta Messestand 2014

Die ganze Wahrheit über Bier und Bücher.

Wir sind wieder zuhause. Das Team bescheinigt unisono, dass die Tage vom 13.03. bis 16.03. in Leipzig die ereignisreichsten und anstrengendsten seit langem waren. Wir haben nicht nur viele Eindrücke nach Berlin mitgebracht sondern auch einige fiese, sächsische Grippeviren. Aber so ganz langsam normalisiert sich der Betrieb wieder und die Schnupfennasen verlieren ihrer periplaneta-rote Färbung. Zeit, für eine Rückblende auf unsere allererste Leipziger Buchmesse mit eigenem Stand.

Unsere Projektassistentin Marie fasste es in ihrem kurzen Erlebnisbericht so zusammen:

2.194 Aussteller. Periplaneta war einer davon. Ok, davon kann man sich erstmal abschrecken lassen. Oder sich darauf besinnen, was uns hervorhebt. Da hätten wir junge, neue Autoren, die sich auf ihr (Mund-)Werk verstehen, eine sympathische Affinität zu Bier und ein Motto, was sich nur noch die wenigsten Verlage auf die Fahne schreiben können: „Für die Liebe, für die Kunst.“
Cooel BücherAber dass es uns darum geht, musste man den 175.000 Besuchern erstmal beweisen. Unser Weg, um sie in unseren Stand zu bekommen, waren Lesungen. Davon hatten wir jede Stunde eine, und unsere Autoren haben sich beim Tresen-Lesen wirklich ins Zeug gelegt. Während der Lesungen mussten sich die vorbeiflenierenden Besucher fast immer einen anderen Gang wählen, wenn sie sich nicht durch die erheiterte, rasant angewachsene Menge vor unserem Stand drängen wollten.
Bei so einer riesigen Messe geht es darum, rauszufallen um aufzufallen. Die kleinen Details wie eine münzbetriebene, rock’n’rollende Jukebox, phosphoreszierende Leuchtschaben und kaltgestellte Bücher sind die Dinge, die man gegen protzige Riesenstände und überteuerte Werbeplattformen auffahren kann.
Und dafür kaufte am Ende sogar die gegenübersitzende „Konkurrenz“ unsere Bücher und wir hörten nicht nur einmal: „Hey, also euer Stand ist wirklich der coolste!“

Auch die externen Veranstaltungen  bei „Leipzig liest!“ trafen auf reges Interesse. Die zwei MundWerk Galas im Städtischen Kaufhaus und die Subkultur-Lesenacht im HinZundKunZ waren allesamt überaus gut besucht und damit, im wahrsten Sinne des Wortes, ein voller Erfolg. Und David Wonschewski bekam Besuch vom ZDF.

David Wonschewski 2014

Obwohl wir mit der Organisation einer solchen, mehrtägigen Großveranstaltung mit mehreren Veranstaltungsorten Neuland betraten, verlief sie erstaunlich reibungslos. Trotzdem war nicht alles perfekt und nicht alles rosarot. Bei all den Erfolgsmeldungen, die man nun auf den Internetseiten der ausstellenden Verlage lesen kann, beschleicht einen die Ahnung, dass auch sehr viel schöngeredet wird. Unsere Chefin hat einen persönlichen Bericht über die Buchmesse geschrieben und beschreibt darin auch die negativen Aspekte einer solchen Großveranstaltung.

