Fuck You!

FCK MBT-LST-Literaturförderung!

Literatur als kostenloses Beiwerk auf einem LESEfestival? Gehts noch?!

Sechs Mal haben wir über die Jahre hinweg bei Moabit liest! (einem der größten, mehrtägigen Lesefestivals in Berlin) mitgemacht, da wir die Idee toll fanden, in Waschsalons, Galerien, Bars und Theatern zu lesen.
Aber 2017 sind wir nicht mehr dabei. Aus Überzeugung! Denn die Autoren erhalten diesmal keine Aufwandsentschädigung, noch nicht mal ein Spendenkasse darf durch die Publikumsreihen gehen. Die Autoren sollen „ehrenamtlich“ und ohne jegliche Vergütung lesen. Weil nämlich die eintrittsfreie Veranstaltungsreihe mit öffentlichen Mitteln gefördert wird und dementsprechend auch Bitten um freiwillige Spenden an die Autoren nicht zulässig sind, so die Organisatoren.

Aber wie kann es sein, dass bei einer finanziellen Förderung eines LESE(!)-Festivals gerade die LESENDEN (jene, die für den Spaß sorgen und das Publikum unterhalten sollen), gar nicht bedacht werden? Dass sie sogar von jeglicher Entlohnung EXPLIZIT ausgeschlossen werden, weil noch nicht mal ein Hut für Spenden rumgehen darf?!

Offensichtlich wird bei den Förderern künstlerische Leistung nicht wertgeschätzt – zumindest darf sowas wohl keinen Posten in der Kalkulation einnehmen. Solch ein autorenfeindliches Konzept wollen wir weder unterstützen noch befürworten. Hier werden Literaten von einem Lesefestival zu kostenlosem, billigem Beiwerk degradiert. Das ist schon ziemlich perfide.

Qualität hatte mal ihren Preis

„Aber die können ja Bücher verkaufen“, wird dann oft ins Feld geführt. Nur geht bei Lesefestivals mit vielen Autoren aufgrund des Überangebots da relativ wenig – und manchmal sogar gar nichts. Und nein, Werbung für die Autoren ist das auch nicht. Wenn ich zum Bäcker gehe und sage: „Ich esse Ihre Brötchen öffentlich, das ist doch Werbung für Sie. Ich will die umsonst“, dann bekomme ich entweder gar nichts – oder höchstens die Schrippen vom Vortag.
Bei der derzeitigen Strategie (nicht nur) von Moabit liest! ist das ähnlich: Entweder man bekommt von dem guten Literaten-Stoff gar nichts oder eben irgendjemanden, der irgendwas irgendwie vorliest. Letzteres ist den Förderern dann ja auch egal, Hauptsache, irgendeiner macht Geräusch mit dem Mund. Dann aber kommt spätestens übernächstes Jahr kein Publikum mehr.

Es ist jedem Autor natürlich freigestellt, ob er einen ganzen Abend lang umsonst arbeiten möchte (und ja, öffentlich aufzutreten IST Arbeit und kein Freizeitvergnügen).
Wir von Periplaneta können davon nur abraten: Wer als Künstler von seiner Kunst leben möchte und findet, dass künstlerische Darbietung gesellschaftlich viel zu gering gewertschätzt wird, der darf sich selbst nicht unter Wert verkaufen.
Der Drang, sich selbst „ehrenamtlich“ zu verheizen, ist definitiv das falsche Signal an öffentliche Förderstellen und schadet der gesamten Literaturbranche und jeder Künstlercommunity.  Wer da als Autor mit macht, verhindert aktiv ein gesellschaftliches und förderpolitisches Umdenken.

PS: Kostenlos lesen kann man in Berlin in hunderten von Kneipen – und da darf man dann wenigstens eine Künstlerkasse für Spenden aufstellen. Nein, wir haben nichts gegen „Benefit“ oder „Ehrenamt“ oder „Umsonst“ (egal, ob drinnen oder draußen). Aber es sollte nicht zur Regel werden. Und wenn Geld im Topf ist, sollten alle was davon haben, vor allem diejenigen, die die eigentliche Leistung erbringen, die da verkauft wird. Und deshalb rät Periplaneta nach vielen Jahren Engagement bei solchen Konzepten nun allen seinen Autoren, bei Moabit liest nicht aufzutreten.