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Neugier, New York und etwas Seemannsblut

Interview mit Ole Pankow.

Mit seinem Hauptstadtthriller „Genquotient 8713“ legt Ole Pankow ein spannendes Debüt vor und bereichert damit unsere Krimi-Edition. Damit war er Anfang des Jahres auf Lesetour, signierte fleißig Bücher und schreibt mittlerweile auch schon an der Fortsetzung. Wir sprachen mit dem Autor über Boote, Amerika und das Deutsche Fernsehen. Außerdem erfuhren wir, was in fünf Jahren passieren wird.

Du bist seit vielen Jahren Journalist. Wie fühlt es sich auf der anderen Seite des Interview-Tisches an?

Ole Pankow: Es ist zwar etwas ungewohnt, aber nicht unangenehm. 25 Jahre habe ich die Fragen gestellt und somit gelernt, wie man ein Interview führt. Ich denke, das waren weit über hundert Gespräche. Das Wichtigste dabei war immer, dass sich die oder der Interviewte wohl dabei fühlt. Stellt man die falschen Fragen, schwindet das Gefühl. Nun – jetzt bin ich der Interviewte und fühle mich wohl dabei. Ich werde ja nicht als korrupter Politiker, sondern als Buchautor interviewt.

In Deiner Freizeit ist bist Du meistens auf dem Wasser zu finden. Seit Jahren führst du den Blog www.yachtblog.org. Woher kommt deine Leidenschaft fürs Meer und allem, was darauf fährt?

Ole Pankow: Ein Ex-Kollege überredete mich 1991 zu einem Segeltörn auf der „Alexander von Humboldt“. Die zwei Wochen auf dem Schiff mit den berühmten grünen Segeln aus einer Bierwerbung haben mich so begeistert, dass ich seitdem nicht mehr davon loskomme. Seitdem ich den Sportbootführerschein Binnen und See habe, muss ich regelmäßig aufs Wasser, sonst bekomme ich Entzugserscheinungen. Aber ich denke, ich habe auch etwas „Seemannsblut“: Einer meiner Vorfahren war Elbschiffer, meine Großeltern besaßen eine Segeljolle. Und wenn ich beim Urlaub die Wahl zwischen Gebirge oder Meer habe, geht es immer wieder ans Wasser.

Machen wir mal einen Sprung über den großen Teich, denn eines deiner Lieblingsreiseziele ist die USA, was man auch in deinem Roman merkt, da er sowohl in Deutschland als auch in Amerika spielt. Was kann das Deutsche Fernsehen vom Amerikanischen noch lernen?

Ole Pankow: Den Deutschen fehlt es an innovativen Ideen. Während in den USA eine erfolgreiche neue Serie nach der anderen produziert wird, z. B. Mad Men, Suits, Nashville, Bosch, Homeland oder Criminal Minds, werden hier seit Jahrzehnten der biedere Tatort und endlos lange Seifenopern produziert. Jemand erzählte letztens, die Lindenstraße sei verlängert worden. Ein Witz. Hoffe ich …

Wenn du dich jetzt sofort entscheiden müsstest: Wo willst du leben?

Ole Pankow: New York.

Huch, das ging schnell. Warum ausgerechnet New York?

Ole Pankow: Als ich 1998 das dritte Mal nach New York kam, hatte ich ein eigenartiges Gefühl, als würde ich ankommen. Woher das auch immer stammte – dieses Gefühl wurde immer stärker. Wenn ich jetzt nach New York komme, fühle ich mich sofort zu Hause. Diese vibrierende Stimmung, das 24 Stunden andauernde „Grundrauschen“ der Stadt – aus abertausenden Klimaanlagen auf den Dächern und ebenso vielen Taxen auf den Straßen –, eine unsichtbare positive Spannung, die Leute dort und deren unglaubliche Gelassenheit und ja, auch der Geruch. Alles zusammen erzeugt bei mir ein Gefühl der Geborgenheit. Zudem erzeugt für mich kein anderer Ort so viel Kreativität. In NYC hatte ich bisher die besten Schreib-Ideen, im Grunde habe ich dort mein Buch „im Kopf“ geschrieben.

Als du anfingst zu schreiben (2010), waren viele deiner Scheib-Ideen eher Science Fiction: Drohnen, Überwachung, der Genquotient … Magst du für uns in die Kristallkugel sehen und sagen, was es in fünf Jahren geben wird?

Ole Pankow: Gerne, aber nicht in die politische, sondern lediglich in die technische Kugel: 2023 gibt es Handys, die man wie Papier zusammenknüllen und in die Tasche stecken kann, private Drohnen, die ein oder zwei Personen befördern können, einen flüssigen Datenspeicher, den man intravenös spritzen und per RFID erfassen kann (ersetzt Ausweis/Reisepass/Kreditkarte), selbstfahrende Elektroautos für jedermann, die ersten Androiden an Supermarktkassen und Bücher. Gedruckte Bücher wird es auch 2023 noch geben.

Na dann können wir uns ja auf eine schöne Bücher-Zukunft freuen 🙂 Vielen Dank für das Interview.

Am 2. März präsentiert Ole Pankow zum zweiten Mal sein Debüt im Periplaneta Literaturcafé. Wir empfehlen, Plätze zu reservieren, da die Buchpremiere ziemlich fix ausverkauft war 😉 Hier geht es zum EVENT.