Für viele Verlage ist die erste Buchmesse so etwas wie ein offizieller Ritterschlag. Für uns war es  eine unglaubliche Horizonterweiterung. Wir waren, in unserem und im Interesse unserer Künstler, an einer Antwort auf eben jene Gretchenfrage interessiert: Was bringt es den Mitmachenden wirklich? Auch, was die allgemeinen Abläufe und die zahlreichen Zusatz-Angebote für Aussteller betrifft.
Viele privat ambitionierte Besucher, und das sind nunmal geschätzt 90%, wissen gar nicht, was das Dabeisein die Aussteller kostet und wie vielfältig sich bei solchen „Partys“ die Möglichkleiten des präventiven Geldausgebens gestalten. Und wir hatten den Eindruck, dass die Aussteller mitunter auch nicht so recht wissen, was sie dort eigentlich machen. Denn das journalistische Interesse, das etwaiger Händler und das etwaiger Kooperationspartner hielt sich nicht nur bei uns in Grenzen.
Die journalistischen Beiträge in vielen Medien nach der Messe scheinen dies auch zu bestätigen. In erster Linie wird über das Ereignis allgemein berichtet. Die Vorstellung, dass Journalisten scharenweise Themen suchen, dass Fachbesucher Verkaufskataloge zusammenstellen usw. … sind eher romantischer Natur. Und letztenendes haben potentielle Partner ja auch Schwierigkeiten, sich in so einer Masse zu begegnen, weil sie in ihrem jeweiligen Stand ihre jeweilige Präsentation bewachen müssen. Die Fachmesse ist zwangsläufig auch ein gegenseitiges Beobachten der Mitbewerber, um im nächsten Jahr noch mithalten zu können und das bibliophile Publikum wird beim kollektiven Run durch die überfüllten Hallen vom Überangebot erschlagen.
Das wussten wir alles vorher und habens trotzdem getan. Das Ergebnis ist ein Vielfältiges. Euphorie und Ernüchterung gehen dabei ein bisschen Gassi, wobei wir noch nicht entscheiden konnten, wer dabei Herrchen und wer Hund ist. Dennoch haben wir es genossen. Allen voran unsere externen Veranstaltungen, die wir vorbehaltlos als Erfolg verbuchen.

Mundwerk Spoken Word Gala im Städtischen Kaufhaus
Mundwerk Spoken Word Gala im Städtischen Kaufhaus Leipzig  mit Hank Zerbolesch, René Sydow, Nicolas Schmidt am Mikro, Leas Streisand und Robert Rescue (hinter der Säule)

Als am Sonntag um 18.00 Uhr der Schlußgong ertönte, wurde es wider Erwarten und abseits der Öffentlichkeit noch einmal richtig spannend.
Wir saßen in unseren gemütlichen 10 Quadratmetern, wollten bei einem kühlen Bier die Messe ausklingen lassen und wunderten uns, dass fast alle Kollegen ihren Stand schon 17.15 komplett geräumt hatten. Wozu nur diese Eile?! Schließlich hatten wir geplant, nach all der Anstrengung den Standabbau auf den nächsten Tag zu verlegen – laut Auskunft der Messe war das ja theoretisch möglich. Doch um 18.01 Uhr flogen die großen Türen auf, die Teppichleger begannen damit, um uns herum den Boden herauszureißen und eine Heerschar von Standabbauern fiel ein. Praktisch wurde die Halle 5 umgehend in ihre Einzelteile zerlegt, die Security war wenig später auch verschwunden und keiner passte mehr auf, wer was in welchen Lieferwagen stopfte.
„Na den Gastro-Kühlschrank könnt ihr aber nicht über Nacht stehen lassen. Hier wird alles geklaut, was nicht nietundnagelfest ist“, bemerkte ein netter Elektriker, der sich auf ein Leikeim-Bier zu uns gesellte hatte. Doch einen klobigen Kühlschrank, der über 1000 Euro kostet, bekommt man nicht in einen Verlags-Kombi voller Bücherkisten. Wir sahen uns schon zusammengerollt die Nacht vor den Kühlschrank verbringen … Ein paar Bestechungsbiere später versteckten wir ihn mit der Hilfe einiger engagierter (und dann auch sehr gut gelaunter) Handwerker samt Bierkisten hinter ein paar Stellwänden. Am nächsten Morgen war zwar das „Versteck“ weg, aber der Kühlschrank war immerhin noch da und wurde von der Firma Leikeim wieder abgeholt. Nur die (vollen) Bierkisten waren verschwunden.

