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„(...) was auch immer wir taten, was auch immer wir dachten, wir schafften es einfach nicht, unsere Seelen, die doch so friedlich am kleinen Fluss in meiner Heimat nebeneinander gesessen hatten, hier in Einklang zu bringen.“
Laura und Cingiz lernen sich in den 50er Jahren in einem Dorf in Sachen kennen. Sie gehören zwei unterschiedlichen Kulturen und Religionen an: Laura ist eine deutsche Christin, Cingiz ein türkischer Moslem. Dass diese Verbindung für viele im Dorf, eingeschlossen Lauras Familie, ein Problem darstellt, bekommen beide sehr schnell zu spüren. Mit Toleranz und Akzeptanz ist es nicht weit her. Doch auch nachdem sie mit ihm Hals über Kopf nach Istanbul ausgerissen ist, bleibt das große, erhoffte Glück aus. Nicht nur die, auch in der Türkei präsenten Vorurteile sind belastend, nein, vor allem stehen sie sich selbst im Weg. Wegen Cingiz Arbeit sehen sie sich nicht viel und den Rest der Zeit streiten sie sich wegen Nichtigkeiten, werden aggressiver und frustrierter. Sie sehen sich beim immer unglücklicher werden zu, bis die von Heimweh geplagte Laura wieder zurück nach Deutschland geht. Auf Umwegen kommt es Jahre später zu einem zweiten Zusammentreffen. Sie bleiben zusammen.
Das Buch „Das weiße Buch des Jadefalken“, geschrieben vom Musiker und Autor Holly Loose, ist Ende 2009 im Verlag Periplaneta erschienen. Es erzählt die Geschichte zweier Menschen, die von Anfang an für einander bestimmt sind, jedoch Zeit brauchen, zu erkennen, dass Religion ein verbindendes Element zwischen zwei Menschen sein kann - auch, wenn es sich um zwei verschiedene Religionen handelt, wie der des Christentums und des Islams. Es bedarf allerdings einer gegenseitigen Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, die Akzeptanz des jeweils anderen religiösen Hintergrundes und der Bereitschaft, sich auf das fremd Erscheinende einzulassen. Nur so kann man unvermutete Gemeinsamkeiten entdecken und über diese zusammen finden. Die Ebene, die sie finden und auf der sie ihre Beziehung aufbauen können, ist die des Glaubens. So wird aus Lauras „Gefährten“ doch noch ihr Mann.
Loose schreibt auf sehr anrührende Art und Weise, ohne dabei dem Kitsch zu verfallen. Die Schilderungen Lauras, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, sind glaubwürdig, wirken nur an sehr wenigen Stellen leicht überzogen. Sie schreibt ihre Erinnerungen an das Leben mit Cingiz, dem „Jadefalken“, in das weiße Buch, das ihr Mann ihr schenkte. Cingiz Charakter nimmt gegen Ende besonders scharfe Konturen an, da seine Briefe an Laura wortwörtlich in das Buch übernommen wurden. Vereinzelte Fußnoten geben kurze hilfreiche Hintergrundinformationen über wichtige Orte und Begriffe, die in der Erzählung vorkommen.
Ein schönes, lehrreiches Buch darüber, dass doch alle an den Einen glauben, ganz egal, ob er nun Gott, Allah oder sonst wie genannt wird. Lisa Weinsheimer |