Dienstagspropheten (Berliner Lesungen 1)

Jeden 2. Dienstag im Zebrano Theater

Dienstag hatte ich Ausgang. Ich durfte meinen Arbeitsplatz für einige Stunden verlassen. Also schwang ich mich aufs Fahrrad und huschte zwischen zwei Regenschauern hindurch nach Friedrichshain.

Jeden 2. Dienstag des Monats gastieren  dort im Zebrano-Theater (Sonntagstr. 8, 10245 Berlin) die Dienstagspropheten. Der Name ist etwas verwirrend, da Martin Betz, Sebastian Krämer, Lea Streisand und Georg Weisfeld sich dabei nur gelegentlich zu Verkündigungen hinreißen lassen.  Vielmehr bereichern sie das Programm des kleinen Theaters  mit angeschlossener gleichnamiger Kneipe mit einer “unplugged” Lesung. Kein Kabel, kein Mikro, dafür “Geschichten, Gedichte, vier Stühle, ein Klavier und jeden Monat ein neuer Gast”

Irgendwie ist man das ja gar nicht mehr gewöhnt, dass die Töne, die von den Stimmbändern verursacht werden, doch tatsächlich aus dem Kopf des Künstlers kommen. Meistens hört man sie von der Seite, noch dazu mit einem unterschwelligen Brummen. Als Künstler auf der Bühne hat man bei so einer unplugged- Lesung auch nichts zu lachen. Kein Mikroständer zum Festhalten, kein Kabel zum Drüberstolpern … kein Monitor, um sich selbst zu hören … Nix, wohinter man sich verstecken kann …

Diese Wohnzimmeratmosphäre wissen die Dienstagspropheten zu nutzen. Sie unterhalten sich zwischen ihren Darbietungen, ja unterbrechen sich auch mal gegenseitig, reagieren aufeinander und sind für den Gast hautnah erlebbar. Meistens wird gelesen. Martin Betz spielt gelegentlich Klavier, überlässt aber die großen Lieder des Abends Sebastian Krämer, der nicht nur wegen seines Krawattenknotens, sondern auch  singend am Klavier immer wieder ein Erlebnis ist.

Er kredenzte  u.a. ein Lied über Spielzeug aus den Achtzigern, also von dem Ding, dass die Treppe runtergehen kann… Wir hörten außerdem Poesie auf Schlagermusik… eine Dystopie über ein landesweites Strickverbot und schwarzstrickende Omas… und inmitten der Herrenriege las unser Hörbuchstar Lea Streisand Schwänke aus dem Alltag einer Studentin im Endstadium…  Diese wilde Mischung kittet Martin Betz am Schluss noch zu einem Konzept zusammen.
Der Wahnsinn hat also Methode und passt hervorragend zum Zebrano-Theater, dessen Akustik Lesen ohne Verstärkung durchaus auch zulässt. Die Akteure wissen zudem auch genau, was sie tun. Und wenn man bei routinierten, jungen, dynamischen, bepreisten Kleinkünstlern in Berlin Gast sein darf, hat man auch meistens jede Menge Inspiration und Spaß.

Dieser hier kostet sogar nur 4 EUR.