Clara Nielsen am Periplaneta Tresen auf der Leipziger Buchmesse
Clara Nielsen am Periplaneta Tresen auf der Leipziger Buchmesse

Wir haben neue Autoren kennengelernt, potentielle Geschäftspartner gefunden, teilweise Menschen, mit denen wir zusammmenarbeiten, das erste Mal in echt gesehen, wir haben Fehler begangen und daraus gelernt und wir haben ganz viel richtig gemacht.
Wir möchten uns bei allen bedanken, die daran beteiligt waren: bei unseren Autorinnen und Autoren, die auf den Bühnen und am Tresen allesamt glänzten, bei unseren Mitstreiterinnen, auf die immer Verlass war, bei der Firma Leikeim, die uns unbürokratisch Kühlschrank und Getränke zur Verfügung stellte, bei den Veranstaltern, die für den reibungslosen Ablauf der externen Lesungen sorgten, bei allen, die uns im Vorfeld und dann in Leipzig unterstützt haben und bei jenen, die in Gedanken bei uns waren, weil sie selbst nicht kommen konnten. Ihr ward alle großartig! Danke!
Und wir bedanken uns bei der Messeleitung und bei der Messebuchhandlung, die es mit uns, als kritischen Neuling, auch nicht einfach hatten. All unsere Kritik stieß selbst in der größten Messehektik auf Geduld und offene Ohren und wir sind mit dem Eindruck nach Hause gegangen, dass unsere Einwände und Vorschläge, was den uns tangierenden Ablauf betrifft, sehr ernst genommen wurden. Maulhalten vermeidet Konflikte und Veränderungen gleichermaßen …

Marion Alexa Müller, Marie Markert und ToM Manegold, März 2014

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MundWerk 1&2: Die Spoken Word Galas zur Leipziger Buchmesse

Hochkarätiges Spoken-Word-Line-up bei „Leipzig liest!“.

(Pressemitteilung, Berlin/Leipzig, Periplaneta) Periplaneta präsentiert sowohl am Freitag, den 14.03. als auch am Samstag, den 15.03., die  Spoken Word Galas MundWerk 1 & 2 – jeweils mit unterschiedlichem, hochkarätigem Line-up aus der Poetry-Slam- und Lesebühnenszene. Anlässlich der Leipziger Buchmesse werden die zwei MundWerk Galas im Rahmen von Europas größtem Lesefest „Leipzig Liest“ im Städtischen Kaufhaus zu Gast sein. Das Städtische Kaufhaus ist eine der beliebtesten Party-Locations Leipzigs und so wird nach dem Bühnenereignis immer auch eine große Aftershow-Party stattfinden.

MUNDWERK 1 am Freitag, den 14.03.14

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RENÉ SYDOW
mehrfach ausgezeichnete Slam-Kabarettist, Gewinner des Rostocker Koggenziehers 2014
LUCAS FASSNACHT
bekannter Slam Poet aus Erlangen
CLINT LUKAS
von den Berliner Surfpoeten, die „abgesägte Schrotflinte der Berliner Lesebühnen“
CLARA NIELSEN
bekannte und weitgereiste Slam Poeting aus Kiel und Bamberg
KONRAD ENDLER
von den Berliner Surfpoeten und der Potsdamer Lesebühne „Texte aus dem Untergrund“

 

