Berliner Lesebühnen: DICHT IT SLAM

6 Jahre DICHT IT.

matthias

DICHT IT Veranstalter und MC: Matthias Niklas

Neukölln. Laika.
Bekannt für gute Konzerte, Slams und Partys. Der stickige Raucherraum, in dem DICHT.IT Slam seinen 6. Geburtstag feiert, platzt fast aus allen Nähten. Einige Verliebtäugelnde überspringen den Part des Händchenhaltens bereitwillig und setzen sich auf den Schoss des potentiellen Partners. Schon ist Platz für alle. Langsam breitet sich eine erwartungsvolle Stimmung aus.

Dann betritt Matthias Niklas, Moderator des DICHT.IT-Slams, die Bühne und lächelt in den Zuschauerraum. Er erklärt, was ein Poetryslam ist und stellt die Regeln vor: Ein Poetryslam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem die Teilnehmer innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, meistens 5 Minuten, ihre selbstgeschriebenen Texte einem Publikum vortragen. Abgestimmt wird mit Hilfe von Applaus. Der heutige Abend besteht aus zwei Vorrunden, in denen die vier Teilnehmer jeweils einen Text zum Besten geben sollen. Anschließend werden die Finalisten des Wettbewerbs bestimmt, unter denen nach einer dritten Runde der Gewinner gewählt wird. Mit einem selbstverfassten Text über die Schwierigkeiten der Geschlechtsneutralität in einem gegenderten Deutschland leitet Matthias Niklas die Gäste in den Slam ein. Das Publikum lacht, die Stimmung wird lockerer und der Wettbewerb kann beginnen.

Marko wagt den Anfang und trägt einen Tagebucheintrag über sein Leben vor. Er ist Rollstuhlfahrer und weiß, was „echte“ Hürden im Alltag sind. Doch bekommt er diese auch gut gemeistert. Auf seine Art. Jim kommt aus Spanien und trägt seinen Text auf Englisch vor. Als er anfängt, bin ich von seiner kräftigen Stimme überrascht. Mit ein paar kurzen Aufstampfern bekommt er auch von den letzten Plaudertaschen die volle Aufmerksamkeit. Ihm folgt der eher ruhigsprechende Max. Er greift mit Hilfe eines amüsanten Textes die Vorzüge und Nachteile des Internets auf. Ich bemerke ein idiotisches Grinsen in meinem Gesicht, als ich einige meiner Einstellungen selbst wiedererkenne. Die letzte Teilnehmerin ist Alma, die als Lotte auf die Bühne tritt. Als sie anfängt, über die Bedeutung von Zeit im Leben zu sprechen, schaue ich einmal in die Runde. Ich kann sehen, dass manche der Zuhörer von ihren Worten ergriffen sind.

In der Pause treffe ich sie auf dem Weg zur Toilette und frage sie, was ihr bisher am Besten gefallen hat. Sie findet den Abend sehr spannend, da die einzelnen Teilnehmer so unterschiedliche Themen aufgreifen. Sie hofft, dass sie mit ihren eher kritischen Texten punkten kann. Unsere Wege trennen sich schnell wieder, ihrer geht auf die Bühne, meiner endet bei meinem Sitzplatz im Publikum. Ich bin froh, auf dieser Seite des Entertainments zu stehen. Beziehungsweise zu sitzen.

So sehen Sieger aus: Lotte, Alma und Marko.

So sehen Sieger aus: Lotte, Alma und Marko.

Auch die zweite Runde bleibt spannungsreich. Es ist nicht leicht, die Finalisten auszuwählen. Doch schließlich schaffen es Alma und Marko in das Finale. Nach einer erneuten, kurzen Raucherpause liest uns Marko seine Nacht als Captain Roll, der die Straßen Rudows unsicher macht, vor. Er bringt das Publikum noch einmal richtig zum Lachen. Anschließend kommt Lotte auf die Bühne und trägt als Alma das Tagebuch des krebskranken Mädchens Carla vor.
Dann ist der Moment der Entscheidung gekommen. Es gibt einen Doppelsieg und die Gewinner gratulieren sich gegenseitig. Geteilte bedeutet eben doch doppelte Freude.

DICHT IT IM APRIL.

Auch einen Monat später ist der Raum im Laika wieder rappelvoll. Selbst Marko ist wieder mit dabei, um seinen Titel zu verteidigen. Er muss sich schließlich in der Endrunde Sebastian geschlagen geben, wobei mir auch dieses Mal wieder auffällt, dass der Wettbewerb zwar von allen Beteiligten ernst betrieben wird, aber eben nicht das Wichtigste ist.

Sebastian und der Whiskey

Sebastian und der Whiskey

Und ich lerne Claire kennen, die öfter beim DICHT IT mitmacht und mir erklärt, das die kleineren Slams, zu denen der DICHT IT ja gehört, einen unverwechselbaren Charme haben und viel eher zu denkwürdigen, schönen Abenden werden, als die Großveranstaltungen.

Wie recht sie hat. Es wird vorgelesen oder frei gereimt. Die Themen der Texte sind wieder sehr unterschiedlich. Während Niko mit seinem Text an die Bewältigung von Rassismus gegen Migranten appelliert, erzählt uns Sebastian von einer schmerzhaften Trennung, bei der die Welt nicht nur sprichwörtlich untergeht. Der dritte Teilnehmer ist der Periplanetaner Tom, der uns eine Episode aus seiner imaginären WG erzählt. Es geht um den Verzehr psychoaktiver Pilze und dessen Folgen. Claire sinniert danach darüber, wie wir uns wohl alle selber in der Welt definieren und Titelverteidiger Marko sorgt mit einem Tagebucheintrag über einen für ihn typischen Abend in Neukölln für einige Lacher. Und noch lange nach dem Slam sitze ich mit den anderen Poeten und Gewinner Sebastian zusammen und wir stoßen mit SEINEM Gewinner-Whiskey auf den Slam …  und eine bessere Welt … und auf sonst noch alles Mögliche an …
Dann wird es dunkel …

 

DICHT IT SLAM
JEDEN VIERTEN FREITAG DES MONATS
LAIKA NEUKÖLLN
https://dichtit.wordpress.com/

Text und Bilder von Vivien Püschel,
Video von Sarah Noack