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Was ist ein Sudokupfiffikus? Was ist ein Skit? Was ist Hirnpomade? Ist Rauhfasertapete wirklich was für Weicheier? Ist man mit einem Faible für Sprache ausgestattet und hat man Wikipedia auf dem Schirm, wird man bei der Lektüre von Frank Klötgens Textwerk tatsächlich schlauer, um nicht zu sagen, erhellt. Beeindruckend sind nicht nur seine Wortschöpfungen. Wie kein Zweiter ist Klötgen sehr stilfest in seiner Ausdrucksweise- und auch was die Inhalte seiner kurzen Geschichten betrifft, die er mal in klassischer Balladenform, mal als Kurzggeschichte erzählt. Er setzt sich dabei genau zwischen die Eckpfeiler, die jene Poetry-Kultur ausmachen, in der er zu Hause ist. "Bühnenliteratur" trifft es ebenso wenig, wie das überstrapazierte "Slam", denn hier wird fabuliert und... und weder auf intellektuellen Schein, noch auf den nächsten Lacher hingearbeitet... Da köchelt natürlich HipHop, Kafka, Kabarett, Comedy und ein Germanistikstudium mit ein paar anderen Zutaten, die man gar nicht wissen will, in einem großen Topf auf dem Herd. Was dabei heraus kommt, macht extrem süchtig, wenn man nur daran riecht. Erlebt man Frank Klötgen leibhaftig, wie unlängst auf seiner K&K Tour mit Wwalt Koslowski, gibt es kein Halten mehr. Man wird das, wovor Künstler meistens Angst haben: Zu einem Fan, der Texte, wie die Ballade vom Täucher mitsingen kann und der sich über den Schnapshobel, der zu einer Stammtischauflösung und zur Kündigung mehrerer Freundschaften beiträgt, jedes Mal von Neuem beäumeln kann, bis der Arzt kommt.
Man hat dazu hier in Berlin genug Gelegenheit. Wie in keiner anderen Stadt buhlen hier massenhaft Lesungen und Slamveranstaltungen um die Gunst der Interessierten. Das slambegeisterte Volk wächst schneller, als die Prenzlberger Exstudenten Kinder in die Welt setzen- und das will echt was heißen... Frank Klötgen gehört zu den Pionieren dieser Kultur (ich meine natürlich nicht die Vermehrungswut der Prenzlberger, sondern die Poetry Kultur), die eine echte Alternative zum klassischen, angestaubten Literatur- und Buchbetrieb darstellt. Und er ist maßgeblich an dem Umstand beteiligt, dass „Poetry-Slam-Legende“ hier so etwas wie eine Berufsbezeichnung geworden ist.
Diesem Ausnahmezustand zwischen Feierkultur und der Kunst zu Schreiben trägt der Verlag Voland & Quist mit seinem außergewöhnlichen Buchkonzept Rechnung, in dem er ein schlichtes, modernes Design mit Begriffen aus der Popkultur anreichert und sämtliche Bücher derer, die auf Bühnen daheim sind, auch mit einer Audio-CD ausstattet. So kann man den Wortakrobaten Klötgen nicht nur Lesen, sondern auch hören. Die Mitschnitte seiner einzigartigen Bühnenauftritte sind zwar von unterschliedlicher Qualität, doch können einige von ihnen das Phänomen Klötgen live durchaus ins heimische Wohnzimmer holen, allen voran solche denkwürdigen All-Zeit-Klassiker, wie „Frühling lässt sein blaues Band...“ oder „Muckefuck“...
Frank Klötgen in Ton und Schrift ist, zudem für schlappe 12,80 EUR, also durchaus eine literarische Pflichtveranstaltung. Thomas Manegold www.hirnpoma.de
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