MundWerk Gala 2 am Samstag, den 15.03.14

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NICOLAS SCHMIDT aka. BYBERCAP aka. HERR SCHMIED
Deutschland einziger slammender Gymnasial-Oberstudienrat
ROBERT RESCUE
Lesebühnen-Urgestein und Wedding-Inventar und Mitglied der Berliner Brauseboys
LEA STREISAND
Berliner Lesebühnenkönigin und gefeierte taz-Kolumnistin
HANK ZERBOLESCH
SlamPoet und Autor aus Wuppertal
 RENÉ SYDOW
mehrfach ausgezeichneter Slam-Kabarettist, Gewinner des Rostocker Koggenziehers 2014
Durch die beiden Programme führt der Periplanetaner Thomas Manegold, der nicht nur als Conferencier, sondern auch als DJ zwischen den Beiträgen agieren wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bei uns im Onlineshop Eintrittskarten ordern. Es gibt aber auch eine Abendkasse. Die anschließende Party ist  inklusive. Die Spoken Word Gala entlehnt ihren Namen der Edition MundWerk des Periplaneta Verlags. Seit 2008 wird unter diesem Label Lesebühnen- und PoetrySlam Literatur veröffentlicht.
Städtisches Kaufhaus, Neumarkt 9, 04109 Leipzig
(Direkt in der Innenstadt. Vom Hbf zu Fuß zu erreichen)
LBM2014
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Die Heimat ist das „Nippelgate“ der Deutschen

Zerbolesch, Hank

Interview mit Hank Zerbolesch.

„Rausch-Hour“ ist das erste Werk von Hank Zerbolesch in der Edition MundWerk bei Periplaneta. Sein Protagonist ist ein selbsternannter Protestpisser, der gegen alles und jeden rebelliert. Ständig sucht dieser nach dem nächsten Kick und den nächsten Stein des Anstoßes. Sarah Strehle sprach mit dem Wuppertaler Poetry Slammer über bewusstseinserweiternde Substanzen, Heimat, Nippel, Prohibition und Thilo Sarrazin.

Würde man jetzt eine Urinprobe von dir nehmen, was würde man dann herausfinden?

Hank Zerbolesch: Dass ich ein unglaublicher Langweiler bin, weil sich mein Flüssigkeitskonsum der letzten 12 Stunden auf zwei Kaffees, ein Glas O-Saft, drei Wasser und zwei Red Bull beschränkt.

Trotzdem ist Rausch das zentrale Thema deines Buchs. Wie definierst du denn Rausch?

H. Z.: Rausch ist das, was den Kopf dazu bringt, die Fresse zu halten. Und das beinhaltet nicht bloß bewusstseinserweiternde Substanzen. Wut zum Beispiel ist auch eine Art von Rausch. Wenn sich die Halsschlagader so weit aus dem Hals presst, dass du damit einen Nagel in der Wand versenken kannst, knipst das auch alles andere aus.

Stimmt, wenn es um die Meinungsfreiheit geht, drehst du in deinen Texten ganz schön auf – allerdings auch im Zusammenhang mit Personen wie Thilo Sarrazin oder Bands wie Frei.Wild. Wie kommt das? Bist du Fan besagter Menschen?

H.Z.: Ich persönlich halte Sarrazin für einen arroganten, kleinen Banker, der als Kind zu heiß gebadet wurde. Ich hab seine Bücher nicht gelesen. Aber das, was ich durch die Presse – und mit Presse meine ich keine Revolverblätter – mitbekommen habe, bündelt enorm viel Magensäure in meinem Rachen. Aber das eigentliche Problem ist nicht etwa das, was Herr Sarrazin geschrieben hat, sondern wie die Menschen damit umgehen. Hier wurde ein Mann immer und immer wieder öffentlich an den Pranger gestellt. Und zwar nur, weil er zu bestimmten Themen eine andere Meinung vertritt als die meisten anderen.
Es lässt sich darüber streiten, ob das, was er sagt richtig oder falsch ist. Aber ich darf einfach niemanden für seine Meinung gesellschaftlich ausbluten lassen. Das ist ein freies Land. Und wenn jemand der Meinung ist, dass zu viel Einwanderung schlecht für unser Land ist, dann ist das eine unglaublich dumme Meinung. Aber es ist eben auch eine Meinung. So was musst du als Demokratie einfach aushalten können.
Und was die Sache mit Frei.Wild angeht, wusste ich erst nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Aber dann hat es meinen Puls so schnell in den Orbit geschossen, dass ich gar nicht anders konnte, als meinen Senf dazuzugeben. Du musst dir das mal vorstellen: Da kommt eine Band um die Ecke, nimmt den Begriff „Heimat“ in den Mund, und alle fallen entsetzt von ihrem hohen moralischen Ross, wie die Amis bei Janet Jacksons und Justin Timberlakes „Nipplegate“. Nur dass unsere Brustwarze die Heimat ist. Versteh mich nicht falsch. Wenn jemand der Meinung ist, dass die Band scheiße ist, weil ihm bei der Art von Musik sofort das Frühstück wieder hoch kommt, ist das sein gutes Recht. Wenn das aber jemand tut, nur weil ein Journalist im Fernsehen gesagt hat, dass die Band Fans von Rechts hat, ist das einfach dumm. Weil hier keine Meinung gebildet wurde, sondern lediglich gesellschaftlicher Gruppenzwang seine Anwendung gefunden hat. Und so was hatten wir schon mal.

