Marien Loha Baking Bad

Über Macken, Tarantino und das Geldverdienen

Ein Interview mit Marien Loha.

Auf dem Cover zu dem neuen Roman von Marien Loha ist auf lila Hintergrund ein blauäugiges Dalmatiner-Zwergpony zu sehen, das gerade durch eine Blutpfütze gelaufen ist. Reichlich schräg ist das. Waren da etwa Drogen im Spiel?!
Gewissermaßen ja, denn „Baking Bad – In roten Pfützen spielt man nicht“ ist eine Verbrechersyndikatsgeschichtenparodie mit einem hohen Anteil an bewusstseinsverändernden Substanzen – natürlich rein literarisch gesehen. In dem tarantinoesken Thriller wird der unbedarfte Eddy durch seltsame Zufälle zum Leibkonditor eines Drogenring-Bosses, der wiederum ein Faible für die Farbe Lila, Kuchen und ein ungewöhnliches Haustier hat. Wie – um alles in der Welt – kommt man denn auf so was?! Also haben wir uns mit Marien Loha über seinen zweiten Roman unterhalten.

Marien Loha is baking bad - periplaneta

Was hat Dein Buch mit der Fernsehserie „Breaking Bad“ zu tun?
Marien: Es geht zwar um Drogen und um einen Typ, der eher zufällig in das Milieu rutscht, doch der Titel entstand lange nach der Fertigstellung des Buches. Aber tatsächlich hat mich die Serie zu den Kapitelvorschauen inspiriert. Wie in der Serie gibt es auch hier Vorschausequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven, die erst mal einen ‚Hä?!?‘-Effekt auslösen und später hoffentlich ein ‚Ach, das war damit gemeint‘. Ich mache dem Leser die Deutung allerdings wesentlich schwerer.

Wir mussten beim Lesen dieser schrägen Geschichte öfters an Tarantino-Filme denken. Wurdest Du von seinem Stil inspiriert?
Marien: Auf jeden Fall! Auch stark von Guy Ritchie und generell von Filmen dieser Art. Mein Ziel war es, einen Gangsterfilm als Buch zu machen. Aber die Grundidee zur Anfangsszene und der Spitzname des Gangsterbosses ‚Die dicke lila Tunte‘ stammen aus einem kruden Traum.

Deine Charaktere haben alle irgendeine Macke und sind (egal ob gut oder böse) vielleicht gerade deswegen auf eine seltsame Art sympathisch. Eddy stottert, Lin hat eine Putzneurose, Monto glaubt, er sei ein Untoter. Was ist denn Deine persönliche Macke?
Marien: Ich habe keine so gravierende, doch die kleinen sind unzählbar 😉

Marien LohaMit welcher der Figuren würdest Du gerne einen Tag verbringen und warum?
Marien: Gute Frage … Mit Monto. Ich finde seine Geisteskrankheit am interessantesten (die gibt es übrigens wirklich).

An welchen Orten kommen Dir die besten Ideen fürs Schreiben?
Marien: Ideen kommen mir überall und das Handy zum Notizenmachen darf nie weit weg sein. Die Ideen, die ich auf dem Klo bekomme, nenne ich übrigens liebevoll „Scheißideen“.

Kannst Du mittlerweile von der Kunst leben oder womit verdienst Du sonst deinen Lebensunterhalt?
Marien: Da bekomme ich ja fast eine Lachsynkope (Ohnmacht vom Lachen)  🙂
Nein, ich kann davon nicht leben, aber zugegebenermaßen setzte ich darauf auch keine Priorität. Sicherlich kann man auch als Independent-Autor mit sehr vielen Auftritten und Aufwand das finanziell stemmen, aber das würde mir den Spaß an der Sache nehmen.
Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit IT-Administration für Firmen. Bei meinem sparsamen Lebensstil kann ich davon ganz gut leben, ohne 40 Stunden die Woche buckeln zu müssen.

Marien Loha by Gert Schober

Du hast aber auch eine eigene Lesebühne: OWUL. Was unterscheidet sie von den vielen anderen Lesebühnen, die es in Berlin gibt?
Marien: Ohne Scham kann ich behaupten, dass wir facettenreicher sind, was die Texe angeht (da kann auch mal ein trauriger Text einem lustigen folgen), wir zeigen viel mittels Beamer, wir sind politischer und haben eine interaktive Runde. Bei dem OWULrakel dürfen unsere Zuschauer Fragen aufschreiben, die sie schon immer mal beantwortet haben wollten und wir improvisieren bei den Antworten. Und natürlich sind wir schöner.

Ist ein dritter Roman schon in Planung?
Marien: Definiere ‚in Planung‘ ^^ Also Ideen habe ich für viele Bücher. Doch das wird noch dauern und ich arbeite da noch gar nicht dran. Jetzt wird erstmal Baking Bad in Umlauf gebracht, dann verfilmt, dann wird das ganze Geld versoffen, dann Entzug in einer Promiklinik – und dann sehen wir weiter.

Vielen Dank, Marien. Quentin Tarantino macht leider erstmal was anderes. Möge dennoch das Zwergpony mit Dir sein!

Das Interview führte Vanessa Franke.