Veröffentlicht am

Das war Halloween 2018

Kürbis sein für eine Nacht

Wen sieht man so spät des Nachts durch Berlin
gestikulierend labern und dancen?
Es sind die Kinder, die sich wimmernd und frierend
krümmen im Donner der Flatulenzen,
von gelantinegetriebenen Winden des Grauens,
auf Resten kindlicher Darmflorapleiten,
als logische Folge exzessiven Verdauens
längst abgelaufener Süßsaurigkeiten.

Und ein paar Dichter und denkende Wesen
an einem süßsaurigkeitsbefreiten Thresen.

Es gab Süßes und Saures, Gruseliges und Lustiges, Absurdes und Psychothrilliges am 31. Oktober 2018 bei uns. Im mehr als vollen Café präsentierten Thomas Manegold, Sascha Dinse und Sarah Strehle Gedichte, Lovecraft und Schauergeschichten. Quietschende-fiepsende-die-Haare-zu-Berge-stehen-lassende Sounds entlockte Caspar Pan seinem eigens gebauten Instrument „Expanderella“. Ein grandioser Abend. Und weil es so grandios war, kann man das gar nicht in schaurig-schöne Worte kleiden. Also gibts hier den visuellen Rückblick:

Das war Halloween 2018 weiterlesen

Veröffentlicht am

Märchen: Folterschrift oder Kinderbuch?

Wald und Nebel

Märchen damals und heute…

Der goldene Oktober ist vorbei und draußen ziehen sich seit Tagen wabernde Nebelschwaden über die fast gänzlich kahlen Bäume, deren Äste wie dürre Finger hinauf zum dunkelgrauen Himmel zeigen. Der beißende Wind treibt die letzten Blätter umher und lässt die Balken knarren. Ich blicke nach draußen. Die Stimmung könnte unheimlich, gar bedrohlich wirken, doch keins der unguten Gefühle dringt zu mir vor. Ich sitze auf dem Sofa meiner Eltern. Eingewickelt in eine rote Decke, und mit einer Tasse Kakao in meiner Hand lausche ich der Stimme meiner Mutter, wie sie mir aus dem roten Buch vorliest, das seit ich denken kann die Reihen unseres weißen Bücherregals ziert. Meine Mutter senkt ihre Stimme, die Geschichte ist zuende. Doch sie kommt gar nicht erst dazu, das Buch zuzuklappen, da protestieren meine Schwester und ich, um auch noch die nächste Geschichte hören zu dürfen.

So oder so ähnlich darf man sich die Märchensonntage vorstellen, bei denen uns die Zeilen der Gebrüder Grimm wieder und wieder an Orte entführten, an denen Hexen, Prinzessinnen, tapfere Ritter und sprechende Tiere einen realen Stellenwert hatten. Wenn ich damals über den Ursprung dieses wichtigen Teils meiner Kindheit Bescheid gewusst hätte…

Märchen: Folterschrift oder Kinderbuch? weiterlesen

Veröffentlicht am

“Ich hoffe, dass ich nie stehenbleibe“

thommi baake- periplaneta

Thommi Baake im Interview.

Thommi Baake ist schon lange als vielseitiger Künstler unterwegs. Wenn er nicht gerade schauspielert, Musik macht oder als Entertainer auf der Bühne steht, dann schreibt er. Sein Kinderbuch ‚Verrücktisch-Fantastiolische Märchen‘ ist soeben in der Edition Drachenfliege erschienen. Wie er schreibt, was ihn inspiriert und wieso er von lebendigen Teelöffeln erzählt, erklärt er uns im Interview.

Das erste Mal, dass ich Dich gesehen habe, war in der Rolle des Wachtmeisters in einer der älteren Folgen der KiKa-Serie Schloss Einstein – und das ist immerhin gut 18 Jahre her.

Thommi: Du hast mich als Wachtmeister Kranich gesehen? Das ist ja schön! Das war teilweise sehr lustig! “Ich hoffe, dass ich nie stehenbleibe“ weiterlesen

Veröffentlicht am

Düüüüüüsenzuch – Auf den Spuren vergessenen DDR-Vokabulars

Bereits der Titel von Mikis Wesensbitters Erzählungsband „Guten Morgen, du schöner Mehrzweckkomplex – Geschichten aus Ostberlin“ bereitet Leser*innen darauf vor: Zum Teil spielt der Roman in einer fremden Welt, die ihre ganz eigene Sprache hat – zumindest kommt es Nachwende-Kindern wie mir so vor.

Nach der Lektüre des Buches ich jetzt, dass Fans der entsprechenden Musikrichtung als „Heavy Metallisten“ bezeichnet wurden und Brote „Bemmen“ waren, und mir sind auch alte Bekannte wie der „D-Zug“ (wie in „Eine alte Frau ist doch kein …“) wiederbegegnet.

Allerdings habe ich mich zum ersten Mal gefragt, wofür eigentlich das „D“ steht. Leider nicht für „Düüüüüüüsenzuch“ wie Lektorin Sarah nicht ganz ernst in stilechtem Sächsisch vorschlug. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen „Durchgangszug“, das Äquivalent eines ICE.

Düüüüüüsenzuch – Auf den Spuren vergessenen DDR-Vokabulars weiterlesen

Veröffentlicht am

Von geschälten Mandarinen und Kiwis im Kunststoffbecher

Wieso unsere Bequemlichkeit zum Verhängnis wird.

Ich nehme  zum ersten Mal seit langem meine Facebook App wieder in Betrieb. Ein paar unwichtige Benachrichtigungen später stoße ich auf ein Video. Vor mir sehe ich eine Meeresschildkröte, die auf einer Metallplatte liegt und mit benebelten, trüben Augen an der Kamera vorbeisieht. Um sie wuseln Hände und fuhrwerken mit einer Zange in ihrem Gesicht herum. Aus ihrer Nase läuft Blut. Gut acht Minuten kostet es die Tierschützer, den Einwegstrohhalm aus der Nase des Tieres zu ziehen, während mir mit jeder Sekunde übler wird.

Von geschälten Mandarinen und Kiwis im Kunststoffbecher weiterlesen

Veröffentlicht am

Rot-Grün-Schwäche im Periplaneta Literaturcafé

Matthias Niklas Vision und Wahn

Erlebnisbericht von Hilke Grabenkamp.

Die Vision und Wahn am 1. Oktober war meine erste Lesebühne im Periplaneta Literaturcafé. Laut Veranstaltungsbeschreibung erwartete mich Folgendes: Texte, Wissen, Bier und Kuchen. Wie genau das alles eine gute Kombination ergeben sollte, war mir erst mal ein Rätsel … Zunächst wunderte mich, dass einige Gäste schon weit vor geplantem Veranstaltungsbeginn im kleinen Literaturcafé in der Bornholmer Straße eintrudelten. Doch langsam wurde mir klar, dass schon der Aufbau der Bühne durch den Veranstalter ToM und die schlagfertigen Kommentare durch Sarah von der Theke äußerst amüsant und sehenswert sind.

Rot-Grün-Schwäche im Periplaneta Literaturcafé weiterlesen