Rausch-Hour

Das gesamte Werk wirkt sehr autobiographisch. Welcher Text steht dir am nächsten?

H.Z.: Keiner. Eigentlich war alles, was ich bis jetzt gesagt habe, gelogen. In Wahrheit bin ich Pädagoge beim CVJM und kompensiere mit meinen Geschichten nur all die Sachen, die ich gerne mal tun würde.

Und was würdest du tun, wenn sämtliche Drogen wie z.B. in der Zeit der amerikanischen Prohibition verboten werden würden?

H.Z.: Was den Konsum von Drogen angeht, leben wir nach wie vor in Zeiten der Prohibition. Volksvertreter stellen sich über dein Persönlichkeitsrecht und sagen dir, was gut für dich ist und was nicht. Und das mit einer Doppelmoral, die ihresgleichen sucht. Auf der einen Seite steht es dir frei, dich tagtäglich ins Koma zu saufen und auf der anderen Seite wirst du für ’nen Joint kriminalisiert.
Versteh mich nicht falsch. Ich bin kein Verfechter einer bedingungslos offenen Drogenpolitik. Aber ich denke, dass es sich die Regierungen der meisten Länder viel zu einfach machen, wenn sie sagen, dass Drogen das Problem wären. Das ist wie mit Ballerspielen bei Amokläufen. Die Schuld auf die Drogen zu schieben, ist der einfachste Weg Verantwortung outzusourcen.

Wie sieht im Gegenzug deine Gesellschaftsutopie aus?

Zerbolesch, HankH.Z.: Wie es der Zufall so will, schreibe ich gerade an einer Geschichte für das Statementmagazin Clownfisch, die sich mit genau diesem Thema beschäftigt. Es geht um Utopiastadt. Einen Ort, an dem alles möglich ist. Und die Frage: Wie könnte so eine Gesellschaft aussehen?
Meine Gedanken gingen in die Richtung bedingungsloses Grundeinkommen. Was ja per se erst mal ein guter und löblicher Gedanke ist. Aber wie bei den meisten anderen Gesellschaftsformen auch, ist vom Grundgedanken schnell nicht mehr übrig als Schall und Rauch, sobald die Ersten wissen, wie sie die neue Kuh melken können. Und da bietet das bedingungslose Grundeinkommen so unglaublich viele Möglichkeiten. Wer sagt denn zum Beispiel, dass nicht einfach alles teurer wird? Essen, Miete, Benzin, Strom, Gas und so weiter.
Wer mehr Geld braucht, der kann ja zusätzlich arbeiten gehen. Aber wenn doch sowieso jeder genug Geld hat – theoretisch – warum sollte ein Arbeitgeber dann Menschen für etwas bezahlen, das sie ja freiwillig tun?
Das passiert übrigens ständig. Gib mir etwas, das im Kern gut ist, und ich schüttle so lange daran herum, bis nur noch der misanthropische Kaffeesatz übrigbleibt.

Aber du bist zuversichtlich genug, um Teil von Lytropolis zu sein, ein Projekt, das Kunst, Musik und Literatur miteinander verbindet. Wie kann Kunst und Literatur die Gesellschaft verändern?

H.Z.: Gar nicht. Das konnte nicht mal Hemingway. Ich glaube, dass sich der Kunstbetrieb allgemein viel zu wichtig nimmt. Außerdem bedarf es für Aufgaben dieser Größe eine gehörige Portion Altruismus. Und ich kenne nur sehr wenige Künstler, die sich den auf die Fahne schreiben können.

Deine Plattform Podcastpoesie erscheint mir aber sehr altruistisch ambitioniert. Wie kam es denn dazu?

H.Z.: Das Ganze war eine reine Protestpisseraktion. Beim Poetry Slam ist es so, dass du dich den drei goldenen Regeln beugen musst: Es gibt eine Zeitvorgabe, Requisiten sind untersagt und Texte müssen selbstgeschrieben sein.
Und ich habe oft gesehen, wie Slammer ihre Texte so schnell durch ein Fünf-Minuten-Fenster prügeln mussten, dass mindestens die Hälfte unterwegs verlorenging. Was nicht heißen soll, dass ich Poetry Slam per se Scheiße finde. Das tu ich ganz bestimmt nicht. Sonst würde ich meine Zeit anderweitig vergeuden. Aber ich fand das einfach so unglaublich starr. Was sich auch auf das Publikum auswirkt.
Man sagt zwar immer, dass sich alle möglichen Gesellschaftsschichten beim Slam tummeln – junge, alte, schlaue, dumme und so weiter – aber das ist meiner Erfahrung nach nicht so ganz richtig. Der Großteil besteht eben nach wie vor aus Studenten. Und weil ich der Meinung bin, dass Poetry Slam etwas ist, das auch andere Zielgruppen interessieren könnte, habe ich ein paar Leute gesucht, die Bock hatten, das Ganze mal in einen neuen Rahmen zu tragen. Und daraus wurde die Podcastpoesie. Hier kann sich jeder Autor so viel Zeit beim Lesen lassen, wie er möchte. Es gibt keinen Wettbewerbsdruck und wenn du willst, schmücken wir das Ganze mit Atmo aus. Oder mit Mucke. Oder mischen beides.
Das ist die offizielle Geschichte. Inoffiziell war mir einfach nur langweilig.

Am Anfang von all dem stand „Notes of a Dirty Old Man“ von Charles Bukowski, dein erstes freiwillig gelesenes Buch. Wie gelangte es überhaupt in deine Hände?

H.Z.: Das war auf irgendeiner Afterhour. Wir saßen im Wohnzimmer eines äußerst fragwürdigen Typen und mir war die ganze Situation nicht recht geheuer. Also haben sich meine Finger das Erstbeste geschnappt, das sie finden konnten. Und das war eben Bukowskis „Notes of a Dirty Old Man“. Ich weiß noch, wie ich mir den Kerl, dem das Buch gehörte, angesehen und mich gefragt habe, wer dem daraus vorlesen würde.
Dann hab ich angefangen, darin rumzublättern. Bis zu dem Tag war ich der Meinung, dass Bücher etwas für Klugscheißer und Menschen mit Flicken am Jackett sind. Aber als ich anfing zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich hatte das Gefühl, dass es keinen Unterschied machen würde, ob ich jetzt weiterlesen oder einfach meiner Umgebung zuhören würde. Das hat mich beeindruckt. Der Kerl war echt. Ohne großes Rumgeschwafel. Auf den Punkt. Das war der Anfang vom Ende.

Und wie sieht es mit zukünftigen Projekten aus?

H.Z.: Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der sich mit dem Thema Scheitern beschäftigt. Und ich sage bewusst arbeiten, weil es eine Sache ist, einen fünfminütigen Poetry-Slam-Text aufs Papier zu bringen, und eine ganz andere, sich über einen längeren Zeitraum einer Sache zu verschreiben, die deines ganzen Herzbluts bedarf.
Außerdem suche ich gerade nach einem Weg, Literatur und Techno auf eine Weise zu kombinieren, die Menschen aus dem einen Bereich gierig auf den anderen werden lässt. Denn diese beiden Sachen haben große Fußspuren in meinem Leben hinterlassen. Und außer Airen’s „Strobo“ ist da genremixtechnisch noch nicht viel Authentisches passiert.
Und dann ist da noch das Ziel, die neue Werbeikone für Butzelmann zu werden. Das steht gerade ganz weit oben auf meiner To-do-Liste.

Hank, vielen Dank für das Interview!LBM2014
Das Interview führte Sarah Strehle.
Die Bilder stammen von Sven Pacher.
Hank Zerbolesch ist Autor auf der Leipziger Buchmesse 2014.

Rausch-Hour (Buch+CD)

Rausch-Hour

Ein Leben im Rausch. Bewaffnet mit Sonnenbrille und vielen bunten Pillen zieht ein Mensch von der Party zur Afterhour. Immer auf der Suche nach mehr Freiheit, mehr Gefühl, mehr Leben. Doch so ein Dasein auf einem Dauertrip ist nicht ungefährlich. Da wird eine Banane schnell zur Waffe, man wacht als lebendes Mosaik auf, verwechselt Tütchen mit weitreichenden Folgen oder verführt Kühe zum Koksen. Ja, wer in diesem Buch nach einem roten Faden sucht, findet ihn schnell als weiße Line.

Euphorie und Exzess. Nicht nur im Umgang mit Drogen. Auch bei den Emotionen oder der zwanghaften Rebellion gegen das System. Hank ist nämlich nur nebenberuflich investigativer Alkoholiker. Hauptberuflich ist er Slam-Poet und Kunstaktivist, der zivilen Ungehorsam predigt, die asoziale Gesellschaft anprangert und konsequente Meinungsfreiheit propagiert. Und so liegt, auch nüchtern betrachtet, in seinen Texten und Gedichten eine ordentliche Portion Wahrheit.

LBM2014

Auf der beiliegenden CD sind vom Autor selbst eingesprochene Texte und zum Teil nicht im Buch enthaltene Gedichte, die im Silbenstreif Studio Berlin aufgenommen wurden.

Von Seemännern und anderen Gestrandeten (Buch)

Michael Schweßingers atemberaubend aufschlussreiche Geschichten aus seiner Feldforschung im Leipziger Untergrund waren jahrelang vergriffen. Wir zollen den mitunter sehr gründlichen Selbstversuchen des Autors Tribut, indem wir seine Leipzig Files nun, anlässlich der Leipziger Buchmesse, in zweiter, durchgesehener Auflage, wiederveröffentlichen!

Angespornt von seiner ethnographischen Leidenschaft begibt sich Michael Schweßinger in den Dschungel des Leipziger Westens. Wie einst Evans-Pritchard die Verhaltensweisen indigener Stämme annahm, um sie besser studieren zu können, übernimmt auch er die Gepflogenheiten der Lindenauer. Doch was einst Gegenstand seiner Forschung war, wird ihm immer mehr zur Gewohnheit. Hin- und hergerissen zwischen Neugier, Aversion und dem melancholischen Zauber des Verfalls, treibt es ihn durch Häuserschluchten und Absturzkneipen. Auf seinen Expeditionen begegnen ihm der Alteisensammler Don Walross, ein einäugiger Chronist und auch ein legendenumwitterter Seemann mit Megaphon kreuzt immer öfter seinen Weg.

Mit Gastbeiträgen des berühmten Alkoholforschers Allfons Chlucki sowie des britischen Astroethnologen Edward Foolship.

LBM2014

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Tresen-Lesen auf der Leipziger Buchmesse

Buchmesse Leipzig, Mär 2012

Bier, Bücher und Autoren am Stand des Periplaneta Verlags.

(Pressemitteilung Berlin / Leipzig, Periplaneta) Zur Leipziger Buchmesse, die vom 13.03. bis zum 16.03.2014 stattfindet, werden 17 Autoren am Stand des Periplaneta Verlags (Messegelände, H5. F-212-214) aus ihren Werken lesen und Bücher signieren. Tresen und Sitzgelegenheiten aus Leikeim-Bierkästen schaffen während der jeweils ca. einstündige Performance einen Hauch von Kneipenatmosphäre.

Bier und Bücher bilden in Berlin seit jeher eine Einheit, denn hier wird sehr oft in verrauchten Kneipen vorgelesen, für Freigetränke und auf Spendenbasis, zwischen Stimmengewirr und Gläserklirren. Anlässlich der Leipziger Buchmesse importiert der Periplaneta Verlag ein Fragment dieser Lesekultur aus seiner Heimatstadt in die Halle 5 der Jungen Verlage.

Jeweils zur vollen Stunde liest ein Autor oder eine Autorin kurze Texte am Tresen des Periplaneta Verlagsstandes (H5. F212-214). Im Hintergrund brummt ein Gastro-Kühlschrank, es gibt eine kleine Jukebox, Zuhörer können auf Leikeim-Bierkisten Platz nehmen und wie in Berlin üblich, darf man, so man möchte, etwas für das ungewöhnliche Leseerlebnis spenden oder das vorgestellte Buch erwerben.

Es lesen am Tresen (Periplaneta Halle 5. F212-F214):

Donnerstag, den 13.03.14
12.00 – 12.45 Uhr: Thomas Manegold (Berlin): Ed. Subkultur, Ed. Periplaneta
14.00 – 14.45 Uhr: Marion Alexa Müller (Berlin): Ed. Periplaneta
16.00 – 16.45 Uhr: Clara Nielsen (Bamberg): Ed. MundWerk

Freitag, den 14.03.14
11.00 – 11.45 Uhr: Thomas Manegold (Berlin): Ed. Subkultur, Ed. Periplaneta
12.00 – 12.45 Uhr: René Sydow (Witten): Ed. MundWerk
13.00 – 13.45 Uhr: Lucas Fassnacht (Erlangen): Ed. MundWerk, Ed. Periplaneta
14.00 – 14.45 Uhr: Clara Nielsen (Bamberg): Ed. MundWerk
15.00 – 15.45 Uhr: Konrad Endler (Berlin): Ed. MundWerk
16.00 – 16.45 Uhr: Lucas Fassnacht (Erlangen): Ed. MundWerk, Ed. Periplaneta
17.00 – 17.45 Uhr: René Sydow (Witten): Ed. MundWerk

Samstag, den 15.03.14
11.00 – 11.45 Uhr: Holly Loose & Peggy Hoffman (Berlin): Ed. Subkultur, Ed. Periplaneta
12.00 – 12.45 Uhr: Hank Zerbolesch (Wuppertal): Ed. MundWerk
13.00 – 13.45 Uhr: Nicolas Schmidt (Erlangen): Ed. MundWerk
14.00 – 14.45 Uhr: Clint Lukas (Berlin): Ed. MundWerk, Ed. Periplaneta
15.00 – 15.45 Uhr: Michael Schweßinger (Leipzig): Ed. Subkultur
16.00 – 16.45 Uhr: René Sydow (Witten): Ed. MundWerk
17.00 – 17.45 Uhr: Jan Lindner (Leipzig): Ed. Reimzwang

Sonntag, den 16.03.14
11.00 – 11.45 Uhr: David Wonschewski (Berlin): Ed. Periplaneta
12.00 – 12.45 Uhr: Hank Zerbolesch (Wuppertal): Ed. MundWerk
13.00 – 13.45 Uhr: Robert Rescue (Berlin): Ed. MundWerk, Ed. Drachenfliege
14.00 – 14.45 Uhr: Lea Streisand (Berlin): Ed. MundWerk
15.00 – 15.45 Uhr: David Wonschewski (Berlin): Ed. Periplaneta
16.00 – 16.45 Uhr: Hank Zerbolesch (Wuppertal): Ed. MundWerk

LBM2014